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Blumhouse ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen.

Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…

Nachdem schon „Bingo Hell“ versuchte, aktuelle Mißstände mit Horrorthemen zu verbinden (Demographischer Wandel, Senioren, Gentrifizierung), arbeitete sich auch der parallel gestartete „Black as Night“ abseits typischer Drehorte für Horrorfilme an gewissen amerikanischen Traumata ab.

Für Maritte Lee Go geht es in „Black…“ um die Nachwirkungen der zahlreichen Sturmzerstörungen New Orleans, wieder dem Umbau alter Stadtviertel und der Verdrängung der traditionell eher farbigen Bevölkerung gewisser Stadtteile.

Das klingt als Basis gut, ist aber nur ein recht formloser Hintergrund für die Kulisse eines „Ghetto“-Vampirfilms, der 25 Jahre danach von der ersten Sekunde an wie ein „Buffy“-Derivat riecht, nur eben aufbereitet für vornehmlich schwarze Kids (Ausnahmen sind ein vermutlich ansatzweise noch homosexueller Latino und ein weißes Nerd-Mädchen, welches als belesene „Expertin“ schon ein In-Joke in sich ist), die sich mit einer Vampirinvasion in der Nachbarschaft rumärgern müssen, als es der Hauptdarstellerin Mutter im hellen Sonnenlicht das Leben kostet.

Tendenziell kontraproduktiv ist schon der Off-Kommentar gleich zu Beginn, der den größten Teil des Handlungsverlauf dann auch erahnbar macht. Da meldet sich die Protagonistin gleich bei ihrem – vorzugsweise jungen – Publikum und sorgt dann dafür, dass „Black als Night“ relativ überraschungsfrei bleibt. Ein ganz klein wenig mehr Interesse erregen die jahrhundertealten Vampir-Cliquen, die hier teilweise gegeneinander arbeiten, aber während sich alle Jugendlichen mit mehr oder weniger verständlicher Motivation an ihrem Rachefeldzug abarbeiten, der ihnen mindestens (bei der am Anfang geschilderten Konstitution der Vampire) fünf Nummern zu groß ist, der aber – aufgrund gesteigert spontan auftretender Unfähigkeit weiterer Blutsauger – irgendwie doch positiv voran geht, obwohl stetig behauptet wird, dass das nicht gut gehen könne.

Die Grenzlinie zwischen todernst und spaßig weiß der Film dann leider auch nicht zu halten, wobei der „Humor“ meistens von Tiraden des ängstlichen Pedro kommt, während die übrigen Teilnehmenden, allen voran halt Asjha Cooper in der Hauptrolle, allenfalls mal zweifelt.

Am besten ist der Film, wenn er mal ernst macht, aber man merkt deutlich, dass die Zielgruppe hier eher 16-20 Jahre sein soll und nach Möglichkeite (auch passend im Kontext) halt schwarz und das führt dazu, dass man die Protagonist(inn)en immer wieder im Spiel halten muss, während sie mit Knoblauchpulver um sich werfen (heftige allergische Reaktionen) und heraussortieren müssen, wo die Unterschiede zwischen klassischen Literaturvampiren und der New Orleans-Evolutionslinie liegen.

Nicht falsch verstehen: „Black as Night“ ist gut konzipiert und kompetent gefilmt und weiß durchaus über seine volle Laufzeit zu unterhalten, aber alle über 30, die schon mal einen Vampirfilm gesehen haben, etwa „Buffy“ oder „Lost Boys“ werden wenig Aha-Erlebnisse bei dem Film finden, der offenbar darauf spekuliert, dass die nachwachsenden Generationen mit den „alten Sachen“ noch nicht so vertraut sind.

In Sachen Stadtentwicklung bleibt leider auch dieser Film nach erzählerischen Ansätzen in der resignativen Position stecken, was ihn beliebiger, aber realistischer macht – und ihm per Post-Credits-Szene quasi die Erlaubnis gibt (Anklänge gibt es den ganzen Film über) als möglicher Pilotfilm zu funktionieren. Dafür ist die Chose aber vermutlich nicht originell genug – warum er für mich auch im freundlichen Mittelmaß versandet. (5,5/10)

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