Bei einem Film über die Thematik „Drogen“ weiß man im Voraus nie so recht, was auf einen zukommt. Hat man es mit einer Satire, gar einem Klamauk, wie beim witzigen „Fear and Loathing in Las Vegas“ oder mit einer ätzenden Impfung gegen jeglichen Drogenkonsum, wie beim brillianten „Requiem for a Dream“ zu tun.
„Wonderland“ ist in erster Linie ein Unterhaltungsfilm. Müsste ich ihn aber einer der beiden oben angeführten Kategorien zuordnen, würde ich ihn klar der letzteren zuschreiben. Wobei vor allem das Element „Action“, aber auch das des „Film Noir“ zu sehr mitmischt, als dass man „Wonderland“ als einen reinrassigen Antidrogenfilm titulieren könnte. Gewalt wird in diesem Werk hier zwar keineswegs zelebriert, sie dient aber doch dazu, auch Actionjüngern diesen Film schmackhaft zu machen. Wobei natürlich gesagt werden muss, dass die angeblich authentische Geschichte aus dem Beginn der 80er Jahre, imperativ den Faktor Gewalt verlangt. Denn der dreckige Drogensumpf, die seelischen Abgründe und die charakterliche Regression der Mitmischenden drehen sich unweigerlich spiralförmig im Strudel nach Unten, in einem Vortex aus Realitätsverlust und daraus resultierender Eskalation der Situation.
Doch ganz so reißerisch, wie sich das jetzt vielleicht anhört, ist der Verlauf des Films auch wieder nicht. Sicher, die Beschaffungskriminalität wird durch den Überfall der Bande auf den Drogenkönig thematisiert, die Gnadenlosigkeit dieses Milieus wird durch den im Gegenzug begangenen barbarischen Rachmord an den Initiatoren des Konflikts abgedeckt, und die soziale Gleichgültigkeit eines drogenabhängigen Pornostars wird ebenfalls geschildert.
Dabei wirkt jedoch keine der Szenen wirklich bitter. Und das ist mein Hauptkritikpunkt. Das pure Unbehagen versprühende Momente, wie die Nadelszene eines „Requiem for a Dream“ sind hier nicht zu finden. Und allen Freunden der Drogenfilme Depps kann ich verraten, dass auch kein Humor verwendet wird, um das Zielpublikum zu vergrößern. Nein, letzteres ist fix.
Auch werden alle Hoffnungen auf einen näheren Einblick ins Pornomilieu der 80er Jahre zerstoben. Davon bekommt man im Film nicht einmal am Rande etwas mit. Die Figur John Holmes agiert hier beinahe ausschließlich als Drogenabhängiger, nicht als Pornostar.
Die Story wird mir persönlich letztendlich zu nüchtern, zu wenig genuin, erzählt. Das Dilemma der Betroffenen wirkt auf mich nicht vollends überzeugend. Aber das mag (m)ein subjektives Problem sein. Was mir dagegen sehr gut gefallen hat, ist die Mehrperspektivität der Handlung. Während die diversen Ganoven der Polizei die Story aus ihrer respektiven Sicht, oder besser Intention, heraus erzählen, mutiert das Plot. „Gute“ werden „Böse“, und „Gleichgültige“ „Besorgte“. Das war wirklich nett gemacht.
Der Film ist auf jeden Fall einen oder zwei Blicke wert. Mit seinen oben genannten großen Brüdern kann er aber meiner Meinung nach nicht mithalten. Dafür ist James Cox’ Versuch, einen Drogenschocker abzuliefern, nicht überzeugend genug inszeniert.