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Blumhouse ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen.

Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…

Der letzte Film der „Welcome…“-Reihe war dann „The Manor“ und wie die übrigen sieben widmet sich auch dieser Film einem kontroversen Thema, welches Bezüge zur (traurigen) Realität besitzt. In diesem Fall ist es die schrittweise Entmündigung einer älteren Frau – wunderbar zupackend dargestellt von Barbara Hershey – deren Gesundheit beginnt zu versagen, weswegen sie durchaus bereitwillig ihre bisherige Existenz zugunsten einer Senioreneinrichtung aufgibt.

Die Diagnose einer möglichen bald einsetzenden Demenz unterstützt ihre bewusste Entscheidung, aber der Aufenthalt wird bald zu einem gewissen Grad eine Belastung, als sie erst ihr Handy abgeben muss und später feststellt, dass sie nicht mehr nach Gutdünken das Haus verlassen darf.

Das übernatürliche Element schleicht sich erst nach und nach ein: eine angsterfüllte Zimmernachbarin, die Aufzeichnungen macht; ein Schwarzer Kater, der den baldigen Tod ankündigt und nicht lange danach merkwürdige Dinge, die jemand unter ihrer Matratze befestigt hat. Regelmäßige Todesfälle versetzen sie in Panik, doch ihren Beteuerungen wird häufig aufgrund ihres Zustandes keine rechte Aufmerksamkeit geschenkt, ihre Tochter ist sie lieber aus ihrem engsten Umkreis los und ihr liebender Enkel macht es Angst, dass er sie an die Demenz verliert. Notgedrungen macht sie sich daran, das Rätsel selbst zu lösen, ehe sie eines der nächsten Opfer wird.

Der Horror – abgesehen von einer hölzernen Monstererscheinung, die wohl einen Waldgott darstellt – spielt sich hier eher in der realen Ebene ab, trotz bester Betreuung und relativen Komforts, ist der Verfall allgegenwärtig und der Unterton mehr als traurig. Um so spitzer ist der Stock, den die Macher auf der Schlussgeraden den Publikumserwartungen in die Seite stechen, denn abseits der herben, aber halbwegs erwartbaren Aufklärung ist die Pointe der Geschichte in den letzten Minuten ein enorm zweischneidiges Schwert: so verständlich wie unerwartet derb, den Zuschauer grübelnd zurück lassend, was man dann selbst in so einer Situation getan hätte und was diese für die Zukunft bedeutet.

Obwohl der Ton entspannt ist, macht der Film ordentlich Druck auf die Tube, auch wenn man breit angelegte Szenen von Opfern, denen natürlich nicht geglaubt wird, schon häufiger gesehen hat – auch Hersheys Figur kann sich immer zusammenreißen, um dann doch heimlich zu recherchieren, was hinter den Mauern vorgeht. Mit einer hervorragend gewählten Location, ungewöhnlichen Blickwinkeln und in praktisch stäandigem sanften Spätnachmittagslicht getaucht, gruselt es einen mit Blick auf das eigene nahende Alter da noch mehr. (7/10)






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