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Vielleicht hat sich Autor Christian J. Hearn mit seinem erst dritten Skript etwas zuviel zugemutet, indem er diverse Genres gleichermaßen zu bedienen versucht. Darunter leidet ebenfalls die leicht holprig anmutende Inszenierung durch Regisseur Jamie Patterson, der bei seinem Thriller mit übersinnlicher Note besser auf letztgenannte verzichtet hätte. Ansonsten bietet der Stoff eine angemessen düstere Atmosphäre und genügend Eckpunkte zum Miträtseln.

Ein Jahr lag Helen (April Pearson) im Koma und gebar in dieser Zeit eine Tochter, um die sich zwischenzeitlich ihr Mann Greg (Blake Harrison) kümmerte. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten muss die junge Familie in die Hochhauswohnung ihres Vaters ziehen, welcher sich kurz vor Helens Unfall mit anschließendem Koma umbrachte. Nach Gesprächen mit Vaters altem Freund Frank (James Cosmo) stößt Helen auf eine Reihe älterer Vermisstenfälle in ihrer Nähe…

Der Prolog ist wahrlich effektiv und zugleich verwirrend, als Helen wie verfolgt aus jenem Hochhaus flüchtet. An der Straße angekommen prallt ein Körper neben ihr auf, sie weicht einen Schritt zurück und wird von einem Auto angefahren.
In der ersten Phase lässt sich Patterson angemessen Zeit, das Familiendrama zu etablieren, die Amnesie Helens einzuführen und das nachvollziehbare Fremdeln gegenüber dem Baby, da ihr die ersten Monate Bezug komplett fehlen. Obgleich sich diese Parts mehrheitlich wie ein Familiendrama gestalten, nimmt das Schicksal der Beteiligten in Beschlag, was für den weiteren Verlauf natürlich nicht unwesentlich ist.

Bei den Recherchen zu den vermissten Kindern geht man indes angenehm bodenständig, beinahe altbacken vor, indem Zeitzeugen aufgesucht und befragt werden, wodurch einige Randfiguren etwas näher in den Kreis der potenziellen Verdächtigen rücken. Doch dabei belässt es das Drehbuch nicht, denn es gesellen sich paranormale Begebenheiten in Form von Geisterkindern hinzu, die leider weniger furchteinflößend daher kommen, zumal sie teilweise ohne ersichtlichen Kontext erscheinen und genauso schnell wieder verschwinden.
Hier und da eine huschende Gestalt oder dort eine leicht entstellte Fratze wirken beileibe nicht innovativ, effektiv ist hingegen der nächtliche Besuch eines Mädchens an der Wohnungstür in Szene gesetzt.

Auf atmosphärischer Ebene setzt Patterson auf düstere und zum Teil verwaschen wirkende Farben, dazu passt das triste Hochhaus irgendwo am Rande von London ebenso wie einige traurige Vorstadthäuser. Auch der Score trägt mit einigen hübsch arrangierten Themen zur angemessenen Stimmung bei und nicht zuletzt liefern die Mimen eine insgesamt solide Leistung ab, wobei Charaktermime Cosmo und Hauptdarstellerin Pearson (die aufgrund der ehelichen Verbindung zum Regisseur hierfür gute Karten hatte) positiv hervorstechen.

Im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse förmlich, indem binnen weniger Szenen gleich mehrere Twists enthüllt werden. Manche Begebenheiten wirken auf zeitlicher Ebene zwar reichlich konstruiert, doch einige Wendungen treffen ins Schwarze und auch der Ausgang passt zu der teils trostlosen Grundstimmung.
Unterm Strich liefert Patterson einen brauchbaren Thriller ab, der die übersinnliche Note eigentlich nicht gebraucht hätte, da das Bohren in der Vergangenheit genügend düstere Geheimnisse zutage fördert.
6,5 von 10

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