Review

Eines vorweg - einen "Ringo" gibt es in diesem Film nicht! Und Kopfgeld ist auch kein Thema. Es war seinerzeit wohl Tradition dt. Verlage jedem 2. Italowestern einen Titel mit "Django", "Sartana" oder "Ringo" zu verpassen!? Nein, der Originaltitel oder auch dessen englische Version, der im Trailer auf der DVD oder auf YouTube abzurufen ist, passt perfekt zu diesem bleihaltigen Western: "Massacre at Canyon Grande". Auch wenn's natürlich nicht der echte Grand Canyon ist, aber ein Massaker in einer felsigen Landschaft ist tatsächlich das krönende Spektakel in diesem außergewöhnlichen Italowestern!

Endlich mal wieder ein Vertreter dieses Subgenres, der nicht nach "Schema F" abläuft! Keine Story, in der Rache das einzige Thema zwischen Vor- und Abspann ist! Auch keine übertrieben brutalen und unglaubwürdig ausdauernden Schlägereien. Keine staubigen und trostlosen Mondlandschaften, in denen sich höchstens Echsen wohlfühlen. Stattdessen ein kleines, mit Leben gefülltes Westernstädtchen, das nicht aufgrund eines zu knappen Budgets an eine Geisterstadt erinnert!

"Keinen Cent für Ringos Kopf" beinhaltet eine anspruchsvolle Story in schöner Westernatmosphäre, wie man sie normalerweise von klassischen US-Western kennt; kombiniert mit ausgiebigen Schießereien, die eher typisch für Italowestern sind.

Mit großen Wild West Lettern und einem Trompetensolo, dass unter die Haut geht, wird der Zuschauer auf den ersten Western eingestimmt, an dem Sergio Corbucci als Regisseur und Drehbuchautor mitwirkte. Der eigentliche Regisseur und Produzent Albert Band war ebenfalls am Drehbuch beteiligt.

Nachdem Wes Evans (James Mitchum) die letzten Zwei der Slate-Bande getötet und damit den Mord an seinem Vater gerächt hatte, kehrt er nach Arriba Mesa zurück. Dort war er früher Sheriff - wie auch schon sein Vater. Im ersten Drittel des Films baut die Geschichte schön auf und man erfährt die Zusammenhänge, die sich während Wes' Abwesenheit ergeben haben, den man eigentlich für tot gehalten hat. Insbesondere der lange Streit des Whitmore- und Dancer-Clans um ein bestimmtes Tal. Der alte Eric Dancer (Eduardo Ciannelli) will nicht akzeptieren, dass das Gebiet per Gericht Harley Whitmore (Vladimir Medar) zugesprochen wurde - er fühlt sich um sein Land betrogen. In letzter Zeit fanden ständig Schießereien wegen dieses Streits statt. Whitmore hat mittlerweile fast an die 100 Männer für einen erneuten Schlag gebündelt. Die Dancers hingegen haben mit der Mason-Bande zusätzliche Revolverhelden angeheuert. Greifen diese in das Geschehen mit ein, stünde es schlecht für Whitmore und auch für Arriba Mesa. Kann Wes helfen, einige Bürger der Stadt zur Unterstützung Whitmores zu rekrutieren? Oder kommt Clay Dancer (Andrea Giordana), dem vernünftigen Sohn Erics eine besondere Rolle zu? Welchen Plan heckt sein Bruder Tully Dancer (George Ardisson) aus und wie verhält sich seine Frau Nancy (Milla Sannoner), die mal mit Wes verlobt war? Lässt sich eine infernale Schießerei mit vielen Toten noch vermeiden? (...wollen die Zuschauer das überhaupt???)

James Mitchum, der unter seinem Hut auch leicht mit Mesut Özil zu verwechseln ist, hat zwar einen ähnlich emotionslosen Gesichtsausdruck und den gleichen Schlafzimmerblick wie sein Vater Robert, lieferte in diesem Film aber keinen schlechten Job ab. Vladimir Medar hingegen hat mir in seiner draufgängerischen Rolle allerdings am meisten imponiert.

Vielleicht ging es hier nur darum eine Geschichte um die geilsten Felsenballereien zu zimmern, die ich jemals gesehen habe? Auf jeden Fall waren die intensiven und raffiniert ausgedachten Schießereien wohl einzigartig und so fühlte ich mich danach einigermaßen gesättigt! ;)

Schon beim Vorspann hatte ich den Eindruck, dass man sich bei diesem Film Mühe gegeben hatte und tatsächlich finde ich keinen Grund mich über die gezeigten Szenen zu beschweren! Vielleicht wäre aber noch eine zusätzliche Fernaufnahme interessant gewesen, auf der man die Verteilung der einzelnen Schützengruppen auf dem Felsmassiv noch besser sehen würde. Auch hätte man evtl. im 2. Drittel manche Dialoge noch etwas straffen können? Aber alles in allem wurde ich sehr gut unterhalten - 9 Punkte!

Man sollte hier unbedingt auch auf die gute Kameraarbeit achten! Der Film beinhaltet Schießereien vom Feinsten, die alle(!) dramatisch inszeniert und detailliert fotografiert sind. So sieht man Schützen, die auf andere zielen, welche dann oft tödlich getroffen zusammensacken. Man sieht und hört das Nachladen, sieht die Bewegung von Abzug und Hahn. Kein oberflächliches Geballer, sondern liebevolle Filmkunst! Es gibt auch ein paar nette Spielereien, bspw. Schnitte, die durch Kameraschwenks einen weichen Übergang bekommen. Oder das Drehen der Kamera, um den Blickwinkel eines stürzenden Reiters nachzuempfinden. Neben den exzellent gefilmten Schießereien im "Grand Canyon" fand ich aber auch die Grundidee faszinierend, viele Schützen auf schroffen Felsen zu verteilen. Speziell diese bieten den Schützen gute Deckungsmöglichkeiten und so mancher Schatten eines Vorpsrungs oder ein kleines Loch im Massiv ist nicht von einem Kopf zu unterscheiden. Idee und Umsetzung einfach brillant!

Besondere Überraschung: Die dt. Synchro verwendet eigene Schussgeräusche, die basslastiger sind und dadurch mehr knallen. Auch sind zahlreiche Querschläger gut heraus zu hören! Der Film, auf den ich durch Zufall durch einen Trailer auf YouTube aufmerksam wurde, verwendet im Original jedoch diese "federnden" Ballersounds, die sich irgendwie automatengeneriert anhören und öfters in Italowestern benutzt werden.

Die VÖ der DVD von Koch Media bietet zwar keine Untertitel, dafür aber ein sauberes Bild im Breitbandformat und einen guten, klaren Ton. Der angesprochene Trailer ist hier enthalten, ebenso wie eine optionale englische Tonspur.

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