Review

Angesichts dessen, dass die Produktion mit anhaltendem Ruf ab der Entstehungszeit und im Nachhinein noch verstärkt durch eine Handvoll wirkungsvoll gesetzter Mit- und Gegenspieler auch heute noch den großen Geist der Erwartungen belebt, muss sich die Regie von Yuen Cheung-yan leider nahezu allein mit seinen lückenhaften Anachronismen und ansonsten der leichten Enttäuschung begnügen. Der Film und seine Reputation wie so oft im Nachhinein als zumindest kleine Truggestalt, die die Versprechungen nicht in dem Maße des Nachweises einlösen kann, und der kulinarische Wert eher in der Vergangenheit als in der Gegenwart ruht.

Dabei verbirgt sich die vollständige Wirkung von Handlung und Dramaturgie nicht im kompletten Dunkel, sondern eher im Zweifel ungenützter Möglichkeiten, stellt das formelle und materielle Gewand der Szenerie doch einen Rückgriff auf die Politik als Vorwand für Action und Thrill ausnutzende westliche Werke vor allem Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts dar. Wichtig als Stimmung ist auch hier die Unsicherheit des Kalten Krieges, in denen im Amerikanischen, Britischen, oder Italienischen Film geheime Söldnereinheiten in Tarnung in das jeweilig nach außen abgeschottete Land eingefallen sind und von innen heraus die Bedrohung auf die Regierung und ihre Organisationen von Recht und Ordnung aus ausgeübt haben. Eine allgemeine Paranoia der Bevölkerung, für die die damaligen Landesgrenzen anders als in der gegenwärtigen Lockerung oder gar kompletten Öffnung noch Sicherheit vor dem Fremden bedeuteten und Splittergruppen und ihre terroristischen Aktionen sich verdeckt in der Konspiration und so als unkontrollierbare Spekulation halten mussten, statt stetig medial in der Öffentlichkeit zu stehen:

Bei einem Bombenanschlag auf einen Schulbus auf Picknickausflug werden mehrere Kinder, darunter auch der Sohn des Konsuls Robinson getötet. Zwar ist Inspector Hui Tat-ming [ Simon Yam ] als Erster am Tatort, wird er aber von seinem CID Vorgesetzten Officer Li [ Lam Chung ] schnell zugunsten des Chief Inspector Terry Chiu Leung-chun [ Hwang Jang Lee ] von der Politics Section abgezogen. Dieser bekommt von Li die im Geheimen und so inoffiziell tätige Spezialeinheit um Ironman [ Eddy Ko ], Quixote [ Jason Pai Piao ], Fai [ Lau Ching-wan ] zugeteilt, die zwar rasch die Schläferzelle um Suzuki [ Stuart Ong ] und seinen Schergen [ u.a. Dan Mintz, Vincent Lyn, ] als Täter und zudem den drohenden Antrittsbesuch eines hochrangigen amerikanischen Politikers als nächstes Angriffsziel ausfindig, den Feind aber trotz aller Bemühungen so schnell nicht dingfest machen können. Währenddessen erhofft sich der geschasste Hui trotz einer eindringlich warnenden Suspendierung von Catherine [ in jeder Hinsicht Lichtblick: Kim Maree Penn ], der Cousine des ermordeten Kindes Informationen aus dem engeren Familienkreis.

Ungewohnt für das Kantonesische Kino gerade zu der Ära und speziell auch die Mitwirkenden ist hierbei vor allem das beschränkt Wohldenkende in der Inszenierung, die eher ruhig betrachtend all die Verstrickungen der Personen in Augenschein nimmt, statt sich der Leidenschaft von Effekten und Affekten zu ergeben. Dabei ist das Drehbuch teils sogar ein wenig zu verschwätzt, konzentriert sich mehr auf die Nebenfiguren statt den scheinbaren Hauptträgern der Problematik um Attentat und Verbrechensbekämpfung und lässt sich allgemein auf das eher Untergeordnete statt dem schlichten Faden des Bewusstseins von Gut gegen Böse ein. Zudem ist man erstaunlich oft und nah am Ufer der Tragik gebaut, wobei diese Momente durchaus anständig behandelt sind, aber an abwürgenden statt überleitenden Szenenwechseln leiden, das vorhergehende Gefühl nicht mit dem nächsten zusammenhängt und so die Rechenschaft vollständiger Wirkung missen lassen. Ein wenig störend, da im Missverhältnis von Sollen und Wollen oder auch Wollen und Können gefangen ist die vermeintliche Themenvielfalt, die man nur anreißen, aber nicht Vollbringen kann. So wird neben Politikwirrwarr bis hin zum Mittleren Osten [ mit einem ominösen Scheich namens Ali Baba ], bevorstehenden Finanz- und Aktienmarkteinbrüchen, nebensächlichen Kleingaunerscherereien auch gar der Missbrauch von Drogen als Aufhänger für Dispute und Versöhnungen genommen und ist die Person der mit Fai befreundeten Stella [ Sarah Lee ] theoretisch unnütz oder zumindest eindeutig rudimentär, wird aber beharrlich und zugleich trotz aller Liebesmüh vergebens zum prägenden Charakter konkretisiert.

Auch wenn das Muster des Drehbuches im Grunde eine Vorwegnahme von Dragon Squad mit den Mitteln von Undeclared War ist, so ergibt sich aus dem Wulst verschiedener Begebenheiten leider nur eine oft bloßen Aneinanderreihung einzelner Situationen fern vorwaltender Leidenschaften; was leider auch die Action selber beeinflusst. Das raue Milieu, in dem sich fern der vorgeblichen internationalen Tragweite vielmehr in den entlegensten Hinterhöfen, in abgedunkelten Kemenaten und eigentlich immer seltsam abseits der Gesellschaft ausgetobt wird, und die gleichfalls eher realistische, da bodenständige und verkürzte Choreographie sorgen immerhin für ein angenehm grobschlächtiges Klima für Nahkampf und Shootout. Allerdings ist angesichts der Beteiligung der im Kung Fu Film erprobten Hwang Jang-lee, Eddy Ko und der hier wie so oft sträflich vernachlässigten Elaine Lui das Gebotene viel zu wenig und dann als eigentlich willkommenes Zwischenfazit bis zum Showdown auch viel zu zurückhaltend; auch wenn Jeder mal in den Clinch mit einem Gegenüber darf, dann nur für wenige Sekunden und selbst dann unverständlicherweise für den Yuen-Clan nicht die weitere Aufmerksamkeit wert.

Immerhin kommt das als "Direct Attack Action" ausgerufene Finale einer genaueren Analyse ignorierter Optionen entgegen, wird dort mit der Erstürmung des SDU Hauptquartiers – was eher aussieht wie der mit Graffiti besudelte Rummelplatz vernachlässigter Ghettokids – endlich der determinierenden Funktion all der kleinen Tippelschritte Vorschub geleistet und von der fragmentarischen zur dramatischen Bedingung gewandelt. Das ist immer noch sichtlich preislich arrangiert, besitzt mit so manchen derberen Stunts und einfallsreichen Todesarten – Erwürgen mit Maschendraht, Aufspießen mit Holzplatten oder dem Erschlagen mit dem Ziegelstein – wenigstens über genug anspruchsloser Intensität.

Details
Ähnliche Filme