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Der deutsche Independentfilm genießt nicht gerade den besten Ruf und besonders im Horrorbereich sieht es sprichwörtlich zappenduster aus. Nachwuchs scheint kaum auszumachen und halbwegs bekannte Namen stehen für Trash und schlechten Geschmack. Auch Torben Miehle, der hier unter dem Pseudonym Tom Crowley unterwegs ist, reiht sich in die Liste der Letztgenannten ein.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Elvira, die schwer verletzt von einem Mann auf der Straße aufgelesen und notdürftig versorgt wird. Ihm vertraut sie ihre Leidensgeschichte an, welche mit ihrer vermeintlichen Rettung noch nicht zu Ende erzählt scheint…

Der Streifen wurde bereits 2015 abgedreht und landete rasch auf dem Index, da das Spiel mit Tabubrüchen seit jeher ein Mittel ist, um auf sich aufmerksam zu machen. Worauf man hier indes sogleich aufmerksam wird, ist der amateurhafte Look, der wahllos zwischen verschiedenen Stilmitteln pendelt und bei der die Kamera nur selten den richtigen Fokus findet.

Elviras kurz angerissene Stationen umfassen vieles von dem, was das dreckige Bahnhofskino der 70er ausmachte: Fiese Typen, Gossensprache, schäbige Viertel, Gewalt, - jedoch keine nackte Haut, wodurch dem Publikum angesichts angedeuteter Vergewaltigungen und Nekrophilie immerhin einiges erspart bleibt.

Nur leider besteht der Rest nicht aus dem, was einer klassischen, dramaturgisch ausgereiften Handlung nahe kommt. Rund 70 Prozent der Bilder besteht aus reinem Füllmaterial, aus redundanten Momentaufnahmen wie Elvira im Zug, Elvira auf dem Straßenstrich wartend, Elvira in der Kirche ein Gemälde betrachtend und Elvira bei einem Freier, bei dem es augenscheinlich ziemlich lange mit dem Umziehen braucht, bis der letztlich seine Peitsche schwingen kann.

Zwar versteht sich das Werk auch als Splatterfilm, doch diesbezüglich fallen die Darstellungen vergleichsweise mutlos aus, zumal durch Zugabe von Rotfiltern und unstetiger Kamera ohnehin nicht viel auszumachen ist. Mal ein entfernter Augapfel, dort ein geöffneter Bauch und das mehrfache Zuschlagen mit einer Axt, doch selbst die zweifelhafte Auseinandersetzung mit einem Neugeborenen generiert nicht die Abscheu, die womöglich beabsichtigt war.

Stattdessen ärgert man sich über die katastrophale Soundabmischung, bei der die Musik oft lauter ist als die Dialoge, wogegen diverse Klingeltöne geradezu Krach machen, da sie nachträglich viel zu laut untergemischt wurden. Auch optisch wird die Grenze des Zumutbaren mehrfach durchbrochen, da mit übermäßig vielen Nahaufnahmen, Zeitlupen, Schwarzweißeinstellungen und digital beigefügten Filmmaterialfehlern gearbeitet wird, was natürlich keinem klaren Konzept folgt.

Einzig die Darstellerleistungen fallen nicht ganz so unterdurchschnittlich aus und Teile des instrumentalen Scores gehen okay. Was allerdings wenig bringt, wenn die 79 Minuten Laufzeit einer Selbstkasteiung gleichkommen, weil der Stoff derart weit weg von Aspekten wie Spannung, Gefühl oder einer Pointe ist. Einfach nur geballtes Unvermögen.
1,5 von 10

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