Liebe mit Risiko - Gigli…
…ist weit davon entfernt der schlechteste Film des neuen Jahrtausends zu sein. Und auch die goldenen Himbeeren, mit denen er so reichlich beschenkt wurde, erscheinen mir angesichts der Vielzahl absoluten Mülls, der die Produktionsstätten Hollywoods verlässt, reichlich fehl am Platz.
Für mich war Gigli, wie er im Original heißt, ein etwas über dem Durchschnitt liegender Streifen, mit nur wenig Leerlauf und dem ein oder anderen etwas blödsinnigen Einfall, aber auch einigen wirklich unterhaltenden Szenen.
Positiv hervorzuheben sind vor allem die Sache mit der asiatischen Kampftechnik des Augapfelentfernens, die einmal mehr zeigt, dass Worte mächtiger sind als das Schwert, die Diskussion darum, ob der Penis oder die Vagina die Spitze der sexuellen Begierlichkeiten ist, die eifersüchtige Lesbe und natürlich die Kurzauftritte von Christopher Walken und Al Pacino, die allein mit ihrer Präsenz zu glänzen wissen.
Leider setzt daran auch gleich ein negativer Kritikpunkt an, denn beide müssten aufgrund ihrer Rollen mehr Einfluss auf das Geschehen haben. Stattdessen verschwinden sie schnell und ohne Konsequenzen für unsere Protagonisten Ricky (Jennifer Lopez) und Larry (Ben Affleck) wieder.
Im Gegensatz zu den Altstars wirken Ex-Bennifer natürlich etwas schwach und sie werden wohl auch keine richtig umwerfenden Darsteller mehr, aber grottenschlecht ist was anderes. Außerdem stimmte die Chemie zwischen den beiden und für die etwas widersprüchliche Charakterzeichnung ist das insoweit schwache Drehbuch verantwortlich.
Dennoch mutet es natürlich merkwürdig an, wie liebevoll ein Geldeintreiber und eine Auftragskillerin miteinander und vor allem mit Ihrer Geisel umgehen und dass sie Hemmungen haben sollen, dieser einen Daumen abzuschneiden. Allerdings stärkt es die Sympathiewerte für die Figuren.
Ein Weiterer und völlig unnötiger Schwachpunkt ist die angebliche Homosexualität von Ricky, die der Handlung mehr im Wege stand, als sie zu fördern.
Noch sonderbarer ist, wie wenig die beiden vom Umfeld beeinflusst sind. Völlig unbedarft fahren sie mit ihrer behinderten Geißel im Cabrio durch die Stadt, lassen sie im Auto sitzen und spazieren in einem Krankenhaus herum und das obwohl Polizei und Mafia ein Auge auf sie geworfen haben.
Entschädigt wird man mit einem Haufen Dialogen und Szenen, die wohl versuchen, Tarantino zu kopieren, dies nicht erreichen aber trotzdem meist zu unterhalten wissen. Im Ergebnis vergehen die 116 Minuten deshalb recht zügig und mit vielen Schmunzlern und ein paar Lachern für den unvoreingenommenen Zuschauer.
Und deshalb gibt es von mir trotz der genannten Schwächen noch 6/10 Punkte
Wem der Film gefallen hat, könnte auch Freude an den Folgenden haben:
- Cletis Tout
- You're fired
- Bulletproof