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Dass sich Regisseurinnen für Actionfilme begeistern, scheint leider immer noch eine Seltenheit. Umso überraschender, dass Kellie Madison mit ihrem Langfilmdebüt auf Untergrundkämpfe in Mixed Martial Arts setzt. Leider nicht immer so konsequent wie beim kraftvollen Finale.

Die gebürtigen Tschetschenen Anya (Olivia Popica) und ihr Bruder Aslan (Tommy Bastow) schlagen sich in London durch. Letzterer mit MMA-Kämpfen, bei denen er Gauner und Wettkampfbetreiber Julian (James Faulkner) mächtig ärgert und hohe Schulden anhäuft. Um diese abzuarbeiten soll Anya Untergrundkämpfe bestreiten, wofür sie nach Rom reisen muss. In einem verwaisten Krankenhaus als Unterschlupf angekommen, muss sie feststellen, Opfer eines Mädchenhändlerringes geworden zu sein. Den gefangenen Frauen bleibt nur eins: Zwangsprostitution oder den nächsten Kampf gewinnen…

Vom Titel her ist dies bereits der vierte Teil einer Reihe, welcher inhaltlich jedoch nicht an den Vorgänger anknüpft, sondern eine durchaus vertraut erscheinende Geschichte erzählt, die irgendwo zwischen „The Fighters“, „Raze“ und „Hellcat“ angesiedelt ist. Dazu kommen Elemente eines typischen Frauenknastfilms, nur ohne Folter und nackte Haut.

Leider wird die Story ein wenig holprig vorgetragen, denn die Dramenanteile hinter Gittern interessieren nur bedingt, während Aslans Nachforschungen in London wenig Dynamik zutage fördern. Auch kommen die Kämpfe zwischenzeitlich ein wenig zu kurz, nachdem ein ordentlicher Einstieg durchaus Lust auf mehr verbreitet. Die Choreo von Tim Man („Ong Bak 2“) fällt solide aus, obgleich die Zweikämpfe nicht gerade Ausgeburten von Special Moves sind und man einigen Darstellerinnen die mangelnde Kampfsporterfahrung ansieht. Eine gewisse Härte ist jedoch auszumachen und gegen Ende erfährt der Titel noch eine visuelle Umsetzung.

Darstellerisch ist indes wenig anzukreiden. Während UFC-Champion Michael Bisping einen herrlichen fiesen Bewacher und Bösewicht abgibt, jedoch physisch kaum gefordert wird, geht eine minimale Starpower von James Faulkner aus, dem allerdings zu wenige Szenen bleiben, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Demgegenüber geht von Hauptdarstellerin Popica eine ordentliche Präsenz aus und auch einigen Mitstreiterinnen nimmt man die emotionalen Momente problemlos ab.

Die wenigen Kulissen sind recht gut gewählt, zumal von den Räumlichkeiten des verwaisten Hospitals eine düstere Stimmung ausgeht, welche die Tristesse der Gefangenen im späteren Kontrast mit den elitären Zuschauern im aufgemöbelten Hauptsaal mit Podestarena angemessen untermauert. Ähnlich verhält es sich mit dem ordentlich arrangierten Score.

Reine Kampfsportfans könnten eventuell ein wenig enttäuscht werden, denn einige Fights mehr hätten gewiss mehr Dynamik ins Spiel gebracht, wobei das Finale mit einigen blutigen Einlagen wiederum versöhnlich stimmen mag. Zumindest kein misslungenes Langfilmdebüt, bei dem das Faible für körperlich harte Auseinandersetzungen definitiv spürbar wird.
6 von 10

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