Gefeiert als Megagurke des Jahres 2003 schaffte es "Gigli", sämtliche Tiefstrekorde der Filmgeschichte nochmals zu unterbieten. Richtig übler Film? Hört sich interessant an für den ambitionierten Filmfreund, der gerne mal wieder so richtig schlechte Kost vorgesetzt bekommen will. Und wenn es dann noch darum geht, "Bennifer" so richtig eins auszuwischen, bin sogar ich von der Idee positiv erfreut. Aber manchmal, genau wenn man es am wenigsten erwartet, geschehen noch kleine Wunder...
Der ziemlich nichtige und erfolglose Gangster Gigli (Ben Affleck) bekommt seine große Chance: Sein Auftraggeber verlangt von ihm, den geistig behinderten Verwandten eines Bezirksstaatsanwalts, der Trouble macht und erpresst werden soll, zu entführen und bei ihm versteckt zu halten. Giglis Boss stellt ihm Ricki (Jennifer Lopez) zur Seite, die ihn Tag und Nacht überwachen und aufpassen soll, dass Gigli die Nummer nicht verbockt. Und genau dann läuft so ziemlich alles schief: Ricki ist lesbisch, aber Gigli verschaut sich trotzdem in die Hübsche, die beiden haben Mitleid und freunden sich mit ihrer Geisel an, und zu guterletzt schneit noch ungebetener Besuch zur Tür rein... Giglis große Nummer scheint zu platzen.
Soweit die Story, die bis hierhin eigentlich noch ganz passabel klingt und auf einen halbwegs brauchbaren Gangsterfilm hoffen läßt. Aber, man sollte einige Faktoren nicht so einfach ignorieren:
a.) Wir befinden uns im Zeitalter von Mainstream und Blockbuster und da ist nicht alles so, wie es scheint.
b.) Die Hauptrollen sind besetzt von Jennifer Lopez und Ben Affleck.
c.) Gute Drehbuchautoren mit einem Gespür für ihre Materie sind am aussterben.
So entwickelt sich im Verlauf des Films der Plot zu einem unglaubwürdigen Kasperltheater. Schuld daran ist zuerst mal das Drehbuch an sich, das selbst den kleinsten Hauch von Realismus gern mal brutal unter den Teppich kehrt. Folge: ein Haufen unfreiwilliger Unplausiblitäten, Folgefehler und Kopf-kratz-Sequenzen. Ist ja nett, dass sich der Film selbst nicht so ernst nimmt, aber da hat man etwas sehr übertrieben.
Zweite große Schwachstelle ist wohl das Sammelsurium an skurilen und total unglaubwürdigen Charakteren und deren Darsteller. Die Nebenrollen sind leider äußerst schwach besetzt, wenn auch nicht total daneben (Giglis Auftraggeber Louis zum Beispiel ist ein schleimiger Blödmann, war aber wohl auch so beabsichtigt). Lopez' Charakter Ricki hingegen ist äußerst nervend: immer einen schlauen Spruch auf Lager, extrem zickig und ein feministischer Klugscheißer vom Dienst, der die Weisheit scheinbar mit Löffeln gefressen hat. Das wirkt nicht nur äußerst armseelig, sondern auch extrem aggressionsfördernd. Genauso wie Lopez hat sich bis jetzt auch Affleck kaum mit Ruhm bekleckert - aber man muss ihm zu Gute halten, dass er zumindest etwas schauspielerisches Talent hat, wenn auch nicht damit geschlagen wurde. Die Rolle des machomäßigen und pseudocoolen Losers Gigli zumindest bringt er halbwegs gut rüber...vielleicht, weil er sich ausnahmsweise selber spielen darf. Der Gastauftritt von Christopher Walken mag zwar gut gemeint sein, gibt dem Film allerdings nichts und passt sich dem Niveau des Streifen an. Schon viel besser gelungen ist der Auftritt von Al Pacino, der einen Höhepunkt darstellt und sehr überzeugen kann.
Die Dialoge sind äußerst dünn, gehaltlos und zum größten Teil auch unfreiwillig komisch. Bei verbalen Schlagabtäuschen zwischen Lopez und Affleck wirds so richtig haarig: da fragt man sich wirklich, was das ganze Vorschulgestreite eigentlich soll und ob die Schreiber unter Drogen standen. Rickis philosophischer Monolog über die Perfektion der Vagina stellt hier beeindruckend den peinlichen Klimax dar.
Nun, trotz aller Lächerlichkeiten, Klischees und geistlosen Dauerpassagen haut der Film einige Gags raus, die es wirklich in sich haben. Wer das Treiben auf der Leinwand nicht zu ernst nimmt, darf an einigen Stellen dann mal wirklich lachen (nicht nur wegen dem unfreiwillig komischen Touch des Streifens). Das Zünden von ein paar bissigen und sarkastischen Gags läßt das mehr negative Gesamtbild von "Gigli" dann doch etwas besser dastehen und rettet sowohl Zuschauer und Film von so einigem. Leider trösten ein paar flotte Gags nicht über die quasi nonexistente Story, schwache Dialoge und allenfalls mittelmäßigen Darstellern hinweg, und so bleibt der Streifen mit viel gutem Willen allerhöchstens Mittelmaß. Freunde der gepflegten amerikanischen Swearword-Kultur ("fuck" und co.) dürfen sich dennoch freuen - hier hat man mal wieder deftig zugelangt! Immerhin... Wie die Sache in der deutschen Version aussieht, kann ich leider nicht sagen. Was man vielleicht noch positiv erwähnen sollte, ist der recht gelungene Soundtrack (keine doofen Popsongs!).
Wer mit einer absolut nervtötenden Jennifer Lopez klarkommt und auch sonst seine Messlatte nicht allzu hoch ansetzt, sollte "Gigli" eine Chance geben. Ohne den Film jetzt irgendwie in Schutz nehmen zu wollen, aber wer behauptet, dass dies der schlechteste Streifen aller Zeiten sei, hat bei Gott noch nicht viele Filme gesehen. "Gigli" verbleibt als harmlose Fehlzündung, der man mit etwas gutem Willen noch das eine oder andere abringen kann. Viel erwarten sollte man dennoch nicht - trotzdem: für einmal ansehen reichts auf jeden Fall... Ich habe VIEL VIEL Schlimmeres gesehen. Zum Schluss sei noch lobenswert erwähnt: für Bennifer-Hasser und Liebhaber gleich unterhaltend...