Evan Rachel Wood spielt eine 13-jährige, die immer weiter in einen Sumpf aus Drogen, Sex und Verbrechen abrutscht, als sie sich mit einem der größten Problemkinder der Schule, gespielt von Nikki Reed, anfreundet. Ihre Mutter, gespielt von Holly Hunter findet keinen Zugang mehr zu ihrer Tochter und kann nur zusehen, wie sie ihre Zukunft verbaut und in der Schule immer weiter nachlässt.
"Dreizehn" erfindet das Genre nicht gerade neu und bereitet lediglich noch einmal den Stoff auf, mit dem sich schon dutzende Werke, wie "Die Outsider" oder "Rumble fish" vorher beschäftigten. Man bemüht sich sichtlich, ein eigenes Werk zu schaffen und versucht den Stoff sehr aktuell zu behandeln und ist die ganze Zeit über bestrebt den Film im Rahmen des Realistischen zu halten. Bei der Charakterkonstruktion verzichtet man leider nicht gänzlich auf Klischees. Die beiden Hauptfiguren entsprechen ziemlich genau dem Klischee von verzogenen Gören aus der Mittel- und Unterschicht, die von Morgens bis Abends in einer Welt aus Sex, Drogen und Verbrechen leben, die Schule vernachlässigen und sämtliche Empfehlungen und Hilfestellungen der Eltern und Lehrer prinzipiell ablehnen. Dafür gibt man sich beim Verhältnis der beiden Hauptcharaktere Mühe und stellt die außergewöhnliche Freundschaft der beiden, wenn auch etwas übertrieben, ordentlich dar und verdeutlicht sehr gut die Auswirkungen dieser Beziehung. Die Rolle der Eltern wird solide dargestellt, auch wenn der Film hier mal wieder auf das Klischee der allein erziehenden und überforderten Mutter zurückgreift. Das Muster, nach dem die Handlung gestrickt ist entspricht ebenfalls den gängigen Stereotypen, wobei es durchaus ein paar geschickte, dramatische und unvorhersehbare Wendungen gibt. Die Story ist sicherlich nicht schlecht, aber sie verwendet dann doch zu viele Klischees diverser Jugend-Dramen und ist einfach nicht vielschichtig genug, um neue Ansätze zu liefern.
Ein großes Plus des Films ist jedoch die Art, wie er seine solide Story präsentiert. Regisseurin Catherine Hardwicke leistet nämlich gute Arbeit. Da der Film sehr aktuell wirken will, versteht sich von selbst, dass Hardwicke auf moderne Musik zurückgreift, die aber durchaus zum Film passt. Im Gegensatz zu vielen anderen Jugend-Dramen wendet sie sich mit diesem Film an eine überaus junge Zielgruppe und inszeniert den Film bei Weitem nicht so fad, wie diverse andere Regisseure. Damit muss sie zwar das Erzähltempo hoch halten und kann die Dramaturgie nicht gezielt genug steigern, dafür ist der Film aber bei Weitem nicht so langatmig wie andere Filme des Genres und ist sehr zuschauer-freundlich inszeniert. Der Schnitt ist wirklich sehr schnell und das Tempo so hoch, dass der Film zu keinem Zeitpunkt zum Erliegen kommt, ein weiterer Punkt, den die Zielgruppe sehr schätzen sollte. Mit der überaus farbenfreudigen Umsetzung und den überaus leicht bekleideten und hysterisch spielenden Hauptdarstellerinnen, erinnert der Film sehr an moderne Teenie-Filme und liefert damit ähnlich wie "Eiskalte Engel" eine gelungen Kombination aus Teenie-Film und Jugend-Drama. Stellenweise sind Tempo und Musik dann doch ein bisschen zu schnell, sodass der Film vor allem zum Ende hin recht anstrengend wirkt. Das Finale erzielt nicht ganz die verstörende Wirkung oder zumindest den dramaturgischen Spannungsbogen, den es wohl erreichen sollte, aber alles in allem ist der Film die ganze Zeit über unterhaltsam, stellenweise spannend und zum Ende hin relativ emotional und dramatisch. Damit ist "Dreizehn" ein Drama mit dem wohl auch die "American Pie"-Generation etwas anfangen kann.
Evan Rachel Wood ist meiner Meinung nach fehlbesetzt. Wenn man einen Film schon "Dreizehn" nennt und verdeutlichen will, wie schnell junge Teenager, beinahe noch Kinder, in diesen Strudel aus Sex und Drogen geraten, dann sollte man doch auch Darstellerinnen nehmen, die so jung aussehen, dass man ihnen die Rolle abnimmt, zumal der Film wohl ein bisschen verstörender gewirkt hätte, wenn die Darstellerinnen noch jünger gewesen wären. Wood, zum Zeitpunkt des Drehs 17 Jahre alt, geht im Traum nicht mehr als 13 durch, spielt aber auf jeden Fall gut. Stellenweise ist sie mir persönlich ein bisschen zu hysterisch, aber alles in allem ist sie überzeugend, rechtfertigt ihre Golden-Globen-Nominierung und zeigt schon in jungen Jahren, dass ihr wohl eine größere Hollywood-Karriere bevorsteht. Nikki Reed, die bisher als Darstellerin kaum in Erscheinung treten konnte, ist ebenfalls gut, wirkt aber auch zu alt. Die beiden passen gut zueinander. Oscar-Preisträgerin Holly Hunter spielt jedoch am besten und präsentiert sich gewohnt solide in der überaus emotionalen Rolle der verzweifelten Mutter. Der übrige Cast ist ebenfalls gut.
Fazit:
Im Großen und Ganzen ist "Dreizehn" ein überdurchschnittliches Drama, aber auch nichts wirklich Atemberaubendes. Mit einer soliden, wenn auch nicht ganz klischee-freien Story und mit guten, wenn auch teilweise fehlbesetzten Darstellern, präsentiert Catherine Hardwicke ihr Regie-Debüt. Die Umsetzung gelingt dabei ziemlich gut und richtet sich mit dem überaus modernen Stil direkt an die Zielgruppe und der Film wird durch den schnellen Schnitt zu keinem Zeitpunkt langweilig. "Dreizehn" ist damit auf jeden Fall empfehlenswert.