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"Soylent Green" basiert auf der Novelle "New York 1999" von Harry Harrison und beschäftigt sich intensiv mit den Gesellschaftsproblemen in einer überbevölkerten Welt. Richard Fleischers (Das Gesetz bin ich, Conan - Der Zerstörer) Werk gilt in Filmkreisen schon als Kult, auch weil er es wagt sich mit dem Kannibalismus zu beschäftigen. Dennoch ist dieses Werk ein wenig überschätzt, vielleicht auch weil der Zahn der Zeit schon drastisch daran genagt hat.

New York im Jahr 2022: Das Ökosystem ist komplett zusammengebrochen, die Menscheit ernährt sich von künstlicher Nahrung der Firma "Soylent". Deren Vorsitzender im Aufsichtsrat, William R. Simonson (Joseph Cotten) wird ermordet aufgefunden, Detective Thorn (Charlton Heston) vom 14. Distrikt übernimmt die Ermittlungen. Dabei kommt er nicht nur Simonsons Inventar Shirl (Leigh Taylor-Young) immer näher, sondern auch dem furchtbaren Geheimnis der Firma "Soylent". Plötzlich wird der Fall Simonson zu den Akten gelegt und Thorn steht auf der Abschussliste des Profikillers Tab Fiedling (Chuck Connors). Trotzdem wagt Thorn einen Blick in die Fabrik von "Soylent" und erlebt dort eine böse Überraschung.

Fleischer serviert uns eine drastische Zukunftsversion, die schon zum Nachdenken anregt. Nur noch künstliche Nahrung ist für den Normalverbraucher erschwinglich, die Reichen können sich dagegen die Luxusgüter wie Seife, warmes Wasser, oder auch mal ein Stück Fleisch gönnen. Ein Glas Erdbeermarmelade kostet satte 150 Dollar, die Menschen müssen täglich Schlange stehen um Wasser zu bekommen, oder die künstliche Nahrung der Firma "Soylent". Extrem düster gestaltet Fleischer diese traurige Welt, so herrscht abends Ausgangssperre, die vielen Obdachlosen ziehen sich in die Mietshäuser zurück, so muss Thorn jedesmal über Menschen klettern, wenn er in sein Zimmer will. Frauen bezeichnet man oft nur noch als Inventar, sie werden samt Wohung an die Reichen mitvermietet. So werden auch Polizisten zu Diebe, Thorn lässt bei seinen Ermittlungen in Simonsons Wohnung auch einiges mitgehen und verknallt sich nebenbei in Shirl. Leider ist unser Hauptcharakter nicht unbedingt sympathisch und seine Informationsbeschaffung schreitet nur sehr langsam voran. Der Zuschauer weiss sofort, wer Simonson gekillt hat, nur das "Warum" ist uns unbekannt und sorgt zumindest im Finale für eine deftige Überraschung. Doch bis dorthin ist es ein weiter Weg und trotz des durchaus interessanten Drum herums hat "Soylent Green" ab und an seine Durchhänger.

So hätte man die Zärtlichkeiten zwischen Thorn und Shirl kürzen können und überhaupt ist der Film in einigen Szenen sehr dialoglastig. Doch es gibt auch Sequenzen, die ihre Wirkung nicht verfehlen, zum Beispiel die aktive Sterbehilfe, der sich auch Thorns langjähriger Freund und Helfer Sol Roth (Edward G. Robinson) unterzieht. Diese traurige Sequenz bleibt im Gedächtnis und sorgt für reichlich Gesprächsstoff, das Ganze ist nämlich absolut nicht abwegig. Im letzten Drittel findet Fleischer endlich das richtige Erzähltempo, so werden wir Zeuge, wie ein Menschenaufstand in der Zukunft zerschlagen wird und Thorn gerät ins Visier der Firma "Soylent", weil er deren Geheimnis lüftet. So darf es noch kleinere Keilereien und einen Schusswechsel geben, leider endet der Film zu abrupt, hinterlässt aber trotzdem einen bitteren Beigeschmack. Charlton Heston (Giganten am Himmel, Der Omega Mann) kurbelt seine Rolle lässig runter, ohne hier mit Talent zu glänzen, sein Charakter Thorn könnte sympathischer sein und nicht immer übertrieben machomäßig auftreten. Die restlichen Darsteller machen ihre Sache jedoch gut.

Eine schreckliche Zukunftsvision, die ein noch bösartigeres Geheimnis beherbergt. Leider ist Fleischers Umsetzung zu langatmig geraten und man fühlt sich eher wie in einem gewöhnlichen Krimi. Trotzdem hat auch "Soylent Green" seine intensiven Momente, obwohl man mit dem Hauptcharakter nicht eins wird.

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