Review
von Leimbacher-Mario
Die ewig Gestrigen?
„Eternals“ ist ein Epos. Ein zum Teil recht langweiliges. Aber ein Epos. Anders als vor den „Guardians of the Galaxy“ mit dem rebellischen Spassmacher James Gunn ließen Kevin Feige und Disney nun nahezu das regie- und stiltechnische Gegenteil auf den entscheidenden Stuhl. Mit Chloe Zhao eine Ein-Frau-Regie-und-Schreiberling-Armee, eine Arthousekönigin, Humanistin und sinnlich-entspannte Zeremonienmeisterin, vielleicht die prestigeträchtigste Regisseurin, die bisher das MCU betreten konnte. Ruhiger und un-MCU-iger geht’s allerdings kaum. Qualitativ und menschlich hochwertiger aber genauso wenig. Wie kann die introvertierte Oscargewinnerin und (überraschenderweise?) euphorische Comicleserin also ihre Rolle in dem gigantischen, eigentlich recht gleichförmigen Konstrukt und Franchise spielen? Geht die ungewöhnliche Gleichung auf? Oder beisst sich das wie Hund und Katze? Erzählt wird jedenfalls von den titelgebenden Außerirdischen und Helden, die schon seit Jahrtausenden die Erde beschützen und die Menschheit ohne allzu große Eingriffe begleiten. Vor allem sind sie jedoch dafür abgestellt, die böse Alienrasse der Deviants zu bekämpfen, die nun nach fünf tausend Jahren wieder häufiger auf unserem Planeten auftaucht…
Können zweieinhalb Stunden ewig lang wirken?
Ich kann verstehen, warum „Eternals“ eher als lahmer und minderunterhaltsamer Comicfilm und MCU-Vertreter angesehen wird. Er breitet und weitet, wälzt und stelzt sich gehörig aus. Es gibt eine Menge (zum Teil auch unterentwickelte) Charaktere. Es gibt Zeitsprünge und gefühlt ganze Episoden in Zeitlupe (typisch Zhao). Der Score bleibt leider nicht im Ohr und ist kaum episch genug. Und die bösen Monster sind ein unnötiger CGI-Brei und potthässlich. Und dennoch hatte ich eine überraschend beeindruckende und fesselnde Zeit mit „Eternals“. Zhaos Tempo ist für Mainstreamblockbuster erfrischend. Die riesigen Bilder von „Eternals“, von Erdlandschaften bis tief ins All, sind mehr als erhaben und hübsch. Erst recht in IMAX 4K Dolby Vision ab jetzt auf Disney+. Da klappt einem mit entsprechendem Heimkino schonmal die Kinnlade runter. Die Städte und Umgebungen sind enorm abwechslungsreich. Die Besetzung und das Team hat Starpower, Charisma und auch genug Chemie untereinander. Nanjiani als Bollywoodlegende ist ein Standout. Ebenso Barry Keoghan. Negativ fällt hier aber kaum einer ab. Dazu eine finale Schlacht, die intim und episch zugleich ist, mal in einen anderen Ansatz (aus)ufernd. Das ganze Universum wird enorm geöffnet und das Galaxiebuilding enorm vorangetrieben. Die Effekte und Bildsprache gehen (abgesehen vom Design der Deviants) auf höchstem Niveau Hand in Hand. Allein die „Flitzerin“ der Gruppe sieht in Aktion in jedem Frame besser aus als alles was DC bisher mit seinem Flash verhunzt hat. Den Snyder Cut mit eingeschlossen. Zhao liegen die Figuren zudem spürbar am Herz. Die Post Credit-Szenen heizen (wie meist) enorm an. Und die einzelnen Beziehungen und jahrtausendelangen Entwicklungen innerhalb der Gruppe sind nachvollziehbar und fühlbar. All das macht „Eternals“ für mich keinesfalls zu einer Enttäuschung. Eher sogar einer leicht positiven Überraschung und Abwechslung in seinem Universum nach vielen zuvor negativen Stimmen.
Fazit: Tempo a la Arthouse trifft matschiges Spektakel a la DC - „Eternals“ will viel und ist viel. Nur kein „wirklicher“ oder zumindest klassischer Vertreter des MCU. Aber ist das nach weit über einem Jahrzehnt nicht sogar etwas Gutes? Jein. Wie diese bunte und vielseitige (und doch manchmal recht blasse) Gruppe beidseitig beweist. Für eine milde Empfehlung reicht's von meiner Seite aus aber locker.