Angesichts heutiger Erzeugnisse des weiterhin fleißigen, sich aber zunehmend in Wiederholungen gängiger Geschichten ergehenden und mit abnehmenden Schauspieler- und Kreativenteam herumschlagenden Fernsehsenders Television Broadcasts Limited (TVB), der sich auch verstärkt mit einer wachsenden Konkurrenz seitens der VRC oder ausländischer Streamingdienste herumschlagen muss, wird gerne auf eine Hochphase um die Zehnerjahre herum verwiesen. Im Bereich der Polizei-/Gangsterserie steht dabei die E.U. (Emergency Unit) als Weiterführung von der vorhergehenden The Academy (2005) und On the First Beat (2007) ganz groß mit in der Prägnanz, Nachhaltigkeit und den Verweisen auf vermeintlich oder tatsächlich bessere Zeiten und auch als Wegweiser für die nächsten erfolgreichen Jahre und die Entwicklung bspw. auch des Line Walker Universums mit seinen Prequels, Sequels und Kinoablegern da. E.U. selber hat es auch zu einer weiteren Fortsetzung, dem annähernd beliebten Lives of Omission (2011) und zwei Spielfilmen als Art Spinoff hierzu, also auch erweiterten Einfluss bis hin in die Kinolandschaft gebracht:
Die Gangsterlandschaft ist in Aufruhr. Der nach zehn Jahren Haft in Taiwan verbüßende Jiang Shi-Xiao [ Michael Miu ], der die Strafe für seinen Blutsbruder To Yi-Tin [ Lam Lee ] abgesessen hat, fordert nun mitsamt seinem im Gefängnis kennengelernten Anhängsel Zhong die ehedem versprochene Hälfte an den Einnahmen und einen oberen Posten in der Triade ein, was den währenddessen empor gestiegenen Nachzüglern um Leung Siu-Tong, Spitzname "Laughing Gor" [ Michael Tse ] schon nicht passt, und Fai Wing-Lun [ Joel Chan ], dem Sohn des Triadenältesten Fai Hung [ Chun Wong ] auch nicht. Einzig Tos Frau Ching Yeuk-Sam [ Kathy Chow ] nimmt den Zurückgekehrten vorbehaltslos auf, wird aber nach einigen Vorfällen auch misstrauisch um dessen wahren Motive. Währenddessen haben die zusammen wohnenden und unter ihrem Vorgesetzten Wu Cheung-Yan [ Dominic Lam ] dienenden Polizistenfreunde Lee Pak-Chiu [ Sammul Chan ] und Chung Lap-Man [ Ron Ng ] ganz eigene Probleme mit Jiang; Lee fühlt sich durch dessen verblüffend optische Ähnlichkeit mit seinem verstorbenen Vater gleichzeitig provoziert als auch gehemmt, Chung möchte über den 'Neuling' an das Drogengeschäft der Unterwelt heran, unterschätzt dessen eigene Intelligenz aber.
Interessant aus rückwirkender Sicht ist eher der Vergleich mit den heutigen Drehbedingungen, der Verwendung des Budgets und der Nutzung der Darstellerschar, die gerade hier auch beeindruckend teilweise geraten und mit heute entweder nicht mehr genutzten, da 'abgewanderten' und sich Besseres als die Studiobedingungen (und Knebelverträgen) erhoffenden Vertretern der Schauspielzunft ausgestattet ist oder auch mit im Nachhinein gewachsenen oder in Nebenrollen versandeten Kandidaten. Kreiert und produziert von Wong wai-sing - der auch für die sogenannte historische Version hiervon, dem Relic of an Emissary (2011) verantwortlich war -, geschrieben von Chu King-king, Lee Yee-wah und Leung Yan-tung. Mit einer sehr dynamischen Bild- und Tonmontage wird dabei begonnen, ein Start mit destruktiven Groß-, Stunt- und vielen Massenszenen, irgendwo zwischen dem Triadenkino des Young and Dangerous - Universums mit seinen vielen Fortsetzungen, Spinoffs und Trittbrettfahrern, und dem Polizeifilm von Johnnie To und Co., wobei die (hier höchst attraktiven, optisch in ihrer jeweiligen Blütezeit befindlichen) Darsteller aus den früheren Serien übernommen wurden und ihre Rollen weiterführen, jetzt aber nicht mehr die einzige aktive Kraft, sondern eher eminente Beifügungen zu den neuen und eigentlichen Stars der Geschichte sind.
Anfangen dürfen sie die Startepisode zumindest, geht es von ihrer gemeinsamen Wohnung und der Einzelbetrachtung der beiden Charaktere in ihrem unterschiedlichen Wesen ("One is such a gentleman. The other is like a hooligan.": einer ordentlich, einer nicht, einer arbeitet nach Lehrbuch, einer ergreift eher die Chancen, auch wenn die sich oftmals als haltlos entpuppen, einer kauft sich neue Kleidung, der andere trägt sie ungefragt usw.) direkt in den ersten Polizeieinsatz, ein Observation während regnerischer Zeiten, die zu einer Verfolgung eines Verdächtigen quer durch das Treppenhaus eines Wohnblocks und schließlich und endlich zur Erstürmung einer (vermeintlichen) Drogenhölle führt. Folgend viel Trubel im Polizeirevier und auf den Straßen, Belobigung oder Bestrafung durch den jeweiligen Vorgesetzten, Klüngel und Geplänkel mit den Kollegen sowie weiterführend eine Patrouillenfahrt mit dem 'Bulli' durch die Metropole, immer auf der Mission des Schutzes der Bevölkerung und dem Verhindern von Verbrechen. Der Gangsterfilm kommt spätestens mit der Freilassung eines kriminellen Schwergewichtes nach zehn Jahren Haft in Taiwan hinzu, die Handlung wird erwachsener und bekommt einen narrativen Überbau, der die vorherige Episodenhaftigkeit und auch die gewisse spielerische Leichtigkeit ablöst und das Ganze zu einem zunehmenden Drama mit einer elegischen Vor- und Nachbehandlung führt. Vertane Chancen oder Fehlentscheidungen in der Vergangenheit, die Veränderungen der Zustände über die Jahre, die Möglichkeiten eines Neubeginns oder des Weitermachens in einer Welt, die eine andere ist und nicht mehr die gleiche; die Produktion erreicht hier durch eine gewisse sorgsame Behandlung und solider darstellerischer Leistungen und Sorgfalt in Drehbuch und Regie eine durchaus spürbare Bedeutung - gerade auch bei dem zeremoniellen Hak Sek Wui Banque, einer geschlossenen Veranstaltung, in der der führende Junior Member der Triaden den 'Neuankömmling' aus dem Gefängnis antestet, während draußen OCTB und Konsorten die Stellung halten und Zaungäste in ihrer eigenen Stadt sind - die gerade in heutigen Jahren den meisten Neuerscheinungen abgeht.
Der Ärger aus Folge 1 kulminiert am Ende der Episode in einer Verhaftung, die in Folge 2 aufgelöst wird und den Trubel neu anregt und das Rad der gegenseitigen Vorwürfe und lautmalerischen Alphamänner weiter spinnt, "If this carries on, there will be bloodshed among our own men. What's the point?" fragt einer der Beteiligten, allerdings einer der Leute, der nur Beobachter ist und im andauernden Machtkampf nicht involviert. Ärger gibt es noch bis zur Folge 30, dazwischen mehrere Überraschungen, davor mehrere Fragen, die auch persönlicher Natur sind und wo zu Beginn in Folge 2 Gangster und Polizist für den Moment auch mal wie normale Menschen zusammen sitzen und prompt jeder aus deren Organisationen prompt Fragen nach der Integrität und der Loyalität stellt. Dabei bewegt man sich ständig zwischen mehreren Ebenen, oben wird einiges angeleitet und die Dinge geregelt und geklärt, das eigentliche Geschehen spielt aber auf den Straßen ab und dies auch von mehreren Seiten in Beobachtung und stets in Verkehr. Zur Ruhe kommen die Personen wenig, selbst kleinere Gespräche werden meist während der Autofahrt getätigt und das Geschehen im Strudel verschiedener Motive und Aufgaben etabliert. Ein eigentlich 'normaler' Drogentransport artet durch das Eingreifen gleich mehrerer Akteure in eine wilde Verfolgungsjagd ab Wanchai quer durch die Stadt Richtung Central (und in einer erstaunlich und erfreulich stuntintensiven Actionszene) aus, wobei das fliehende Fahrzeug gleich von Anfang an mit dem Nachteil ausgestattet ist, dass man sich selbst der Hintertür entledigt hat und mit teils offener Karosserie per Höchstgeschwindigkeit fährt. In Episode 3 gibt es von Beginn an wieder verbale Spitzfindigkeiten, dazu wird bei dem Stakeout eines illegalen Spielbüros der 'große Fisch' verpasst und bei der eher zufälligen Festnahme mehrerer intoxikierter Jugendlicher später ein Todesfall durch Sturz vom Dach im Rausch beklagt; Situationen entstehen von jetzt auf gleich und können sich auch sofort wieder ändern, wobei der Sturz als dramaturgisch recht offensichtlicher Versuch der Warnung vor Drogenkonsum und auch ein wenig als Polizeipropaganda benutzt wird. In Folge 4 wird sich vermehrt dem Drogengeschäft gewidmet und auch die Angaben eines Informanten von dort benutzt, der nach dem Ausscheiden diverser 'kleinerer Fische' dichter in das Dickicht einsteigen und die Informationsleiter aufsteigen will; außerdem wird eine Serie von Einbruchdiebstählen geklärt und ein weiteres familiäres Konstrukt wie mit der Zauberhand über mehrere Ecken, eines von vielen übrigens installiert, alle miteinander verschwippt und verschwägert. In Folge 5 droht die ganze Infiltration schon zu kippen und vollends auszuufern, Verhaftungen werden vorgenommen, Seiten gewechselt und Verbindungen gekündigt. In Folge 6 gibt es eine großangelegte, recht aufwändig gefilmte Gefangenenbefreiung mit Beschuss eines Polizeikonvois von gleich mehreren Seiten, sowie auch das Ausscheiden einer bis dato wichtigen Figur und der folgende Trubel in der Jiang Hu.
Das zweite Drittel startet mit der Planung eines gefährlichen Undercovereinsatzes, zudem wird während der Freizeit in den Bergen vor den Toren der Stadt auf ein Versteck von Waffenhändlern gestoßen und sich mit diesen angelegt. In Folge 13 gibt es eine fußläufige Verfolgungsjagd durch die halbe Stadt (und reichlich Schaulustige), die Serie ist nun ca. zur Hälfte der Laufzeit schon deutlich auf eher ein jüngeres Publikum, mehr Popularität, auch diverse Beifügungen der Jugendkultur (ein Blog, ein Cartoonshop namens 'Roaming World' etc.), das allgemeine Durchschnittsalter der Figuren usw., einige sehr naive Verhaltensweisen und Dialoge angelegt. Eher eine Art Triadenmärchen, inklusive einer 'Prinzessin' und eines 'Prinzen', die miteinander im Chatverbündnis stehen. Folge 14 macht bei dem Versuch des Verhinderns eines angedrohten Suizids einen kurzen Rückblick in eine der Ursprungsserien, ein weitverzweigtes, weitverbreitetes Universum von Personen und Institutionen und Erlebnissen. Viel Kommunikation der unterschiedlichen Sorte demnach, die Serie formuliert sich schon von den Dialogen, werden Verhältnisse nach und nach gelockert oder verhärtet, Entspannung und Anspannung, je nach Situation und dramaturgischen Bedarf. Die Zeit vergeht, die Jahre verfliegen, private Beichten, berufliche Offenbarungen, konspirative Treffen, interne Konflikte. In Episode 16 gibt es ein Gastauftritt von Aimee Chan, innerhalb einer Rückblende, zudem wird dort auch bereits ein erzählerischer Clou angedeutet, der folgend noch die gesamte Serie auf den Kopf stellen und auch die Optionen mehrere Kinofortsetzungen und eines Sequels eröffnen sollte. In Episode 18 folgt eine Reihe von Bombendrohungen und Bombenanschlägen, ein Machtkampf innerhalb verschiedener Triadengruppierungen, mit etwas Radau und Feuerstunts. Das letzte Drittel eröffnet mit mehreren Bußen und Beichten, mit mehreren Bedrohungen, mit Offenbarungen, mit Andeutungen und Versprechungen, einer feingliedrigen Verfolgung mitten des Nachts und einem oder gleich mehreren Double-Crossing.