Auf die Hörner genommen
Ein Mann kommt nach Jahren überraschend und wortkarg in seinen britisches Heimatkaff - und richtet dort einen alten Bekannten und Kriminellen eiskalt nach dem anderen hin. Und wir haben es mit einem der härtesten und fiesesten Rachethrillern der jüngeren Vergangenheit zu tun, in dem es vor allem darum geht, warum unser psychopathischer Killerprotagonist einen dermaßen Hass und Gewaltdrang auf seine „Opfer“ verspürt und ausführt…
Hier fliegt jeder runter!
Erinnerungen an „Dead Man's Shoes“, „Tyrannosaur“ oder „Kill List“ kommen mit diesem abgefuckten Brit-Gewaltthriller in den Sinn. Aber vielleicht ist „Bull“ sogar noch unangenehmer. Er erinnert von der ultrablutigen und doch irgendwie melancholischen Stimmung in seinen besten Momenten auch an NWR's „Drive“. Nur halt ohne Synthwave und Retrokult. „Bull“ hat zweifellos spitze Hörner. Etwas simpel und sadistisch. Aber so mögen wir's ja oft genug. Intensiv verkörpert, mit englisch-trockenstem Humor versüßt, mit mehr Kills und Splatter als manch ein infizierter Slasher. Das ist garstigstes Gangsterkino von der Insel. Erbarmungslos, herzlos, mit nichts zu verlieren. Und vielleicht auch wenig zu sagen. Eine Kirmes der Unmenschlichkeiten. Sieht manchmal aus wie ein ARD-Krimi - beißt aber zu wie reinster CATIII-Wahnsinn. Unmöglich sich sowas momentan aus Deutschland vorzustellen. Leider. Und über den finalen Twist… sagen wir so: ich kann mit ihm exzellent leben!
Fazit: knallharter britischer Revenger - unterkühlt, dreckig, auf seine Art stylisch. Früher hätten das Eastwood, Bronson oder Brynner durchgezogen. Früher gäb's den nur unter der Ladentheke. Ein Geheimtipp. Zumindest wenn man auf Gangsterschlachtplatten steht.