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Unterm Strich war ist das wohl die werkgetreuste Verfilmung eines Elmore-Leonard-Romans von allen. Was in gedruckter Form funktioniert und genial komisch daherkommt, ringt einem in der Filmumsetzung allerdings lediglich ein bis zehn müde Lächler ab. Dabei bietet der Film entspannte Atmosphäre, stilvolles Ambiente, lakonische Dialoge, skurrile Charaktere und jede menge Stars. Warum hat es unterm Strich nicht einmal zu einer Surf-Version von „Ocean Eleven“ (2002) gereicht hat, ist durch mehrer Faktoren zu erklären. Zunächst wäre da mal die Story zu erwähnen:
Jack Ryan (Owen Wilson) baut Scheiße. Anstatt seinem entspannten Dasein als Tagelöhner und Gelegenheitsgauner auf Hawaii zu frönen, sucht er Ärger mit einem hiesigen Baumogul (Gary Sinise). Infolgedessen schnappt er sich zunächst einen neuen Job bei Richter Walter Crewes (Morgan Freeman) und anschließend die lose Geliebte (Sara Forster) des Baumoguls. Als die ihm schlägt, den reichen Schnösel um 200.000 Dollar zu erleichtern, offenbaren sich im Laufe der Zeit mehr Probleme und unvorhergesehene Wendungen, als Jack lieb ist.
Unter der Floskel „unvorhergesehene Wendungen“ verstecken sich eine Vielzahl von Nebenhandlungssträngen, die dem Film mehr schaden als nützen. In seinen Büchern hat Elmore Leonard zweifelsohne genug Zeit, sich jeden Charakter entsprechend zu widmen und diesen dann zu charakterisieren, so dass seine kleinen Alltags-Anekdötchen perfekt mit ihnen verschmelzen. Im Film beschleicht einen hingegen dauernd das Gefühl: „Das hätte bestimmt im Roman prima funktioniert, aber hier?“.
Wo Quentin Tarantino’s „Jackie Brown“ (1996) noch als Ensemblefilm funktioniert hatte, der seine Geschichte den handelnden Charakteren unterwirft, scheitert „Hawaii Crime Story“ vor allem an diesem Kriterium. Die einzelnen Charaktere werden nicht sorgfältig genug ausgearbeitet, um wirklich mitreißend zu erscheinen . Sie alle haben außer ein paar skurriler Eigenschaften nicht viel zu bieten. Jack selbst wirkt in seiner Lässigkeit dann auch mehr wie der größte Nebendarsteller, denn als die Bezugsperson des Films. In einem Ensemblefilm ist die Story der Star des Abends. Wenn es der hervorragenden Hawaii-Crime-Story-Cast niemals gelingt, wirkliche Höhepunkte zu schaffen und sich das Drehbuch zum Schluss peinliche Anfängerschnitzer leistet, so trübt gerade das den Charme dieser Räuberpistole. Die Dramaturgie schafft ständige kleine Sub-Höhepunkte die ausschweifend und atmosphärisch präsentiert werden. Unverständlich, warum die finale Klimax dermaßen gehetzt und unübersichtlich präsentiert wird. Morgan Freeman wird dabei dermaßen penetrant zum Erklärbär degradiert, dass man die finale Klimax eher kopfschüttelt als überraschend über sich ergehen lässt. Es scheint fast so als habe mit der Verlegung des Original-Handlungsorts von Detroit nach Hawaii alle Energie des Regisseurs darin gesteckt, voll und ganz der Geschichte zu trauen. Es mangelt dem Film zwar nicht an einer schlüssigen Klimax – die wird aber dann dermaßen lieblos versägt, dass unterm Strich nicht viel mehr als eine nette Elmore-Leonard-Zwischenmahlzeit rausspringt. Für Fans des Autoren durchaus zu empfehlen, alle anderen werden das eine oder andere mal die Stirn runzeln und mangelnde Rasanz vermissen.

Daran werde ich mich erinnern:
Der Dialog:
„Wir können das auch wie Männer regeln. Nur danach wird einer von uns beiden ziemlich übel aussehen.“
„Das ist unfair. Bei dem Vorsprung den du hast.“

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