Review

Blumhouse ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen.

Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…

Der dritte WTTB-Film für 2021, „Madres“ hat ebenfalls ein übergeordnetes Thema – und verbindet dies wesentlich besser mit seinem Plot als es die beiden Vorgänger taten.

Tatsächlich ist der Film mehr Mystery-Thriller als Horror und hat auch nur wenige übernatürliche Elemente, die mehr wie ein nettes Extra wirken, der wahre Horror liegt aber eben in der sehr realistischen Story rund um Arbeit im Bereich von Unkrautvernichtungsmitteln und rassistisch motivierten chirurgischen Eingriffen.

Verortet im Jahr 1977 erzählt „Madres“ die untypische (für die Zeit) Geschichte eines Paares, er Mexikaner, sie Weiße, die gemeinsam in eine südliche Ecke der Vereinigten Statten mit ländlicher Anbindung ziehen, weil es dort eine leitende Arbeit für ihn gibt, während sie noch an ihrer ersten Schwangerschaft laboriert.

Der Film trägt natürlich in Sachen Missverhältnis ein wenig dick auf (Ariana Guerras „Diana“ kann trotz längerer Beziehung und Ehe so gut wie überhaupt kein spanisch und lernt es dann später mittels eines Wörterbuchs), dreht aber die Konventionen geschickt um, wenn ihre Bemühungen Herablassung unter den anderen Frauen provoziert.

Da sie außen so Kontaktschwierigkeiten hat, ist Dianas Blick nach innen gerichtet, wo ihre journalistische Herkunft sie schon bald eine Verschwörung sehen lässt, die schon die Vorbesitzerin des Hauses verfolgt hat.

Dass sie, voll mit Schwangerschaftshormonen natürlich, vollkommen übertreibt, zunehmend ängstlich und hysterisch wird und ihre Ehe schwer belastet wird von den hier mal ausgelebten umgekehrten Vorzeichen, macht den Film nicht gerade einfach, lässt den Zuschauer aber erfolgreich rätseln, weil zwischendurch halt gewisse „Erscheinungen“ den Aufenthalt daheim auch nicht gerade versüßen.

Immerhin bietet der Film aber eine gewisse Auseinandersetzung mit den angeschnittenen brisanten Themen und führt sie im Schatten der Filmhandlung auch zu einem (bzw. keinem) Ende, einfach weil der Film mit einem Fuß näher an der Wirklichkeit steht, als der Gentrifizierungsdämon oder die althergebrachten Vampirclans der Vorfilme.

Abgesehen von den üblichen Konventionen (der Schwangeren/Hysterischen wird nicht geglaubt, was sie natürlich immer hysterischer macht), funktioniert der Film aber sehr geschickt, denn er präsentiert sehr vielseitige Figuren, wenn er auch sein zentrales Mysterium nicht unbedingt angestrengt tarnt – tatsächlich muss man kein Gehirnakrobat sein, um hinter den zahlreichen Szenen in dem Regionalkrankenhaus mit einem Arzt und zwei Schwestern etwas Sinistres zu vermuten.

Mit gerade mal 84 Minuten überzieht Ryan Zaragozas Film auch nicht und kann sich zugute halten, dass sein – angeteasertes – gut zwanzigminütiges Finale mit einer Reihe von Wendungen durchaus Druck auf die Leitung macht und für ordentlich Adrenalin sorgt. Was im Film am Ende ziemlich übel und grotesk wird, erscheint dann zu den Credits nachhaltig gruseliger, wenn das Geschehen auf der Leinwand als tatsächliche und weitgehend ungesühnte Praktiken in den letzten 50 Jahren der Realität dokumentiert werden – in diesen Momenten holt sich „Madres“ die Auszeichnung für den Besten Beitrag der zweiten Filmquartetts ab und den Beweis, dass der wahre Horror dann immer noch der menschliche Faktor ist, ob nun mit einer Handvoll Geistererscheinungen oder ganz ohne. (6/10)







Details
Ähnliche Filme