Review

Es gibt einige offensichtliche Vorbilder, welche die Autoren Adam Booth und Dan Slater (auch Regie) bemühten. Zudem spielt sich das klaustrophobisch anmutende Drama in einer nur schwer einzuordnenden Zeit ab, in der keine Rahmenbedingungen offenbart werden. Es geht um die Dynamik innerhalb einer wenig beneidenswerten Familie.

Eine abgelegene Farm, womöglich rund 100 Jahre zuvor: Caleb (Benjamin Charles Watson) ist ein Opfer des religiösen Fanatismus seiner Eltern (Nigel Bennett und Toni Ellwand) und schuftet mit seinen Schwestern Abigail (Jenna Warren) und Evelyn (Yasmin MacKay) tagsüber auf dem Feld. Als mit Mary (Keana Lyn) eines Tages ein neues Familienmitglied auftaucht, welches Caleb ursprünglich ehelichen sollte, beginnt er das Konstrukt zu hinterfragen…

Einmal mehr ein Drama über religiöse Spinner und dem damit verbundenen Machtmissbrauch, einschließlich Gehirnwäsche. Ist so etwas packend inszeniert, wünscht man den Tyrannen bereits nach wenigen Minuten ein möglichst grausames Ableben, was den Mustern eines Rape & Revenge Streifens nicht unähnlich ist. Auch hier wird binnen weniger Szenen deutlich, dass die Kinder ein elendes Dasein fristen, komplett von der Außenwelt isoliert leben und damit genauso wenig wissen wie das Publikum. Allerdings gibt eine Tatsache früh Rätsel auf, da Caleb offenbar afroamerikanische Wurzeln besitzt, während die so genannten Eltern beide weiß sind.

Regisseur Slater setzt von Beginn an auf eine unbehagliche Atmosphäre, verpackt die Tristesse in kontrastarme Grautöne, blendet zuweilen bewusst einige Dialoge aus, um die gekonnt abgestimmte Musik sprechen zu lassen und begibt sich auch mal in nur spärlich ausgeleuchtete Gefilde. Damit erstickt er im Keim jede Spur von Freude oder gar Hoffnung, während das Geschwafel um den Gott Etan und dem strafenden Dämon Abaddon zuweilen etwas überstrapaziert wird. Zumal sich über weite Strecken nicht allzu viel ereignet und die Einteilung in sieben Kapitel im Nachhinein als relativ nichtig erweist.

Das Drama, welches Anleihen eines Thrillers und etwas Mystery einbindet, lebt in erster Linie von den treffend besetzten Mimen und den auffallend nuancierten Performances.
Da bildet niemand eine Ausnahme und es gelingt Slater, jedes Individuum trotz leicht oberflächlicher Figurenzeichnungen mit einer starken Persönlichkeit auszustatten. Bei den Despoten ist einstweilen gar nicht so genau auszumachen, wer ursprünglich die treibende Kraft war und am Ende eventuell das eigentliche Sagen hat.

Unterdrückung, Ehrfurcht und Gehorsam, moralische Heuchelei und Folgen blinden Glaubens sind die Kernthemen des nicht uninteressanten Streifens, dem etwas mehr Dramatik noch vor dem Finale nicht geschadet hätte. Das ordentliche Handwerk und die durchweg tauglichen Mimen kaschieren nicht die inhaltlichen Defizite, wodurch die Auflösung keinen allzu dollen Twist zutage fördert.
Knapp
6 von 10

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