Nach den Ereignissen der 1. Staffel in einem Wohnwagen im Wald abgetaucht, planen Mehdi (Sami Bouajila) und die afrobelgische Nachwuchsgangsterin Liana (Tracy Gotoas) unter Mithilfe von Tony (Samuel Jouy) einen finalen Coup, der ihnen genügend Beute einbringen soll, sich danach nach Kanada bzw. Italien abzusetzen. Ziel des Raubüberfalls ist eine Antwerpener Diamantenbörse in einem vornehmen Hotel, wo auch Mehdis Widersacher Chris de Witt zugegen ist. Was das Trio jedoch nicht weiß, ist, daß just zu diesem Zeitpunkt an jenem Ort ein erstes Gespräch zwischen de Witt und Javier, Sohn eines mächtigen südamerikanischen Drogenboss, stattfindet. Im Auftrag des Los Soles-Kartells, das in Europa Fuß fassen will, macht Javier dem Belgier, einer großen Nummer beim Drogenschmuggel im Antwerpener Hafen, unmißverständlich klar, daß die Südamerikaner an einer Zusammenarbeit mit ihm nicht interessiert sind und stattdessen mit der konkurrierenden Familie Djebli verhandeln.
In diese spannungsgeladene Unterhaltung platzen die Räuber, räumen die zahlreichen Diamanten von den Tischen und schießen dabei eher aus Versehen den Südamerikaner Javier an; Chris de Witt dagegen wird von Mehdi wegen des Mordes an dessen Familie (siehe Staffel 1) hingerichtet. Nach geglückter Flucht plant das Trio dann die weitere Vorgehensweise - ganz so schnell können sie sich aber noch nicht ins Ausland absetzen: Mehdi muss noch einmal zu seiner Geliebten, einer Anwältin und Liana fällt die plötzliche Trennung von ihrer lesbischen Freundin Kaley, einer Apothekerin, auch viel schwerer, als sie sich eingestehen möchte.
Zeitgleich landet ein Privatjet in Antwerpen, dem ein gefährlicher Mitspieler entsteigt: der als venezolanischer Staatsanwalt getarnte Almeida (Joaquim de Almeida, Namensgleichheit beabsichtigt) ist in Wirklichkeit die rechte Hand des Kartellboss und verfolgt überdies eigene Interessen: statt des verletzt im Spital liegenden Thronfolgers Javier möchte er selbst das Kartell führen. Als erstes ermordet Almeida den Kontaktmann des Syndikats in Europa, dann schickt er seine extra dafür rekrutierte schlagkräftige Truppe bei den Djeblis vorbei, von denen nur Saber (Salim Kechiouche) und ein Säugling das Massaker überleben, und schließlich sind auch die drei Räuber an der Reihe, deren Identität der bestens vernetzte Almeida inzwischen herausgefunden hat...
Auch die zweite Staffel der französischen Action-Reihe Braqueurs, gerade brandneu bei Netflix veröffentlicht, die inhaltlich nahtlos an die erste Staffel anschließt und einen Großteil des Casts erneut auflaufen läßt, bietet wieder ein fulminantes Feuerwerk an Überfällen, Verfolgungsjagden, finsteren Intrigen und vor allem jeder Menge Shoot-outs rund um den nach wie vor niemals eine Miene verziehenden, stets cool und fokussiert handelnden Sami Bouajila.
Doch so gerne man den mittlerweile 55-Jährigen grauhaarigen Franzosen mit tunesischen Wurzeln auch als allen Herausforderungen gewachsenen, bescheiden-ruhigen Antihelden agieren sieht, so sehr muß man bei dieser 2. Staffel diesmal inhaltliche Abstriche machen: auch wenn die eingangs beschriebene Rahmenhandlung mit den unbeabsichtigt tangierten Kartellinteressen Mehdis kleine Truppe durchaus nachvollziehbar wieder ins Geschehen einführt, so sind die nachfolgenden Begebenheiten oftmals nicht logisch begründbar und laufen zum einen viel zu schnell und zum anderen auch noch viel zu glatt und ohne Komplikationen ab.
Spätestens ab der 3. von 6 Episoden zu je etwa 45 Minuten hat man den Eindruck, daß die betont cool und bisweilen stylish in grün-, blau- und grauen Farbfiltern abgedrehten, oftmals durch Drohnenaufnahmen unterstützten und natürlich aufs i-Tüpfelchen punktgenau choreographierten Actionsequenzen nur dem Selbstzweck dienen: spektakulär anzusehen, aber ohne logischen Vor(ver)lauf, ohne sich zwingend (oder auch überraschend) aus einer Handlung zu ergeben, stattdessen auf (schnöde) Ansage von - abwechselnd - Almeida bzw. Mehdi geradezu perfekt ablaufend. "Wir gehen da jetzt rein, ..." - gesagt und getan. Daß darunter die Spannung leidet, liegt auf der Hand.
Denn daß am Ende wieder Mehdi triumphieren wird, ist keine große Überraschung - der will sich auch weiterhin ins Ausland absetzen, sieht sich aber, wie schon in Staffel 1, vorerst an der Ausführung seiner Pläne gehindert, was ihn nicht davon abhält, nicht einmal für sich selbst, sondern für andere das Unmögliche möglich zu machen - hier ist es beispielsweise das Herausholen einer vom Zoll zur Vernichtung vorgesehenen Tonne beschlagnahmten Koks. Was in ähnlich gelagerten Filmen einer längeren Vorbereitung durch ein spezialisiertes Team bedarf, in dem jeder seinen fixen Platz mit bestimmter Aufgabenstellung einnimmt, wird hier in wenigen Minuten abgehandelt - schon rollen Mehdi , Tony und die Nachwuchsgangsterin in entsprechendem Outfit mit gekapertem Müllwagen in die normalerweise streng gesicherte Anlage und schießen sich relativ mühelos den Weg frei zur Brennkammer.
Während Joaquim de Almeida in Anzug und Krawatte als erstaunlich fähiger Bösewicht (mit ihm ergebener Auftragskillerin an seiner Seite) auftritt, mag man über den Filmcharakter des Saber eher geteilter Meinung sein, denn der einzige Überlebende des Djebli-Clans ist nur kurzzeitig auf Rache aus und möchte fortan "nur in Ruhe gelassen werden", weswegen der in der Folge fast schon sanftmütig auftretende ehemalige Drogendealer ein Zweckbündnis mit Mehdi eingeht, diesen mit seinen wankelmütigen Entscheidungen allerdings öfters ausbremst.
Vollkommen realitätsfern und damit unglaubwürdig ist dagegen die Figur der Kommissarin Laurence, die ohne Assistenten und vor allem ohne Rücksprache mit irgendjemandem alleine über größere Polizeiaktionen entscheidet, sich recht schnell von Almeida einwickeln läßt und diesem dann sämtliche Ermittlungsergebnisse sofort persönlich berichtet (wtf?), was jener natürlich stante pede zu seinem Vorteil ausnutzt. Vor dem erwartbaren Showdown gibt es dann noch einen Selbstmord im Off zu verbuchen, dessen Proponent in einer möglichen 3. Staffel eventuell wieder auftauchen könnte, so schnell wie er verschwunden ist...
Was eine solchermaßen nicht auszuschließende 3. Staffel darüberhinaus inhaltlich bringen könnte (denn Mehdi und Lianas beschlossene Flucht ins Ausland steht ja noch bevor), sollten sich Regisseur Julien Leclercq und Drehbuchautor Hamid Hlioua dann aber ein wenig genauer überlegen - ich wäre, wie bei allen derzeitigen Action & Gangsterserien von Netflix, als Rezensent gerne wieder mit dabei...
Trotz spannungstechnischer Abstriche solide 7 Punkte für Braqueurs Staffel 2.