Obgleich sportliche Großereignisse immer mehr von finanziellen Hintergründen geprägt werden, reißen sie mitunter komplette Nationen in ihren Bann. Einer der erfolgreichsten Sportler im Skirennlauf ist der Österreicher Franz Klammer, dem an dieser Stelle mit einem Biopic ein kleines Denkmal gesetzt werden sollte.
1976, die Olympischen Spiele in Innsbruck: Ein unglaublicher Druck lastet auf dem erst 22jährigen Franz Klammer, zumal die anstehende Abfahrt unter keinem guten Vorzeichen steht: Der Sponsor drückt dem Team neue Skier auf, die Schweizer Konkurrenz schläft nicht und die Freundin Eva ist nicht vor Ort. Der Tag der entscheidenden Abfahrt naht…
Was den Machern um Regisseur Andreas Schmied rundum gelungen ist, ist das Zeitgefühl der 70er in allen Belangen zu transportieren. Die aufwendige Ausstattung (altes TV- Equipment, Fahrzeuge, Bauten) ist grandios, Frisuren, Kostüme und die verwendeten Dialekte authentisch und die Farbgebung mit leichtem Gelb- und Braunstich gut getroffen. Hinzu gesellen sich ein paar schmissige Rocksounds und manche Szenen mit vielen Komparsen, sobald es in Richtung Ziellinie geht.
Für das Drumherum, Klammers Umfeld, seine Familie, Freundin, Training, lässt sich der Stoff relativ viel Zeit und es gibt erst mit dem Abfahrtstraining erste sportliche Einblicke, bei der die Kamera in Bodennähe recht effektive Momente einfährt. Leider gerät die Action zu kurz, denn die entscheidenden Szenen spielen sich erst in den letzten Minuten des Finales ab, wogegen im Mittelteil einige Längen entstehen, die auf mangelnden Konfrontationen und Reibungen basieren, - mal abgesehen vom Klischee des schmierigen Sponsors.
Auch das Zusammenspiel mit der Freundin nimmt vor dem Showdown zuviel Raum ein und sorgt für ein paar kitschige Momente, wogegen den entscheidenden Abfahrtsszenen genügend Dynamik innewohnt, um letztlich ein wenig mitzureißen. Allerdings erfährt man nicht übermäßig viel über die Titelfigur, die, wohl auch aufgrund mangelnder Erfahrung über weite Teile etwas zu passiv wirkt. Die finale Entschlossenheit kommt diesbezüglich ein wenig plötzlich.
Dennoch ein über weite Teile recht stimmungsvoller und sauber gespielter Wintersportfilm, der die Euphorie eines Landes nachvollziehbar werden lässt. Leider kommen die Sportszenen insgesamt etwas zu kurz, wogegen die Atmosphäre im Umfeld der Winterspiele durchaus zündet. Als Zeitreise ergo sehr gelungen, zum reinen Mitfiebern nur bedingt geeignet.
6,5 von 10