In der Anthologie "Star Wars: Visions" hat man verschiedene japanische Animestudios Kurzfilme erstellen lassen, die im ursprünglich von George Lucas erdachten Universum spielen. Dabei gehören die Episoden nicht zum offiziellen Kanon, die Autoren hatten also quasi alle Freiheiten, da es nirgends dazupassen musste.
Die Episode "Das Duell" spielt in einer feudalen, doch auch technisierten Welt, in der ein Dorf von einer von Bande überfallen wird. Deren Sith-Anführerin stellt sich ein fremder Schwertkämpfer entgegen.
Optisch ansprechend in überwiegendem Schwarz-Weiß präsentiert, farblich hervorgehoben sind hier Lichtschwerter und andere Energiequellen, bietet die Folge ziemlich das, was der Titel verspricht. Dabei gibt sich die Folge in Bezog auf den Protagonisten einer gewissen Ambivalenz hin. Viele bekannte Designs im Hinblick auf die Figuren tummeln sich hier und auch ein Astromech ist mit von der Partie.
Aufgrund der Kürze des Films bleibt es zwar bei einer einfachen Geschichte, doch ist diese gespickt mit ein paar guten Einfällen und unterhält. Visuell mal was Anderes und laut Regisseur Mizuno eine kleine Hommage an Akira Kurosawas Filme. Dabei zielt die genutzte Computeranimation auf einen handgezeichneten Look ab, was im Ergebnis chic aussieht.
"Tatooine Rhapsodie" handelt von der Rockband Star Waver, die in ihrer illustren Besetzung, unter anderem ein ehemaliger Padawan und ein Hutte, vom großen Erfolg träumt. Oder davon, mal einen Auftritt bis zum Ende absolvieren zu können, denn immer ist eine Gruppe von Kopfgeldjägern hinter ihnen her.
Unter denen findet der geneigte Fan auch Boba Fett, der Stil ist eher knuffig und der Grundton nicht völlig ernst. Figuren und Dramaturgie sind eher seicht und einfach gehalten, am Ende rockt man eben rum und alles ist in Butter. Die Arena aus dem bekannten Podrace wird umfunktioniert und es tummeln sich Bib Fortuna oder Jabba auf dem Bildschirm. Insgesamt ist das zwar mal ein ungewohnter Blick auf diese Welt, aber am Ende schaut nicht nur die Cantina Band skeptisch.
"Die Zwillinge" sind das für einen Zweck im Dienst der dunklen Seite erschaffene Geschwisterpaar, das hier mit seiner Bestimmung auf unterschiedliche Weise umgeht. Dabei ist der von Hiroyuki Imaishi inszenierte Kurzfilm ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist da die im Charakterdesign gewöhnungsbedürftige, in den Actionszenen aber schön inszenierte Optik. Auf der anderen bietet die Geschichte eine interessante Ausgangslage und behandelt das Thema der Bestimmung, entwickelt sich aber allzu flach in Richtung diskutiertes Duell. Trotzdem kann man ihm sein Tempo nicht absprechen.
Störend sind da eher die forciert wirkenden Reverenzen an die Original Trilogy und dass die beiden Figuren im All ohne Anzug auskommen, ein Droide aber einen entsprechenden Helm braucht. Insgesamt trotzdem okay.
Im Machtvakuum irgendwann nach dem Fall der Separatisten spielt "Die Braut des Dorfes" von Hitoshi Haga. Auf dem Planeten Keelia terrorisiert der Warlord Izuma ein Dorf, was eine junge Jedi auf den Plan ruft.
Visuell ist das schön gestaltet und es wird sich Mühe gegeben, die Welt mit Mythologie etwas auszugestalten. Diese Spiritualität, die Star Wars generell nicht fremd ist, wird hier in der ersten Hälfte in den Mittelpunkt gestellt. Die eigentliche Geschichte ist recht übersichtlich, fügt dem Star Wars Kosmos aber eine interessante Randnotiz hinzu. Weiterhin punktet die Folge mit ihrer Präsentation und den interessanten Figuren selbst, sodass es gerne länge hätte gehen dürfen.
Wer "Die neunte Jedi" ist, kann man sich in dem von Kenji Kamiyama inszenierten Beitrag recht schnell denken. Was es mit den einberufenen Versammlung und der Vergabe der Lichtschwerter auf sich hat, ist da schon interessanter. Und auch wenn kein ausuferndes Worldbuilding betrieben oder dem Star Wars Kosmos allzu viel hinzugefügt wird, so birgt der Film einiges an Potential. Die Story hat einen netten Twist, die optische Präsentation ist gefällig, die Inszenierung rasant und dynamisch.
Erfährt man auch über die meisten Charaktere nicht allzu viel, so bleibt am Ende der Wunsch, mehr von alledem zu sehen und vielleicht würde sich das Konstrukt bei entsprechender Ausgestaltung auch für einen längeren Film eignen. Eine Fortsetzung böte sich auf jeden Fall an. Für mich einer der besten Beiträge zur ersten Staffel von "Visions".
"T0-B1" ist ein kleiner Android, erschaffen von Professor Mitake. Er träumt davon, ein Jedi zu sein. Kurz und knapp: Die Folge hat mich nicht gekriegt. Sowohl der an "Astro Boy" erinnernde Stil, als auch die Inszenierung der Geschichte bis hin zum leicht enervierenden Soudndesign gab's da nichts zu holen. Dramaturgisch auch flach und insgesamt sprunghaft, verbaut der von Abel Gongora inszenierte Kurzfilm noch allerlei Zitate, was die Sache nicht besser macht.
Ein Lowlight der Kurzfilmsammlung.
Ein Meister spürt eine Präsenz und so landen er und sein Padawan auf dem Planeten Habo im Outer Rim, auf dem sich auch "Der Alte" befindet. Dieser ist ein Weilchen zuvor angekommen und so machen sich die beiden Jedi auf die Suche nach ihm. Der von Masahiko Otsuka geschriebene und inszenierte Kurzfilm geht dabei recht geradlinig vor, bietet aber ein paar nette Details wie verdampfenden Regen auf einem Lichtschwert. Visuell bedient er sich eines historischen Settings mit ebensolchem Kampfstil, was recht chic aussieht. Der Rest ist atmosphärisch und etwas mysteriös, macht zusammen einen der besseren Beiträge.
"Lop & Ocho" sind zwei ungleiche Schwestern, die durch das Imperium entzweit werden und auf verschiedenen Seiten landen. Optisch ist der von Kurzfilm von Yuki Igarashi durchaus ansprechend geraten, allerdings auch recht theatralisch. Das Dreieck der Hauptfiguren wird etabliert und gespalten, am Ende bleibt es bei einem recht einfachen Schema. Es überwiegt spürbar die Form des Anime über das Gefühl von Star Wars. Das macht den Film nicht schlecht, aber im Kontext wenig interessant.
"AKAKIRI" bedeutet soviel wie "roter Dunst" und die Andeutung der Farbe gibt für den von Eunyoung Choi inszenierten Kurzfilm schon eine gewisse Richtung vor. Inhaltlich erinnert er an Motive aus Episode III, die Geschichte ist für ihren Kern etwas gedehnt erzählt. Visuell kann der Film mit seinem Stil punkten, das Design zeigt mal wieder klassisch japanische Strukturen, was bei dem Arbeitsauftag von "Visions" nicht überraschen dürfte. Ein netter Abschluss der ersten Staffel, aber kein Topkandidat.
Insgesamt ist die erste Staffel des Projekts „Visions“ durchaus interessant geraten. Ich hätte mir gerade inhaltlich aber etwas mehr Vielfalt gewünscht, thematisch ähneln sich manche Folgen bzw. bedienen sich Versatzstücken, die nun schon oft im Star Wars Kosmos besprochen worden sind. Aber vielleicht kommt da noch etwas, was einen anderen Blick auf diese Galaxie wirft.
„Visions“ ist ein sehenswerter Sandkasten, der sich seiner selbstauferlegten Freiheit wohl noch nicht ganz bewusst ist. Ein gelungenes Projekt, trotz wechselhafter Beiträge.