Blumhouse ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen.
Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…
Nachdem die vier WTTB-Produktionen für 2020 ein gemischtes, aber strukturell ermutigendes Bild für „kleine Filme“ ergeben hatte, wurden 2021 vier weitere Filme gestartet, die neue, ungewohnte Nischen in den Fokus nehmen sollten, aber am Ende wurde das Gesamtbild qualitativ fragiler als das der Vorläufer.
„Bingo Hell“ etwa, der sich mit dem Thema Gentrifizierung, dem Abbau traditioneller Strukturen, demographischem Wandel und den Problemen älterer Leute beschäftigt, versucht nebenbei, so etwas wie eine Horrorkomödie zu sein, überdreht aber eigentlich nur die Geschichte, die er erzählen will, ins Grellere.
Hier steht das Örtchen Oak Springs auf der Kippe, einerseits leere Geschäfte und zunehmender Verfall, andererseits wollen findige Geschäftsleute gern das ganze alte Grundstücks- und Gebäudegut aufkaufen, um etwas Hipperes daraus zu machen. Metaphorisch-faustisch korrekt zieht nun der Teufel in die Stadt, die in den Alteingesessenen viele Bingo-Freunde hat, und verführt die Hartnäckigen durch Blink-Blink und hohe Gewinne dazu, sich zu vergessen und ein schreckliches Ende zu finden.
Es dauert eine Weile, bis ein paar alte Damen dem Sirenengesang auf die Spur kommen und dann zu Waffengewalt greifen, ehe sich die Gemeinde selbst zerstört.
Ein Schelm, wer da nicht zwischendurch immer mal an „Needful Things“ und Ähnliches denkt, allerdings kann „Bingo Hell“ mit den Vorlagen bei weitem nicht mithalten.
Tatsächlich habe ich mit dem Film auch recht zügig die Geduld verloren, denn abgesehen von der Möglichkeit, endlich mal älteren Darstellern die Möglichkeit einer brauchbaren Filmrolle zukommen zu lassen (und Horrorfilme fokussieren ja eher auf junge Leute in der Mehrzahl), sehe ich da wenig Erwähnenswertes.
Zunächst mal: für eine Komödie ist „Bingo Hell“ erstaunlich unlustig, auch in der Behandlung und im Umgang mit Gewalt. Gigi Saul Guerrero hat sich sicherlich einiges dabei gedacht, als er am Drehbuch mitschrieb und man spürt die Hintergründe, aber warum dann nicht etwas in den Drive investieren, wenn die Darsteller schon latent hüftsteif sind.
Doch nichts davon, der Film hinkt lendenlahm und dialoglastig vor sich hin, wobei Letzteres in krassem Gegensatz zu den überlangen Einschüben des dämonischen Treibens von Mr.Big steht, dann hagelt es schräge Blickwinkel, endlos leuchtende Lampenkaskaden, unheimliche Großaufnahmen von Gesichtern und viel selbstgefälliges Gegrinse und Gelache. Während all das läuft, verstümmeln und massakrieren sich die Gewinner gegenseitig, was bisweilen wirklich einen unangenehm wirksamen Effekt hat, aber durch den zu wenig trimmenden Schnitt und mangelndes Tempo immer wieder den kompletten Film zum Stillstand bringt.
Da der Basisplot auch in einer 30-Minuten-Episode erstaunlich viel Raum hätte, wird eben in die Breite gezogen wie nichts Gutes, da muß dann noch ein Jugendlicher in den Mix für etwas Familientragik und ein ehemaliger süchtiger junger Mann spielt auch noch eine Rolle, was aber wieder nur vom Kern des Films ablenkt.
Vielleicht würde „Bingo Hell“ besser funktionieren, wenn er nicht so offensichtlich „in your face“ wäre – allein die Wahl von Horror-Spezi Richard Brake als fieser Mr.Big geht als Schuss nach hinten los, weil nicht eine Millisekunde Zweifel darüber besteht, dass der neue Gamemaster ein fieser Entsandter der siebten Höllenkreises ist. Brake müsste ein wenig verführerischen Charme ausstrahlen, aber er veranstaltet von vorn bis hinten eine luziferische Grimassenshow, die so breitgetreten wird, dass ich am Ende selten wusste, was mich mehr anödet, die grellen Übertreibungen oder die endlosen unpointierten Dialogszenen und Schicksalsmomente.
Irgendwann bewaffnet sich Adriana Barraza mit einer Schrotflinte und schreitet zur Showdowntat und auch, wenn das Finale das Beste an diesem Film ist, hinkt es inszenatorisch genauso wie seine Hauptdarstellerin. Dazu kommt noch, dass die „Auflösung“ das Problem, welches der Film behandelt oder zumindest anschneidet, nicht auflösen kann, nicht mal im Ansatz. Die Überlebenden sind die etwa die Gewinner, es sieht für das Rückgrat der Gemeinde eher noch mäßiger aus, als vor der Ankunft des Gehörnten.
Generell bin ich sicher, dass gewisse Teile der Zuschauerschaft aus dem Film noch Gewinn schlagen könnten, aber zu einem funktionierenden Ganzen reicht es nicht, noch dazu zieht sich das Endprodukt eben ganz gewaltig, hat es doch eben nur Stoff für eine normale TV-Episode. Kann man im Kanon der Blumhouse-Film getrost auslassen. (3/10)