Review

Soylent Green war einer der ersten Thriller seiner Art und ist heute vielleicht sogar noch treffender als damals, denn selten waren Themen wie Umweltschutz, Ressourcenmangel und Überpopulation so präsent. Regisseur Richard Fleischer griff unter anderem diese Themen auf und präsentiert sie uns in Form eines Kriminalfalls der lose auf dem Roman New York 1999 (Original: Make Room! Make Room!) von Harry Harrison basiert.

Wir befinden uns im Jahr 2022 und die wichtigsten Ressourcen wie Wasser und Essen sind fast gänzlich aufgebraucht. New York ist mit 40 Millionen Menschen hoffnungslos überbevölkert und dem Verbrechen, der Armut und Arbeitslosigkeit preisgegeben. Fast die gesamte Nahrungsmittelversorgung wird von der Firma Soylent übernommen, die ihre synthetisch hergestellten Produkte Soylent Gelb und Soylent Rot verkauft. Das neuentwickelte Produkt Soylent Grün, angeblich aus dem Plankton der Ozeane hergestellt, erweist sich als schmack- und nahrhafter, doch auch daran mangelt es. Tausende Menschen strömen jeden Dienstag zu den Verkaufsständen um das heißbegehrte Soylent Grün zu erhaschen; dabei kommt es immer wieder zu Ausschreitungen, denn jeder möchte der Erste sein und fürchtet sich davor, leer auszugehen.

Die Welt in Soylent Green ist mehr als trostlos. Es hat sich eine Zweiklassengesellschaft gebildet in der nur die wenigen reichen Persönlichkeiten ein normales Leben führen und sich echtes Essen leisten können, denn schon die Preise für die einfachsten Lebensmittel wie Eier sind so hoch, dass die in Armut lebende Gesellschaft sie sich nicht leisten kann. Über 20 Millionen Bewohner New Yorks sind arbeitslos und Großteile ebenso obdachlos und schlafen zu hunderten auf öffentlichen Plätzen, auf Straßen oder aneinandergequetscht in Wohnheimen. Die Kriminalitätsrate ist dementsprechend hoch und Leichen werden nicht länger beerdigt, sondern einfach in den Abfall geworfen und entsorgt. Inmitten dieses Chaos wird der Polizist Robert Thorn (Charlton Heston) zu einem Tatort beordert an dem sich ein Mord ereignete. Der einflussreiche und in Luxus lebende William R. Simonson (Joseph Cotten) wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er war ein ranghoher Mitarbeiter der Firma Soylent. Robert kommt im Laufe seiner Ermittlungen einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, das einem die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

Soylent Green hat einige große Momente, allen voran das Ende. Nahezu jede Szene ist dunkel und die Protagonisten erregen unser Mitleid. Die überfüllten Straßen, durch die Robert sehr oft wandelt, haben an Wirkung nur wenig verloren und verbreiten in jeder Minute eine beklemmende Stimmung. Dennoch sind die besten Szenen in der Tat die Gespräche zwischen Robert und seinem langjährigen Freund Sol Roth (Edward G. Robinson). Dieser schwelgt ständig in Erinnerungen an alte Zeiten, in denen jeder alles Essen konnte was er wollte und wann er wollte. Wo das Gras noch grün war und die Bäume in ihrer ganzen Pracht strahlten. Robert ist davon eher genervt, denn er kann es sich nicht so recht vorstellen, er kennt keine andere Welt als die des apokalyptischen New Yorks des 21. Jahrhunderts. Als die beiden sich an den Speisen die Robert vom Tatort hatte mitgehen lassen erfreuen, spürt er zumindest einen Funken dessen, wovon Sol ständig schwärmt. Doch er versinkt allzu schnell wieder im traurigen Alltag und den sich zuspitzenden Ermittlungen um den Mord an Simonson.

Der 1973 erschienene Öko-Thriller hat im Lauf der Jahrzehnte etwas an Wirkung verloren, was vor allem daran liegt, dass die Thematik unzählige Male in vielen anderen Filmen aufgegriffen wurde. Leider lässt sich deshalb auch die Auflösung recht schnell erahnen. Charlton Heston, der schon 1960 mit dem Oscar für seine Darstellung des Ben Hur im gleichnamigen Epos ausgezeichnet wurde, brilliert auch hier wieder in seiner Rolle als langsam resignierender Polizist und sorgt damit für ein paar glänzende Momente. Die Darstellung der futuristischen Welt mag etwas überspitzt sein, der Film bleibt sich selbst jedoch treu und hält sich konstant an seine bedrückende Erzählweise, die neben Spannung auch viel auf die Emotionen seiner Zuschauer setzt. Konzentrierte sich der Roman eher auf den Aspekt der Zweiklassengesellschaft und die Macht des Geldes, liegt der Fokus des Films eher auf dem Geheimnis der Firma Soylent.

Fazit: Leicht in die Jahre gekommener Thriller, der dank stetig aktueller Themen jedoch noch fesseln kann und mit seiner erschreckenden Darstellung des trostlosen New Yorks einige Bedrückung hervorruft. Seiner Zeit um einige Jahre voraus.

Details
Ähnliche Filme