Auch ich war etwas enttäuscht, als ich den kleinen Film "Young Adam" mit einem Kommilitonen in einem Programmkino sah.
Wurde doch einiges Aufheben um die Nacktszenen gemacht, sind sie doch eher konventionell. So kennt man Ewan McGregors Genitalien schon aus diversen Filmen wie "Velvet Goldmine" beispielsweise. Und Tilda Swinton ("The Beach") ist auch nicht gerade eine umwerfende Schönheit.
Zur Story: Der Hafenarbeiter, Schwerennöter und ehemalige Schriftsteller Joe (Mc Gregor) heuert auf dem Kutter von Ella (Swinton) und deren Mann Les an. Es läßt natürlich nicht lange auf sich warten und Joe und Ella beginnen eine leidenschaftliche Atmosphäre.
Das ist allerdings nur der Rahmen für eine weiterreichende Handlung: so ziehen Joe und Les eines Tages eine Wasserleiche im Hafen aus dem Wasser, mit deren Tod Joe auf eine Art und Weise zu tun hat (welche wird hier nicht verraten, kann man sich aber eigentlich denken). Es beginnt ein Prozess gegen einen unschuldig des Mordes angeklagten Mann, zu dessen Entlastung sich Joe äußern könnte. Daneben enthüllt der Film Joes nicht irrelevante Vergangenheit, welche damit zu tun hat.
Regisseur David Mackenzie war es zu einfach, eine einfache Love-Story zu erzählen, richtig so, denn die hat man schon tausendmal gesehen. So siedelte er den Film in den 50er Jahren an, um eine düstere Stimmung im Bereich der Arbeiterklasse zu schaffen, was gelang.
Neben dem Thema Liebe als Kontrast zum rauen Leben der einfachen (Schiffs- und Hafen-) Arbeiter nahm er sich tiefschürfenderen Themen wie dem Übernehmen von Verantwortung, Moral und Selbstverwirklichung an.
Dass Joe es mit jeder Frau treiben muss, die in sein Leben tritt, hat mit der Verdrängung seines öden Daseins zu tun: arm, erfolglos, umherziehend.
Eine gewisse Öde und Düsterheit kann man "Young Adam" also durchaus unterstellen und der Film weiss diese nur unzureichend auszugleichen, weswegen er in seiner deprimierenden Wirkung an "Die Asche meiner Mutter" erinnert.
In den Titel selbst wie in den Film lässt sich viel hineininterpretieren, was ich hier allerdings nicht vertiefen möchte.
Das offene Ende des Films scheint logisch, aber hier macht es sich Mackenzie doch etwas zu leicht. Außerdem ist zu bemängeln, dass der Film zum Ende hin doch etwas wirr gerät.
Als kleiner Scherz am Rande: Angesichts seines Zigarettenkonsums im Film wundert man sich, dass Ewan Mc Gregor überhaupt noch unter den Lebenden weilt.
Letztendlich handelt es sich bei "Young Adam" um einen kleinen, leisen, aber ernsthaften und intelligenten Programmkinofilm, den man sich (wenn man ein Fan von Mc Gregor ist) ansehen kann, aber nicht unbedingt muss.
Ich vergebe 7 von 10 Punkten.