Review
von Leimbacher-Mario
Sauteure Stangenware
Der teuerste bisherige Netflixfilm aller Zeiten. Die drei vielleicht größten Stars momentan. Ein klassischer Heist-Actioner mit chaotischen Wendungen aus dem Nichts und künstlichen Explosionen, im Niemandsland zwischen „Indiana Jones“, „Jumanji“ und „Killer's Bodyguard“. Was kann da schiefgehen? Eine Menge, wie „Red Notice“ aufgeblasen beweist. Erzählt wird von einem schwer gesuchten Meisterdieb, der mit einem massiven Profiler zusammenarbeiten muss, um die verlorenen Goldeier der Cleopatra rund um den Globus zu suchen…
Einerlei und Eierei
„Red Notice“ habe ich schon vergessen. Dabei habe ich ihn erst vor wenigen Tagen am Wochenende gesehen. Doch mehr als die drei Gesichter der Stars wird nicht im Kopf bleiben. Da reicht es böse gesagt auch zwanzig Sekunden auf das (ebenfalls vollkommen banale) Poster zu gucken. Klingt fies, ist aber so. Dabei zeigt auch meine noch gnädige Wertung, dass diese Netflix-Superproduktion mir nicht gänzlich gegen den Strich geht. Reynolds ist gut aufgelegt, selbst wenn seine immer gleiche schnippische Art langsam doch auf den Senkel geht. Hier und da rockt die Action (doppeldeutig gemeint). Gal Gadot bleibt mäßig begabtes Eyecandy. Richtig langweilig wird’s nie. Und doch wird man das Gefühl nicht los, dass alle Beteiligten samt Netflixchef das Teil abgesegnet und durchgezogen haben, wie es ihre Zuschauer meist konsumieren: als Second Screen, desinteressiert mit dem Handy in der Hand. Und das reicht dann einfach nicht. Und darf meiner Meinung nach auch auf keinen Fall zum Standard werden. Selbst für gesenkte Netflixverhältnisse.
Fazit: die Stars haben Charisma und Chemie, der Film hat ein paar Schauwerte und reichlich Tempo. Doch ein eigener Charakter und eigene Ideen fehlen gänzlich. Es wirkt wie ein filmischer Cocktail, der von einer künstlichen Intelligenz gemixt wurde, ideal abgestimmt auf den Mainstream und den Netflixnebenbeigucker. Fancy. Aber seelenlos. Voller Popkulturzitate - aber nie und nimmer selbst Teil davon!