„Dreizehn“ (2003) führt einem 27ig-jährigen Rezensenten
schonungslos vor Augen, wie weit jene Zeit eigentlich schon hinter ihm liegt.
Der Titel steht hierbei stellvertretend für das Erwachen der Pupertät, das in
dem Film von Catherine Hardwicke trotz aller Überzeichnungen stets eine realistische
Grundhaltung wahrt und somit eine Identifikationsmöglichkeit mit der eigenen
Befindlichkeit zu jener (in meinem Falle fernen)
Zeit bietet. Die Story verläuft konsequenterweise ähnlich chaotisch wie das
Leben der jungen Protagonistin, bietet aber mit einem subtil inszenierten
Anfang- und Schlussteil einen ausreichenden Rahmen für die Botschaft des Films.
Die dreizehnjährige
Tracy Freeland (Evan Rachel Wood) lebt mit ihrer allein erziehenden Hippie-Mutter
Melanie (Holly Hunter) in bescheidenen Verhältnissen in einem Vorort von Los
Angeles. Als sie sich mit der angesagten Schulschönheit Evie (Nikki Reed)
anfreundet, wird die Beziehung zu ihrer Mutter auf eine harte Probe gestellt.
Sex, Drogen, Klamotten und Rebellion bestimmen fortan ihr Leben. Melanie steht
dem pubertären Lebenswandel ihrer Tochter zunehmend ratlos gegenüber.
Dramen wie diese leben stets von der Herausforderung, eine
eigentlich abgenudelte Geschichte – und im 21. Jahrhundert trifft dies auf 99%
aller Geschichten zu – zeitgemäß ohne Klischees und trotzdem mit der nötigen
Pointiertheit zu servieren. Diese Aufgabe meistert „Dreizehn“ (2003)
größtenteils spielend und wenn sich mal die eine oder andere Unglaubwürdigkeit
ins Drehbuch einschleicht überspielt der natürlich agierende Cast dieses Manko.
Die Wackelkamera unterstreicht dieses Bemühen um Authentizität, die heftigen
Farbfilter stören dabei wider erwartend nicht, sondern unterstreichen Tracys jeweiligen
Gefühlswelten und ihr Abdriften in die grelle Drogenscheinwelt. Man mag sich
streiten, ob dreizehnjährige Menschen LSD schmeißen, im Großen und Ganzen hält
sich der Umfang der Teenieexzesse aber in Grenzen und überschreitet nur (wie
angedeutet) selten die Linie zur absoluten Unglaubwürdigkeit. Selbst, wer als
Teenie nicht mindestens einmal Drogen genommen, experimentell rumgeknutscht,
geklaut, dünnsinnige Mutproben ausprobiert hat, auf Markenklamotten scharf war
und dachte, er sei sowieso viel schlauer als seine Eltern, wird sich irgendwo
in Tracy Freeland wieder finden.
Die Grundkonstellation eines fragilen Elternhauses ist dabei
geschickt gewählt, um Tracys extreme Auswüchse jugendlichem Aufbegehren
glaubhaft zu machen. Trotz aller anfänglichen Verbundenheit mit ihrer Tochter
stellt Melanie, gespielt von der auch produzierenden Holly Hunter, eine
schwächelnde Persönlichkeit dar, die aufgrund ihrer fehlenden Vorbildfunktion
und des antiautoritären Erziehungsstils nie in der Lage scheint, angemessen auf
die pubertären Auswüchse ihrer Tochter zu reagieren. Vollkommen überfordert
wird dieses familiäre Kartenhaus, als die frühreife Evie die neue beste
Freundin von Tracy wird und sich darüber hinaus im Haus der Familie Freeland
(der Name ist ähnlich subtil wie „Skywalker“) einnistet. Wie ein Wolf im
Schafspelz erschleicht sie sich zunächst das Vertrauen von Melanie. Zugute
halten muss man dem Drehbuch, dass die Infiltration durch Evie offensichtlich
unbewusst geschieht. Vielmehr wird Evie durch ihre unterschwellige Sehnsucht
nach einer intakten Ersatzfamilie angetrieben, die ihr ihre drogenabhängige
Tante und juristischer Vormund Brooke (Deborah Kara Unger in einer herrliche
abgetakelten Nebenrolle) nie bieten konnte. Kompensatorisch probt sie sich
dabei in pubertären Grenzüberschreitungen, die im Verlauf der Handlung immer
extremere Dimensionen annehmen und ganz nebenbei zieht sie auch Tracy in ihren
selbstzerstörerischen Feldzug gegen ihr eigens verkorkstes Leben mit in den
Abgrund.
Was soll man sagen? Vor allem die Akteure machen diesen Film
sehenswert. Selbst Hollywoodschönling Kip Pardue, der in Fankreisen einen
ähnlich bescheidenen Ruf wie Paul Walker genießt fällt in diesem Teeniedrama
nicht negativ auf und der stets sympathische Jeremy Sisto (Wrong Turn, Dead and
Breakfast) rundet den hochklassigen Cast ab. Die Botschaft ist einfach? Lass
dich nicht von falschen Werten blenden oder mit falschen Freunden ein, aber auf
dem Weg zu dieser recht simplen Erkenntnis darf man guten Gewissens ein- oder
zehnmal gegen die Wand rennen – that’s Life!
Insgesamt beweist Catherine Hardwicke, dass Teeniedrama
nicht zwangsläufig der titelgebenden Zielgruppe vorbehalten sein müssen.
„Dreizehn“ (2003) bietet sowohl vor- als auch hintergründige Drama-Unterhaltung
und erweist sich als gelungener Hollywoodeinstand für die flippige Regisseurin
Catherine Hardwicke.
Daran werde ich mich noch lange erinnern: Die
„Vergewaltigung" von Kip Pardue