Das Medaillon
Achtung: Spoiler!
Jackie Chan bewandelt neue Pfade: nicht mehr geht es in seinen Filmen real zu, es werden mehr und mehr die Gesetze der Natur aufgehoben. Da wird geflogen wie Supermann, da kommen Menschen, die eigentlich tot sein sollten, wieder zum Leben; und sie können dann sogar Kugeln und Messerattacken überstehen.
In „Das Medaillon“ gibt es all diese neuen Fähigkeiten zu bewundern, und der Zuschauer muss sich daran sicherlich gewöhnen. Das der Film dennoch sehenswert ist, jedenfalls ein Mal, danach kann man ihn getrost vergessen, liegt daran, dass er sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Und dieses sich selbst auf die Schippe nehmen führt dazu, dass man noch ordentlich lachen kann.
Die Handlung ist so simpel wie phantastisch: bei einer Razzia wird ein kleiner Junge, der anscheinend durch die Götter auserwählt ist, entführt. Der Böse Snakehead, gespielt durch den leider etwas heruntergekommene Julian Sands, ist hinter einem Medaillon her, das ewiges Leben verspricht. Jedoch nur dann, wenn beide Hälften zusammengesteckt werden. Als der Kleine entführt wird, macht sich Jackie auf die Suche.
Was ist an diesem Film unterhaltsam? Zum einen Lee Evans aus Mousehunt, der einen völlig verblödeten Cop von Interpol spielt. Chan und er kommen sich in die Quere, doch schon bald müssen sie sich wieder zusammentun, um den Fall gemeinsam zu lösen. Dabei spielt Evans den trotteligen Cop superlustig und überdreht, dass es einfach nur Spaß macht.
Außerdem wird mit Jackies Unverwundbarkeit eine Menge Spaß getrieben: nachdem er und der Kleine in einem Container ins Meer geworfen werden, und zu ertrinken drohen, rettet Jackie den Kleinen, stirbt aber selbst. In einer an Star Trek erinnerten Szene wird Jackie mit magischen Kräften wieder ins Leben zurückgeholt. Die sich darauf ergebenden Gags sind zahlreich (so sticht Evans immer wieder auf den unverwundbaren Jackie mit dem Messer ein, was zu einem Ohnmachtsanfall einer Krankenschwester führt etc.)
In Bremen haben einige Zuschauer den Saal vorzeitig verlassen. Anscheinend war ihnen dieser Hokuspokus zu viel. Wenn man sich aber erst einmal an die Superkräfte gewöhnt hat, ist alles viel erträglicher.
Das liegt auch vor allem an Claire Forlani, die ebenfalls eine Interpol-Agentin spielt, und Jackie von früher her kennt. Sie spielt dabei die Agentin mit soviel Humor und Sex, dass sie den ganzen Film kräftig nach oben zieht. Aber auch Chan und Evans geben dem Film Wärme und Flair, und obwohl das Thema nichts mehr mit der Realität zu tun hat, hat man nicht das Gefühl, seine Zeit zu vertun. Im Gegenteil, der Film ist viel zu schnell vorbei: am Ende fliegen Jackie und seine Agentin, nach ordentlich Geknutschte, wie Supermann durch die Luft.
Alles in allem ein Filmvergnügen, bei dem alles geboten wird: Action (einige gute Kungfu-Szenen), Verfolgungsjagden zu Fuß, Übersinnliches und etwas Erotik. Vor allem die Klinik Szene zeigt, dass dieses Thema durchaus witzig ausgebeutet werden kann, ohne den Zuschauer zu verarschen.
Fazit: Witziger und flair-reicher Film mit Jackie Chan, der den gefährlichen Irren Snakehead fassen soll und dabei ein auserwähltes Kind samt Medaillon retten muss. Trotz übersinnlicher Story sind die Gags gut platziert und werden nie peinlich. Sehenswert.