Was macht den Mensch zum Menschen?
In diesem außerhalb seines Heimatlandes leider bis heute kaum bekannten und anerkannten (TV-)Drama mit leichten Comedy- sowie Genreeinschlägen, versucht ein Pionier seiner Zunft und einer der besten Ärzte des Landes aus einem Straßenhund einen aufrichtigen und intellektuellen Menschen zu machen - in dem er ihm das Gehirn eines frisch Verstorbenen einsetzt. Doch der war anscheinend nicht wirklich Fan des Sozialismus'…
Zwischen Tarkovsky und De Sica
In seinem Heimatland soll „Heart of a Dog“ übertrieben geragt öfters im Fernsehen gelaufen sein als die Tagesschau, es würde ihn jedes Kind kennen kennen (und lieben). Und man merkt schnell, dass das durchaus als riesiges Kompliment für die Zugänglichkeit und Themen dieses TV-Epos' gelten kann. Ein sehr gesellschaftspolitischer Genremix von sozialem Realismus bis zu Fantasy- und Horrormotiven. Man spürt die Kälte, man spürt das nahende Ende der Sowjetunion, man spürt die Wut im Bauch der Bevölkerung. Hier ist die Kritik an Obrigkeiten und dem aus den Fugen geratenen, heuchlerischen Kommunismus nahezu komplett offen und gar nicht mehr verhüllt. Vieles in „Heart of a Dog“ wäre zehn Jahre zuvor sicher noch undenkbar gewesen und hätte zu drakonischen Strafen geführt. Man spürt durch den kompletten Film eine tiefe Menschlichkeit und Wärme - trotz der prekären, angespannten und eiskalten Lage. Und er wird durch seinen Abwechslungsreichtum nie langweilig, was man bei der Lauflänge erstmal schaffen muss. Selbst wenn einige Nebenhandlungen zu wenig führen oder ganz fallengelassen werden - der Gesamteindruck bleibt historisch positiv.
Fazit: viel zu unbekanntes TV-Epos aus der zerklüfteten Endphase der Sowietunion - „Heart of the Dog“ ist ein politisch-menschliches Potpourri aus Ideen, Strömungen und Herzen in der Brust. Und keines der Elemente kommt zu kurz. Zurecht in seinem Heimatland Kult, Pflichtlektüre, Meilenstein und jedem Kind ein Begriff. Extrem stark!