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Wenn einem Horrorfilm gleich zu Beginn der Stempel „Inspired by true events“ aufgedrückt wird, winken Genrefans mittlerweile ab, denn mehr als der Fund einer Spieluhr in einem Schuppen dürfte auch hier nicht auf Tatsachen beruhen. Doch mit der Auflösung treten Fakten an die Oberfläche, die durchaus einen aktuellen Bezug aufweisen.

Kalifornien in den 70ern: Diana und Beto ziehen von LA nach Golden Valley, wo er als Manager die Farmarbeiter leitet, während sie, hochschwanger, an ihrem Manuskript arbeiten will. Als Diana eine Spieluhr und ein Tagebuch von der Vorbesitzerin findet, mehren sich Visionen und Alpträume, zudem bekommt sie einen Ausschlag an den Armen. Sie stellt eine Verbindung mit den Pestiziden in der Landwirtschaft her, während hispanische Arbeiter vor einem Fluch warnen…

Vorab sollte erwähnt werden, dass sich der Gruselanteil im Spielfilmdebüt von Regisseur Ryan Zaragoza auf ein Minimum beschränkt. Eine Spieluhr, unerklärliche Erscheinungen auf dem Gelände des Hauses, eine menschliche Gestalt ohne Mund und Schreie in einem nächtlichen Krankenhaus sorgen kaum für Gänsehaut, weshalb die Erzählung als überwiegend schleppend wahrgenommen werden dürfte.

Mittels brauchbarer Figurenzeichnungen ist es eher das latente Unbehagen Dianas, sich aufgrund von Sprachbarrieren innerhalb der hispanischen Clique fremd zu fühlen, was unweigerlich an Arbeiten von Jordan Peele erinnert. Die Erzählung lässt sich Zeit, die Angst um das Ungeborene langsam zu verstärken, wobei die Hintergründe stets zwischen irdischen Gefahren und paranormalen Begebenheiten schwanken, zumal es für beide Möglichkeiten einige Indizien gibt. Da hätte es Szenen metaphorischen Inhalts wie der Vergleich mit einem Eigelb gar nicht gebraucht.

Die treffende Besetzung um Ariana Guerra und Tenoch Huerta performt derweil solide, der Score ist überaus bemüht und weist einige eingängige Themen auf, während handwerklich kaum etwas auszusetzen ist, zumal einige Szenen von einer treffenden Farbgebung profitieren, sei es während der Arbeit auf dem Feld oder auf den schmalen Gängen des ländlichen Hospitals.

Hinsichtlich der Pointe, welche abschließend mit einigen Texteinblendungen daherkommt, hätte ein Drama mit Elementen eines Thrillers womöglich besser funktioniert, denn spannende Momente halten sich trotz des einigermaßen temporeichen Finales eher in Grenzen.
Der Hintergrund der Geschehnisse hallt dennoch nach und so wird aus einem eher unterdurchschnittlichen Schwangerschaftshorror ein tauglicher Streifen, dessen Botschaft quasi direkt unter der Oberfläche liegt.
5 von 10

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