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Moderne Vampire präsentieren sich beileibe nicht mehr wie die erhabenen Gentlemen vergangener Dekaden, als Bela Lugosi und Christopher Lee den Blutsaugern markante Züge verliehen. Sie gehen mit der Zeit, tragen hippe Klamotten, benutzen Handys und werden sogar instrumentalisiert, um gesellschaftskritische Themen wie Gentrifizierung anzureißen.

New Orleans: Auf dem Heimweg von einer Party wird die 15jährige Shawna von einem Vampir überfallen und gebissen, doch sie wird nicht selbst zum Vampir. Im Gegensatz zu ihrer drogenabhängigen Mutter, welche verbrennt als sie dem Sonnenlicht ausgesetzt wird. Shawna, ihr bester Freund Pedro und ihr Love Interest Chris versuchen das Hauptquartier der Blutsauger ausfindig zu machen…

Jordan Peele hat mit „Get Out“ vorgemacht, dass sich Horror und gesellschaftskritische Aspekte durchaus miteinander verbinden lassen, andere scheitern an dieser Aufgabe, weil der Mut fehlt, Themen konkret auf den Punkt zu bringen oder schwingen zu sehr den moralischen Holzhammer. Langfilmdebütantin Maritte Lee Go weicht nach einigen angedeuteten Punkten etwa auf die Komponente Coming-of-Age aus, was zwar nicht unsympathisch rüberkommt, jedoch den Mangel an Action und Nervenkitzel deutlich werden lässt.

Über weite Teile fühlt sich die Geschichte wie eine afroamerikanische Variante von „Lost Boys“ an, welcher allerdings die Coolness und der Humor fehlen, obgleich einige kleine Schmunzler auszumachen sind. Während die jungen Vampirjäger einen passablen Heldentrupp abgeben, kommen die Blutsauger deutlich zu kurz und erscheinen weitgehend austauschbar, zumal sich kaum ein markanter Obermotz herauskristallisieren will. Auch die Gestaltung der Vampire ist bestenfalls als zweckmäßig zu bezeichnen, überdies sorgen die Schurken kaum für Blutvergießen, da sich viele Szenen bei zu schwacher Ausleuchtung abspielen, - diesbezüglich hätte man den Titel nicht ganz so wörtlich nehmen sollen.

Derweil wird einige Male auf die Folgen von Hurrikan Katrina angespielt, als hätte seinerzeit ein Vampir das Leben aus der Stadt gesaugt. Gleichermaßen versucht das Drehbuch mit einem Rundumschlag von Jahrhunderten die Folgen von Rassismus aufzuzeigen, doch mehr als Stichworte und ein animierter Geschichtsexkurs kommen nicht dabei herum. Im Kontext mit einigen gut gemeinten Auflockerungen entsteht dadurch überdies ein unrundes Bild mit zu vielen Stimmungen, die sich gegenseitig ausbremsen.

Stellvertretend für das holprige Unterfangen steht der Showdown, welcher nicht nur komplett vorhersehbar abläuft, sondern mit oberflächlichen Dialogen angereichert ist, die lang und breit ausschmücken, was zuvor schon hinlänglich zu verstehen war. So wirkt der Vampirfilm wie eine unausgegorene Mischung mit handwerklich tauglichen Ansätzen und okayen Mimen, die wohl eher für Genreneulinge konzipiert ist, - Spannung und Action kommen deutlich zu kurz.
4 von 10

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