Review

So das soll er also sein, der Untergang des modernen Kinos, der Tiefpunkt des filmischen Schaffens, der Film der mit Goldenen Himbeeren nur so überschüttet wurde und in der IMDB bereits einen Platz in den 20 schlechtesten Filmen aller Zeiten hat. Warum das alles so ist umd kam, will sich mir nach dem ich den Film angesehen habe irgendwie absolut nicht erschließen. "Gigli" ist sicherlich kein Meisterwerk, ja nicht mal ein guter Film, aber er ist auch genauso eindeutig kein extrem schlechter Film.

Ein Genre für "Gigli" zu finden ist etwas schwierig, da sich Autor und Regisseur Martin Brest da wohl selber nicht so schlüssig war, in welche Richtung er denn gehen möchte. So ist der Film dann am ehesten eine recht redselige Thrillerromanze, die wohl hauptsächlich auf Grund der Tatsache das die beiden Hauptdarsteller Ben Affleck und Jennifer Lopez heißen, und zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ein Paar waren, eine so große Beachtung gefunden hat.
Erzählt wird die Geschichte des nicht unbedingt besonders hellen Kleingangsters Larry Gigli, der von seinem Boss den Auftrag erhält den geistig zurückgebliebenen Bruder eines Bundesanwalts zu kidnappen und auf ihn aufzupassen. Da ihm sein Boss nicht traut schickt er Gigli zur Verstärkung die lesbische Ricki. Soweit zur Story, die sich nicht großartig weiterentwickelt, da die meiste Zeit die beiden "Bewacher" mit ihrem Schützling unterwegs sind und sich dabei manchmal großartige, manchmal einfach nur dämliche Wortgefechte liefern. Man erhält zwar einmal mehr den Eindruck, das sich hier wieder ein wenig bei Quentin Tarantino abgekupfert wurde, aber das ist inzwischen ja leider so üblich geworden. Die Dialoge erreichen dabei übrigens nie die Qualität eines Quentin Tarantino, können aber doch das ein oder andere mal überraschen, so etwa wenn Gigli und Ricky sich minutenlang darüber unterhalten ob denn nun der Mann oder die Frau das begehrenswerte Lustobjekt ist und die Macht der Vagina ausdisskutiert wird. Dieser wie auch einige andere Dialoge, so etwa der zwischen Gangsterboss Al Pacino und den beiden Hauptdarstellern, nachdem er gerade seinem Untergebenen das Gehirn weggeschossen hat, strotzen nur so vor Wortwitz und leben von den Differenzen zwischen den beiden Hauptfiguren. Leider gibt es mindestens genauso viele Dialoge, die absolut daneben gehen und sich eher in die peinlich und belanglos Schublade stecken lassen.
Wie gesagt ansonsten passiert nicht viel, wenn man davon absieht das immer wieder reichlich überzeichnet dargestellte Nebenfiguren auftauchen. So gibt es neben Al Pacino noch einen seltsamen Kurzauftritt von Christopher Walken, einen Besuch bei Giglis Mutter und den Auftritt von Rickies Exfreundin die sich erst mal die Pulsadern aufschneidet.
Diese Auftritte wirken eher unpassend und aufgesetzt als stimmig eingefügt. Trotzdem lockern sie die sich immer mehr abzeichnende Lovestory auf und sorgen dafür das man als Zuschauer nicht das Interesse verliert.

Das Jennifer Lopez eine durchaus begabte Darstellerin ist, hat sie ja bereits mehrmals eindeutig bewiesen, erwähnt seien hier nur mal "U-turn", "Out of Sight" und "Angel Eyes". Sie liefert in Gigli sicher keine Glanzleistung ab, spielt die ungewöhnliche Rolle aber durchaus ansprechend und sieht natürlich auch einmal mehr fabelhaft aus. Anders verhält es sich mit Ben Affleck, der einmal mehr beweist das er wohl nie ein richtiger Schauspieler werden wird. Mehr als einen verzweifelten Gesichtsausdruck bekommt er einfach nicht hin und auch das sonstige Auftreten im Film sieht eher nach Laiendarsteller aus. So kommt es dann auch das die Chemie zwischen Affleck und Lopez im Film nicht so recht rüberkommt, dafür wird man aber wie bereits erwähnt mit einer guten Performance von al Pacino und Christopher Walken belohnt und auch Justin Bartha als zurückgebliebener Brian spielt wirklich überzeugend.

"Gigli" ist somit eine etwas krude Mischung aus allem möglichen, bietet einige wirklich gelungene Details, einige absolut misslungene und ist ansonsten nicht mehr und nicht weniger als ein durchschnittlicher Film, der aber ganz sicher nicht die Häme verdient hat, die über ihm ausgeschüttet wurde. Für Fans von Affleck, die soll es ja durchaus geben, und Fans von Jennifer Lopez ist der Film auf jeden Fall sehenswert und wer sich mit der Story anfreunden kann und sich ein wenig auf den Film einlässt kann auch durchaus ordentlich unterhalten werden, denn einen gewissen Unterhaltungswert kann man dem Film nicht absprechen. Und Al Pacino sieht man in letzter Zeit ja eh viel zu selten. 4,5 von 10 Punkten und für mich zum Beispiel bedeutend besser als das Starvehikel "The Mexikan" mit Julia Roberts und Brad Pitt.

Details
Ähnliche Filme