Mit „Hawaii Crime Story“ bleibt Regisseur George Armitage dem Genre des grotesken Gangsterfilms nach „Miami Blues“ und „Grosse Pointe Blank“ treu.
Der kleine Gauner Jack Ryan (Owen Wilson) ist nach Hawaii gezogen, um seinem Vorstrafenregister zu entfliehen und seinem Lieblingshobby Surfen nachgehen zu können. Doch mit seiner lockeren und trotzdem unbeugsamen Art eckt der Sunnyboy trotzdem öfter mal an und verliert seinen Job auf dem Bau, nachdem er seinen Vorarbeiter Lou Harris (Vinnie Jones) via Baseballkeule ruhig gestellt hat. Schon direkt ein frecher Auftakt, der ähnliches Flair wie „Grosse Pointe Blank“ versprüht und schon viel verspricht.
Doch das oberflächlich beschauliche Hawaii beherbergt noch weitaus schlimmere Leute als Schwerenöter. Lou ist nicht nur Vorarbeiter, sondern auch übler Schläger, Baufirmenbesitzer Ray Ritchie (Gary Sinise) ist gleich in Unmengen krimineller Aktivitäten verstrickt und seine loyalen Mitarbeiter wie z.B. Bob Rogers Jr. (Charlie Sheen) sind genauso halbseiden. Kein Wunder, dass Walter Crewes (Morgan Freeman), der Richter der Insel, genauso abgebrüht ist und Jack schützt, indem er ihm einen Job als Hausmeister gibt. Damit wäre dann auch schon mal ein bunter Haufen krimineller Subjekte zusammen, die zwar keine Profigangster, aber alles andere als Unschuldsengel sind.
Fehlt nur noch der Grund sich noch richtig in die Wolle zu geraten und der heißt Nancy Hayes (Sara Foster): Sie ist Rays Geliebte, bandelt aber auch mit Jack an. Der soll ihr helfen den kriminellen Bauunternehmer zu bestechen und steckt bald mitten im Schlamassel...
„Hawaii Crime Story“ basiert auf einem Roman von Elmore Leonard und deren Verfilmungen laufen oft ähnlich ab: Man nehme eine Horde mehr oder minder begabter Gangster, die sich gegenseitig betuppen wollen, und übertünche den meist dünnen Plot mit viel Coolness. Hat bei „Out of Sight“ und „Jackie Brown“ gut funktioniert, bei „Schnappt Shorty“ nicht so toll und bei „Hawaii Crime Story“ noch weniger. Denn gäbe es eine Auszeichnung für mit besonders wenig Elan erzählte Filme, dann würde „Hawaii Crime Story“ ihn sicher gewinnen. Es dauert ziemlich lange bis der Plot in Fahrt kommt und dann artet der Film in eine Art Light-Variante von „Wild Things“ aus, ohne dessen Raffinesse zu erreichen. Vor allem die Verschwörung erweist am Ende als wenig komplex, nur sehr wirr erzählt. Die Wendungen sind halbwegs überraschend, aber bei der wenig packenden Erzählweise hauen sie einen eben nicht gerade vom Hocker.
Grundsätzlich schlecht ist „Hawaii Crime Story“ trotzdem nicht, denn immerhin der Humor funktioniert ganz gut. Vor allem Hauptfigur Jack kann mit frechen Sprüchen punkten und einige ordentliche Pointen platzieren. Auch die Horde herrlich beknackter Charaktere reizt öfter mal zum Lachen und das eine oder andere amüsante Wortgefecht bringt das Drehbuch auch zustande. Allerdings taugen die Charaktere auch eher als Witzfiguren, denn ihr Schicksal lässt den Zuschauer kalt (z.B. gehen die amourösen Anwandlungen von Jack und Nancy dem Zuschauer schnell am Arsch vorbei).
Während das Drehbuch ihn öfter mal im Stich lässt, kann sich George Armitage wenigstens noch auf die Darsteller verlassen. Owen Wilson und Sara Foster bleiben als Hauptfiguren etwas blass, aber viele Nebendarsteller glänzen. Charlie Sheen spielt den herrlich beschränkten Bob Jr., Gary Sinise ist als Fiesling ganz solide (wenn auch wenig zu sehen) und Morgan Freeman stiehlt dem Rest in jeder seiner Szenen mit Leichtigkeit die Show.
Bleibt unterm Strich eine durchwachsene Krimikomödie, die zwar amüsante Gags und gute Darsteller aufweisen kann, aber an dem schlappen und lustlos erzählten Plot krankt.