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TV-Serienadaptionen haben immer noch Konjunktur in Hollywood und ebenso gern, wie man ein bekanntes Schema zum abendfüllenden Film aufbläst, finden Videoclipregisseure damit immer noch ihren Einstieg in das Big Business. Möglichst cool soll es aussehen, schnell, wild und adrenalintreibend. Logik ist nicht so wichtig, Innovation bleibt dem Zufall überlassen. Schauspieler werden weniger gesucht, eher schon Gesichter, noch besser Präsenzen. Damit lassen sich Filmserien gestalten, zumindest Fortsetzungen.

Nach diesen Grundsätzen läuft auch „S.W.A.T“ ab und so überflüssig der Film ist, so sicher ist seine Stellung als Lieferant harmloser Unterhaltung für zwei nette Stunden.
Spätestens beim Stichwort „TV-Adaption“ weiß man, dass man Realitätsnähe oder einen halbwegs brauchbaren Polizeifilm hier lange suchen kann.
Filme wie „S.W.A.T.“ müssen keine Kritiker überzeugen.
Filme wie „S.W.A.T.“ müssen funktionieren.
Nur auf diese Frage kommt’s an.

Dabei hat es ein Film schon schwer, wenn die Macher von „XXX“ sich bemüßigt fühlen, dies als ihr neuestes Werk auszugeben, denn so erfolgreich der Vorgänger war, so hohl war er.
Zum Glück hören die Vergleiche dann auch hier, wenn man vergisst, dass das Drehbuch genauso kein Ausbund meisterhafter Schlüssigkeit darstellt.

Wir haben also eine Gruppe von SWATs, Jungs (und ein Mädel), die es drauf haben, wenn es um Schwer(verbrecher)transporte und Geiselnahmen geht. Daraus folgert: schwierige Lage, Teamplay. Was läge näher, als die Gruppe erst mal zu basteln, das bringt Kumpelszenen und ggf. Spannungen. Einen charismatischen Leader für die One-Liner, ein brauchbares Gesicht für die führende Rolle, der Rest ist Füllmaterial.
Schließlich ist das nicht „Einsame Entscheidung“, wo man die Hälfte des Films als Vorbereitung auf einen einzige Situation freigab. Gleichzeitig führt man den Bösen ein, baut ihn auf und bringt die Handlungsstränge schließlich zusammen.
Dann rührt man noch eine alte Geschichte dazu und bastelt sich den unvermeidlichen Verräter. Kann losgehen.

Nein, einen Oscar fürs Drehbuch gibt’s nicht, aber losgehen, das geht klar. „SWAT“ setzt auf Tempo und Geschwindigkeit, kernige Typen und flotte Kameraschwenks, Coolness als Lebensmaxime. Mit zuviel US-Patriotismus ist das dankbarerweise nicht zugekleistert, da sieht man die Fahne anderswo öfters im Wind flattern. Dies ist die MTV-Essenz eines Actionfilms, mit funktionellen Motivationen als schauspielerischen Gefühlsersatz.
Wenn man das flott genug umsetzt, hat man eine kurze gute Zeit im Kino und gleichzeitig belastet es nicht. Wie Milchschnitte, allerdings für das Langzeitgedächtnis.

Der Film hat Erfolg, wenn bei den zu erwartenden Handlungsdrehs die Schmerz- „Ooooohs“ im Publikum belustigt und nicht ärgerlich klingen. Und davon gibt es genug, aber längst nicht so viele wie etwa in einem gewissen Vin-Diesel-Vehikel. Solange man noch mit einem „ja, klar!“ darüber weglächeln kann, wird es nicht allzu wehtun.
Referenzpunkte sind natürlich die Actionsequenzen und nicht die Charakterstudien. Die fallen auch unterschiedlich aus, manche bisweilen albern konstruiert (der wild um sich ballernde Bankräuber in der Eröffnungssequenz, die Gangmitgliedsequenz), andere brauchbare Kost (der finale Flugzeugtest, der Showdown).
Dazu sieht Colin Farrell natürlich gut aus und Samuel Jackson hat nun mal Präsenz, ob er will oder nicht.

Ja, man kann „S.W.A.T.“ voll und ganz vorausberechnen, aber das weiß man praktisch schon vorher. Aber mit dem Wissen soll man sich ja gerade zwei lässige Stunden machen.
Wir wissen, der Regisseur wird nie ein Genie seines Fachs, zu uninspiriert werden verschiedene Stile aneinandergeklebt, aber das Team hat Drive und ist leinwandfüllend. Ist die Leinwand weg, ist auch das Team weg. Und hinterher muss man trotzdem dringend was essen gehen – denn „S.W.A.T.“ ist Film als Burger, eben lecker für dem Moment ohne Sättigung oder geistigen Nährwert. (6/10)

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