*** SPOILERWARNUNG ***
Was wurde da nicht alles berichtet im Vorfeld. Brutalster dies, härtester das. Natürlich ist das Regiedebüt von Rob Jabbaz kein Kindergeburtstag und technisch ist „The Sadness“ überzeugend. Die Effekte, wobei hier vieles handgemacht ist, sehen sauber aus und erschaffen drastische Szenen, für die der Film wohl gerade rund geht. Da wird gemordet, vergewaltigt und gefoltert, die Blutfontänen spritzen literweise in die Gegend und allerlei Gekröse gibt’s obendrauf. Das erfreut das Splatterherz, sieht gut aus und ist in ausreichender Menge vorhanden. Dabei hält die Kamera nicht immer voll drauf, trotzdem gibt es einiges zu sehen.
Auf der anderen Seite hat der Film aber nichts zu erzählen. Ein Virus geht rum, das den Menschen das limbische System verknotet und sie daher nur noch aus Trieb und Aggression bestehen. Eine fiese Mischung, die schnell um sich greift. In diesem Chaos versucht Jim (Berant Zhu) wieder zu seiner Freundin Kat (Regina) zu gelangen, die er morgens zur Arbeit gebracht hatte.
Die Figuren bekommen keinerlei Hintergrund und bleiben bis zum Ende eindimensional. Bei solch einem Genrefilm erwartet man sicherlich keinen Tiefgang (warum eigentlich nicht?), aber ein bisschen was darf man den Personen schon mit auf den Weg geben. Dazu kommen noch Dia- oder Monologe, die auf die Dauer eintönig werden, gerade mit Bezug auf das Muschi-Gelabere. Mir ist klar, dass es die triebgesteuerte Reduzierung des Handlungsspektrums darstellt, irgendwann zieht das aber einfach nicht mehr.
Man könnte in die Geschichte viel hineininterpretieren – wenn man möchte. Parallelen zur Corona-Pandemie, politische Untätigkeit, der Zerfall und die generelle Verrohung der Gesellschaft. Die Darsteller:innen sind hier zweckdienlich, lassen aber auch keine Emotionen entstehen und so sucht man auch eine Spannungskurve vergeblich. Hierzu überflutet Jabbaz auch jede aufkommende Suspense mit roter Suppe und Schmodder, da bringt auch ein schwafelnder Virologe gegen Ende nichts mehr. Immerhin schleppt er wenig Ballast mit sich herum und ist recht straight inszeniert, hat ein schön pessimistisches Ende und ein bisschen Geknüppel im Abspann.
Unbestreitbar liegen die Stärken von „The Sadness“ auf der technischen Seite. Weder die Figuren noch die Geschichte selbst kommen über die Eindimensionalität hinaus. Allerdings versucht der Film auch keine dramatische Auseinandersetzung zu sein, sondern Unterhaltung auf brutalem Niveau. Das macht er immerhin recht anständig – wenn man's mag.