In Taiwan mutiert das bislang als eher harmlos empfundene Alvin-Virus zu einer neuen Variante, und wer sich nun mit dem Erreger infiziert, wird augenblicklich zum blutgeilen Psychopathen, der ohne Rücksicht über seine Mitmenschen herfällt. Während es nun landesweit zu zahllosen Massakern, Massenmorden und Vergewaltigungen innerhalb der Bevölkerung kommt, und die Regierung die brisante Situation nicht mal ansatzweise in den Griff zu kriegen scheint, versucht sich der junge Jim zu seiner Freundin Kat durchzuschlagen, die sich nach einer Attacke in der U-Bahn in ein Krankenhaus flüchten und sich dort vorübergehend in Sicherheit bringen konnte. Die Lage spitzt sich zu, als eine Horde Infizierter das Hospital stürmt und sich durch die einzelnen Etagen schlachtet... "Der wohl brutalste Zombiefilm aller Zeiten!"... wenn ein Streifen so schwere Marketing-Geschütze auffährt, und dann der Umstand, dass die FSK dem DVD- und Blu-ray-Release dann auch noch die Altersfreigabe verweigert hat (nachdem er im Kino noch ab 18 lief), zusätzlich noch für ein bisschen Furore bei der Zielgruppe sorgt, dann schrauben sich die Erwartungen, was die splatterigen Sauereien anbetrifft, doch glatt in schwindelerregende Höhen. Okay, ein echter Zombiefilm isses nicht, denn aus dem Grab sind die völlig enthemmten Psychos hier nicht gestiegen, aber ich denke mal, der geneigte Zuschauer wird diesen kleinen Etikettenschwindel nicht übel nehmen und sich trotzdem mit diesem Infizierten-Horror ("Parasiten-Mörder" trifft "Crazies" und "28 Days later...") arrangieren können. Tatsächlich ist "The Sadness" dann auch in Sachen Kunstblut-Verbrauch echt gut bei der Sache und kann mit so ziemlich allem, was das Blut-und-Gekröse-Kino bislang aufzubieten hatte (von den Herschell Gordon Lewis-Anfängen über den Spaghetti-Splatter der 80er, Romeros Zombie-Epen, die frühen Peter Jackson-Werke und japanische Gore-Filmchen bis hin zum harten Franzosen-Horror und der Torture Porn-Welle der frühen 2000er) auf Augenhöhe mithalten und ist in dieser Beziehung also beileibe keine Enttäuschung. Der Kanadier Rob Jabbaz, der hier sein Langfilm-Regiedebüt gibt und als Autor der Chose auch für so manchen kruden Drehbuch-Einfall verantwortlich zeichnet, konnte da mit Taiwan als Produktionsland zudem mehr Bang for the Buck für seinen Streifen rausschlagen, weswegen "The Sadness" - auch dank einer überraschend souveränen Inszenierung - niemals wie ein kleines B-Movie daherkommt, sondern mit seiner hochwertigen Optik und der überzeugenden Effekt-Arbeit aussieht wie ein solide budgetierter Kinofilm. Zugegeben, die Originalität schlechthin hat man nicht für sich gepachtet und inhaltlich ist die Chose schon abgekaut, seit damals der erste Zombie in "Die Nacht der lebenden Toten" über den Friedhof gewankt ist, aber ich denke, einen Innovationspreis wollte Jabbaz mit seinem Streifen eh nicht gewinnen, sondern eher die Reiz-Schwelle des Zuschauers, was die auf der Leinwand zelebrierten Perversionen, Abartigkeiten und endkrassen Schocks anbelangt, ein wenig austesten... was ihm übrigens auch gelungen ist, zumal "The Sadness" mit seinem quasi-apokalyptischen Sex-und-Gewalt-Szenario noch länger im Gedächtnis nachhallen dürfte. Ich persönlich finde ihn darum auch sehr viel empfehlenswerter als den anderen, mit Kritiker-Lob überhäuften asiatischen Zombie-Streifen jüngeren Datums, den südkoreanischen "Train to Busan", der erheblich zartbesaiteter und meiner Meinung nach nicht wirklich erinnerungswürdig ist...
8/10