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Die Aliens kommen! Ansatt jetzt aber den weltweiten Bombast zu zeigen, wofür das Budget nicht ausgereicht hätte, wird die Geschichte der Invasion aus der Perspektive verschiedener Akteure gezeigt. Die Handlung springt also zwischen vier Handlungssträngen hin und her. Einzelne Stränge kreuzen sich mal, alle vier laufen erst am Ende der zweiten Staffel zusammen.

Strang 1: Aneesha ist eigentlich gelernte Ärztin, widmet sich aber der Erziehung ihrer beiden Kinder. Sie findet heraus, dass ihr Mann sie betrügt. Just im Moment der Aussprache kommt es zu Explosionen und Stromausfall in ihrem Viertel in New York. Die Familie flüchtet und hat einige Begegnungen mit Aliens. Der Sohn hat eine ausserirdische Scherbe gefunden, mit der es gelingt, in allergrößter Not ein Alien zu töten. Auch spürt er herannahende Aliens und scheint mit ihnen mental verbunden zu sein.

2: Der junge Billy, der an Epilepsie leidet und immer wieder seltsame Visionen und Träume hat, geht mit seiner Schulklasse auf Klassenfahrt. Ein abstürzender Satellit bringt den Bus zum Verunfallen. Auf sich alleine gestellt ziehen die Teenager übers Land und finden Chaos und Verwüstung. Billy findet heraus, dass seine Träume mit den Aliens zu tun haben und er mit ihnen kommunizieren kann, wenn er einen Anfall hat. Mit Freundin Jamila begibt er sich inmitten der Alieninvasion in London in ein Krankenhaus.

3: Mitsuki verabschiedet ihre große Liebe, die als Astronautin zur ISS aufbricht. Sie selbst ist Tontechnikerin bei der japanischen Raumfahrtbehörde im Kontrollzentrum und kann es nicht fassen, als der Kontakt zur Raumsonde abbricht. Diese ist zerstört, irgendwas hat die ISS getroffen. Den Tod ihrer Freundin nicht wahrhaben wollend, analysiert sie gegen alle Widerstände die Tonsignale und versteht nach und nach die Funk-Sprache der Aliens.

4: Der NAVY Seal Trevante gerät mit seinem Trupp in der Wüste Afghanistans an ein merkwürdiges Objekt. Sein kompletter Haufen stirbt, er schleppt sich verwundet und halb verdurstet durch die Wüste zurück zu den Truppen. Aber alle Stützpunkte sind aufgegeben, es hatte ein Angriff stattgefunden. Schliesslich schafft er es in einen Militärflieger nach London. Dort angekommen quittiert er den Dienst und betrinkt sich in einer verlassenen Bar. Dort wiederum trifft er auf Billy und Jamila, welche ihn um Geleitschutz in ein Krankenhaus bitten. Was er dort mit den Teenagern erlebt, kann er kaum glauben.

An für sich 4 gute Geschichten, die parallel ablaufend, den Schrecken der Invasion glaubhaft machen. Alles wirkt realistisch, als könnte es genau so geschehen. Es gibt keine Erklärungen und keine Kontaktmöglichkeiten mit den Aliens, die allerdings nicht ganz so toll getrickst sind und mehr so wie eine Art 3D-Spinnenwesen aussehen. Jedoch hält man sich viel zu sehr mit den privaten Problemen der Figuren auf, was gehörig Tempo aus den Geschichten nimmt. Gelegentlich benötigt man da schon die Vorlauftaste, um nicht einzuschlafen. Auch die Figurenzeichnung ist extrem klischeelastig und political correct. Dabei haben mir eigentlich nur Trevante und Mitsuki zugesagt, der Rest kam jetzt nicht so sympathisch rüber. Die Atmosphäre ist stimmig, Spannung gibt es immer nur wenn die Aliens auftauchen, aber das langweilt mit der Zeit auch. Hätte man das Ganze auf 6 Folgen komprimiert, wäre es sicher weitaus temporeicher und besser geworden. Irgendwie fehlt auch so eine gewisse Klasse oder nennen wir es Aura."3 Body Problem" sah da schon um einiges besser aus. 

Staffel 1 endet nach 10 quälend langen Folgen mit dem Abschuss des Raumschiffs und den damit verbundenen Tod aller Aliens, die ein Schwarm-Kollektiv darstellen.

Staffel 2 ist dann etwas besser geworden. Nein, die Aliens sind nicht tot. Ein gigantisches Mutterschiff taucht am Himmel auf, eine zweite Invasionswelle beginnt. Und die Aliens, die jetzt alles und jeden töten und immun sind gegen alle Waffen, sehen ein wenig aus wie Alien-Wildschweine. Etwas furchterregender als die Wesen der ersten Welle. Auch in dieser Staffel gehen die 4 Erzählstränge weiter.

1: Nach dem Tod des Mannes zieht Aneesha mit ihren Kindern durch die USA und findet Anschluss an eine paramilitärische Untergrundgruppe, die in Konkurrenz zur Armee steht. Als die Tochter samt der mysteriösen Alien-Scherbe von Soldaten entführt wird, macht sich ihre Gruppe trotz interner Streitereien auf zu einer Armeebasis in Oklahoma, wo mysteriöse Experimente stattfinden.

2: Der vermeintlich tote Billy war nach einem Alien-Angriff auf das Krankenhaus von seiner Freundin Jamila getrennt worden. Im Koma liegend, wird er von Regierungstruppen nach Paris verlegt, wo ein Forschungsprojekt mit anderen epilepsiekranken Kindern durchgeführt wird. Jamila macht sich mit ein paar Freunden auf den beschwerlichen Weg nach Frankreich, um ihren Freund zu retten.

3: Mitsuki arbeitet jetzt für einen Multimilliardär, der im Auftrag der neuen Weltregierung daran arbeitet, eine Energiequelle im abgestürzten Alien-Raumschiff zu untersuchen. Es gelingt Mitsuki, Kontakt mit dem mysteriösen Energiewesen herzustellen.

4: Trevante kann die Ereignisse nicht vergessen und sucht weiter nach Antworten. Nach der Trennung von seiner Frau folgt er den Hinweisen aus Billys Schreibblock, der darin seine Träume visualisiert hatte. Die Suche führt ihn in eine Kleinstadt in Oklahoma, wo viele Menschen verschwunden sind. Hat die Armee-Basis in der Nähe was damit zu tun?

Am Ende kreuzen sich dann die Wege aller Beteiligten und es gelingt, an Bord des Mutterschiffs zu gelangen. Was dort passiert, wird man dann wohl in Staffel 3 sehen, die angekündigt ist.

Staffel 2 ist deutlich farbenfroher und temporeicher als zuvor. Der Unterhaltungswert ist drastisch gestiegen. Leider hat aber auch die Glaubwürdigkeit damit abgenommen. Besonders die Reise der Teenager nach Frankreich ist absurd, der Marsch durch den Eurotunnel wäre ja eigentlich 50 km lang, kommt hier aber wie eine lockere Jogging-Runde daher. Auch vom Tunneleingang bis Paris sind es ja ein paar Meter. Und das bei zerstörter Infrastruktur. Naja die Amis hatten es ja noch nie mit Entfernungen...-lach. 

Action gibt es auch deutlich mehr. Weil ja aber eine Konfrontation mit Aliens eher zum Tode führt, braucht es also eine böse Army, mit der man sich so einige Feuergefechte liefert. Egal. Aus einer realistischen Invasionsgeschichte zum Einschlafen ist jetzt halt eine spannende Invasions-Actiongeschichte geworden, die keiner mehr ernst nehmen kann. Dafür fesselt Mituskis Erzählstrang mit ihren wissenschaftlichen Aspekten. Und das Energiewesen sieht verdammt gut aus. Optisch erste Sahne!

5,5 Punkte für Staffel 1, 6,5 für die zweite. Mal sehen, was jetzt noch kommt.

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