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"Möge die Wahrheit niemals einer guten Geschichte im Weg stehen." ist nicht nur ein irisches Sprichwort, sondern auch das Lebensmotton von Kamofkünstler Frank Dux. Der Kanadier und angebliche Ex-Agent ist in unseren Breitengraden durch seine Veranschaulichung des legendären Dim Mak (Ooohh! Aaahh! Äh, wie bitte, den Dim - Was??? ") und seinen wilden Erzählungen über illegale Untergrund-Kamofsoirtturniere bekannt, die diversen Interviews und Publikationen sei Dank wie geschnitten Brot in aller Munde waren und schließlich als legendäres Männerdrama" Bloodsport" in die Kinos kam, der ersten guten Rollen Jean Claude Van Dammes und zeitgleich ein Beweis, dass Gegner Bolo Yeung immer noch eine Bedrohung darstellt.

Auch der Titel geisterte mir jahrelang im Kopf herum, bis ich mir mal die Mühe machte, ihn zu gucken. Sorry, aber wenn man selber keine geringfügigen Kampfsport Erfahrungen hat macht JCVD meiner Meinung nach nur halb so viel Spaß. Naja, Wing Chun hat's gerichtet, wobei ich den wahren Bullshido-König Deutschland ja im Judo kennen lernte, dazu aber an anderer Stelle mehr.

Ob wahr oder nicht sei mal da hin gestellt, aber die Story von "Blood Sport" ist wahrlich größer als unser aller Leben: der junge Frank wird bei einem Einbruch ins Haus seiner japanischen Nachbarn gekascht, weil seine Freunde in Sachen Hackengas schneller waren. Der Patriarch der Familie Tanaka, ein Ex-Soldat und Kampfkunst Meister, bietet dem Burschen nun den Deal an, seine Schuld als Lebendpratze für dessen Sohn abzuarbeiten (und nebenbei selbst die Kampfeskunst zu erlernen) oder halt im Jugendknast zu verrotten.

Wo das hinführt sieht man Jahre später, als Frank mittlerweile den toten Sohn als Erbe des Clans ersetzt hat und den nun ebenfalls dahinsiechenden Meister durch die Teilnahme am legendären Turnier des schwarzen Drachen in Hong Kong ehren will. Während seine Arbeitgeber von der US - Armee das gänzlich unknorke finden hat er mit Journalistin Janice einen Groupies am Start und mit Boxer Ray einen Mitstreiter und Freund im Turnier). Neben ihrer Fan - und Freundesoption haben die beiden aber auch noch besondere Relevanz für unseren Frankie: während die holde Janice ihn interviewen und ihm das Bett wärmen darf wird Ray die ehrenvolle Aufgabe zuteil, sich von Bolo Yeung Ching Li zu Klump kloppen zu lassen, um Van Damme den letzten Schuss persönlicher Motivation zu geben, die er zum Sieg braucht: RACHE!!!

Wobei der RACHE!!! - Teil hier etwas kurz kommt, aber egal. Der Film ist ein launiger Prügelstreifen, der den Videospieltrend der Tournamentfighter a la Tekken, Street Fighter und Co. vorweg nimmt und seinerseits auf Filme wie "One armed Boxer vs flying Guillotine" einzahlt. Die Kämpfer und Keilereien sind weitaus realistischer, vermitteln aber dennoch dieses wohlige Spielhallengefühl, dass man dieser Tage zurecht vermisst. Kompetent gefilmt ist das alles obendrein: die Kamera ist dynamisch, die Kulissen angemessen zwielichtig, die Körper angenehm ölig, wie es das Genre verlangt.

Böse Zungen würden jetzt auf Van Dammes nicht vorhandenem Schauspiel tu hacken oder das dünne Skript bemängeln. Aber ganz ehrlich: seit doch einfach mal froh, dass auch an die Stumpfmeier unter uns gedacht wurde, denen man hier mit Sex, Gewalt und guter Laune neben dem Action auch das Dramagenre schmackhaft macht. Mich würde echt nicht wundern, wenn sich nach dem Film nicht der ein oder andere Vollmacho doch mal an den Länge verschmäht Fassbinder rangewagt hätte.

Als sich die Geschichten des Baron Duxhausen sich Jahre später als tolldreiste Lügen erwiesen, verhagelte das so einigen Leuten den Spaß am Film. Mir und dem Rest der Welt nicht, wir feiern Van Dammes zweite Mannwerdung immer noch mit rohem Fleisch und kalten Bier. Und in der vierten Staffel "Cobra Kai" wurde der Film sogar offiziell in den zu guckenden Filmkanon juveniler Karateteenies in konkurrierenden Schulen aufgenommen. Ein Hoch auf den politisch korrekten Kuschelmachismus für alle! Und das ganz sarkasmusfrei: "Blood Sport" macht keine Gefangenen nach Geschlecht, Religion oder Parteizugehörigkeit, hier gibt's diplomatisch für jede/n die Goschen voll! Na gut, jede nicht, aber was wäre das auch für ein fragwürdiger Streifen, wenn auf einmal alle Klopper des Filmes auf die arme Janice losgehen? nicht auszudenken.

Das ist deutlich angenehmer als mit echten Bullshidomeistern konfrontiert zu sein. Ein Exemplar, dass nicht das Können, sehr wohl aber das Ego Frank Dux' besaß unterrichtete mich zwei Jahre im Judo. Warum nur zwei Jahre? Weil mir das selbsüberschätzende Gelaber darüber, wie er den damals aktuellen Irakkrieg allein und nur mit einem Katana bewaffnet beenden könne, wenn er wolle, nach zwei Jahren mehr als auf den Sack ging. Irgendwie schade: den Film hätte ich gerne mal gesehen. Überhaupt: die Welt braucht mehr Bullshido, zumindest im Kinematographentheater. 



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