Review

Nach seiner förmlichen Omipräsenz in den 90er Jahren („5th Element“ / „the Professional“ / „Romeo is bleeding“ ...), hat sich Gary Oldman in den letzten Jahren auf der Leinwand rar gemacht (eigentlich kommen mir nur nachhaltig „Hannibal“ und „the Contender“ in den Sinn) ... umso überraschter war ich, ihn auf dem Cover der Videopremiere „Sin“ zu entdecken. Geschichte und Besetzung klangen interessant, doch im Nachhinein betrachtet konnte der düstere Thriller von Michael Stevens nicht wirklich an meine Erwartungen heranreichen...

Eddie Burns (Ving „Pulp Fiction“ Rhames in einer starken Rolle als desillusionierter Ex-Cop mit einem gelähmten Arm) lebt abgeschieden in der Einöde Nevadas, bis seine junge Schwester (stark: Kerry Washington) in Reno spurlos verschwindet. Sofort macht er sich auf die Suche, doch erst ein anonymer Anruf lässt ihn sie finden – missbraucht, auf Drogen gesetzt und halbtot am Grab ihrer Eltern zum Sterben ausgesetzt.
Mit viel Glück überlebt sie, und mit Hilfe seines Ex-Partners (Bill Sage) macht sich Eddie fortan auf die Suche nach den Tätern – die Spur führt in die Drogen- und Pornographieszene der Stadt, und alles läuft auf ein Duell mit dem Produzenten Strong (Gary Oldman) heraus, der sich mit Burns ein psychologisches Katz- und Mausspiel liefert ... die Vergangenheit scheint beide Männer auf eine gewisse Weise untrennbar miteinander zu verbinden.

Der Titel „Sin“ trifft den Kern der Sache, denn es geht um die Sünden der Vergangenheit, die einen einholen – mit Strafe und Erlösung als unumgehbare Konsequenzen. Keine der Figuren hat ein reines Gewissen, trotz ihrer unterschiedlichen Lebensweisen.

Ungewöhnlich für einen Thriller ist die Hauptfigur des Eddie Burns: Ich habe noch nie einen „Helden“ mit nur einem Arm in einem Film gesehen, und die Art, wie Burns vorgeht, ist keinesfalls „heldenhaft“ – er verübt Selbstjustiz pur, gnadenlos und konsequent. Selbst als er aus Versehen einen Freund tötet, weicht er nicht vom eingeschlagenen Kurs ab.
Sein Gegenpart ist ebenfalls von Schuld und Rache getrieben, und Oldman spielt die Figur hervorragend ausbalanciert. Allgemein befinden sich die darstellerischen Leistungen auf gutem Niveau, auch wenn einige Nebenrollen verschenkt wurden, beispielsweise die von Brian Cox („25 Stunden“) und Gregg Henry („Ballistic“).

Leider ist das Gesamtkonzept des Films nicht neu, und die Inszenierung nicht wirklich spannend. Insgesamt ist der Thriller recht unspektakulär ausgefallen, und trotz der interessanten (düsteren) Bildersprache erreicht „Sin“ nie die Intensität und Abgründigkeit des thematisch ähnlich gelagerten „8mm“, was in Anbetracht der Motive und Handlungsweisen der Hauptfiguren stimmiger gewesen wäre.
Die „18er“-Freigabe ist in meinen Augen übrigens nicht gerechtfertigt, denn explizite Gewalt oder verstörende Szenen bekommt man nicht direkt zu sehen – wahrscheinlich lag die Einstufung an den Themenbereichen „Missbrauch“ und „Selbstjustiz“...

Gegen Ende kommen dann noch kleinere Unstimmigkeiten hinzu: Burns läuft die letzten 20 Minuten (mehr oder weniger unbeeindruckt) mit abgeschossener Hand herum, und ein Dialog zwischen Burns und einer gerade aus den Händen der Vergewaltiger/Killer geretteten Frau (Alicia Coppola) schmerzt förmlich beim Zuhören...

Trotz allem bietet „Sin“ eine gar nicht mal so schlechte Herangehensweise an das Thema (in Form eines modernen Westerns), wartet mit guten Schauspielern, interessanten Figuren und einigen hervorragenden Szenen (ein Gespräch zwischen Oldman und Rhames an einer Tankstelle, ein Mordversuch an Burns in einer Kirche, sowie das Finale draußen im Treibsand der Wüste, welches an gute alte B-Filme der 50er erinnert) auf.


Fazit: Ein von der Grundprämisse her interessanter Thriller, bei dem jedoch leider viel verschenkt wurde ... 5 von 10.

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