Charlton Heston als Ikone der "Dark Future" zu bezeichnen, ist nicht unbedingt aus der Luft gegriffen, wirkte der Mime in den 60er und 70er Jahren doch in einigen dieser Filme mit. Der Bezeichnung nach boten diese Streifen finstere Zukunftsvisionen, welche weniger Wert auf futuristischen Schnickschnack legten, sondern vielmehr darauf bedacht waren, eine bedrückende Atmosphäre zu entfalten und die Menschheit am Rande des Abgrunds zu zeigen. Trotz seinem Ruf als unterhaltsames Popcornkino, war "Planet der Affen" (mit Heston in der Hauptrolle) einer der ersten Vertreter dieser, im Zuge des New Hollywood entstandenen Gattung. 1971 gab Heston dann den "Omega-Mann", in der Verfilmung des Richard Matheson-Romans "I Am Legend". Und nur zwei Jahre später sollte der Schauspieler wieder in das "Dark Future"-Universum eintauchen. Diesmal auf der Suche nach "Soylent Green".
Hierbei handelt es sich um ein ausgesprochen beliebtes Nahrungsmittel, das laut seinen Herstellern, aus Meeresplankton besteht und im Jahre 2022 sehr gefragt ist. Die menschliche Zivilisation hat mittlerweile die Erde endgültig für sich eingenommen. Demzufolge kam es zu einem Ungleichgewicht im Ökosystem, was das Aussterben nahezu sämtlicher Tierarten und Pflanzen zur Folge hatte. Die Überbevölkerung hat inzwischen den Großteil der Menschen in die Armut getrieben. Ein Mittelstand scheint schon gar nicht mehr zu existieren. Und selbstverständlich ist auch die Kriminalitätsrate erschreckend angestiegen. Als in New York der reiche Geschäftsmann Simonson (Joseph Cotten in einer kleinen Rolle) brutal ermordet wird, bringt dies den Polizisten Thorn (Heston) auf die Spur eines schrecklichen Geheimnisses. Bald schon schwebt er in Lebensgefahr, kommt er doch der grausigen Wahrheit um "Soylent Green" immer näher...
Richard Fleischer hat mit diesem Film einen beeindruckenden Klassiker geschaffen, der auch mehr als 30 Jahre nach seiner Entstehung kaum Staub angesetzt hat. Fleischer, Regisseur des netten Psychothrillers "Stiefel, die den Tod bedeuten" (mit Mia Farrow als blinder Frau, die von einem Killer gejagt wird) oder des sehr kontrovers aufgenommenen, bei uns indizierten Sklavendramas "Mandingo", erschafft, trotz einiger Längen, eine bedrückende, deprimierende Stimmung, der man sich kaum entziehen kann. Getragen von einer hervorragenden Besetzung (neben Heston seien auch noch der sehr sympathische Edward G. Robinson, für den dies der 101. Film war, als väterlicher Freund des Helden sowie die aparte Leigh Taylor-Young als "Hauseigentum" erwähnt) und einem intelligenten Skript, welches glaubwürdigen Missständen den Vorzug vor aufgesetzter Action gibt, steuert der Film unaufhaltsam auf sein düsteres Finale zu. Die Auflösung um "Soylent Green" ist wahrhaft niederschmetternd und dürfte nicht nur Heston, sondern auch dem Zuschauer zu denken geben.
Einer der besten Regisseure Hollywoods war Richard Fleischer zwar nicht, sondern mehr ein routinierter Handwerker, aber mit "Jahr 2022...die überleben wollen" (so der platte deutsche Titel des Films) ist ihm nicht nur ein Paradebeispiel der "Dark Future" gelungen, sondern darüber hinaus auch noch eine seiner besten Arbeiten. So finden sich dann auch etliche unvergessliche Momente, sei es, dass Heston beim Verlassen seiner Wohnung über die dicht an dicht liegenden, schlafenden Menschen steigen muss, der brutal niedergeschlagene Aufstand der Bevölkerung mittels zum Einsatz kommender Schaufelbagger oder die letzte Szene von Edward G. Robinson, in der Poesie und Tragik eine besonders intensive Symbiose miteinander eingehen.
Fazit: "Soylent Green" ist eine sehenswerte Mixtur aus SF-Drama und Film Noir-Anleihen (was die Düsternis des Falles angeht und Heston als Mann mit Ecken und Kanten, der auch nicht vor Gewalt zurückschreckt, wenn er sie für notwenig hält). Gesellschaftskritisch, melancholisch und mit Langzeitwirkung- kein Wunder, dass der Streifen immer noch als Steilvorlage für Filme wie "Children Of Men" gilt.
Noch 8/10 Punkten