New York im Jahr 2022. Die Stadt hat 40 Millionen Einwohner, die meisten sind ohne Arbeit. Eine Wohnung zu haben, auch wenn's nur eine Bruchbude ist, ist Luxus pur. Die Nahrung besteht aus Sojaplättchen, nicht unähnlich unserer Kartoffelchips. Und jeden Dienstag gibt es Soylent Green, die grüne Variante mit Meeresalgen. Diese beliebte "Speise", hergestellt von der Soylent Company, wird allerdings immer stärker rationalisiert und so kommt es bei der wöchentlichen Verteilung immer wieder zu gewalttätigen Straßentumulten, bei denen auch der Polizist Thorn für Recht und Ordnung sorgen muss. Eigentlich ist er gerade mit einem Mordfall im Milieu der Reichen und Mächtigen beschäftigt, der ihn in einen Strudel von Machenschaften und Komplotten zieht, ehe er und sein Helfer Sol Roth dem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommen.
Soylent Green ist eine schon etwas ältere, düster-utopische Aussicht auf die Zukunft. Allerdings muß man sagen das viele Probleme, die heutzutage aktuell werden wie Überbevölkerung und Nahrungs- und Wassermangel, dort schon prophetisch angekündigt werden. Anhand des Beispiels von New York wird das dahinvegetieren der dokumentiert. Es gibt keine Pflanzen mehr, die Luft ist grünlich und für uns alltägliche Sachen wie Strom, fließend Wasser oder organische Nahrung sind extreme Mangelware, die sich nur die oberen Zehntausend noch zu horrenden Preisen leisten können.
Der Film bietet dabei zwei unterschiedliche Hälften. Erst wird das trostlose Szenario in aller Breite dargestellt, während uns Heston als Thorn erst nach der Morduntersuchung eines hohes Tieres der einzigen Nahrungsfabrikationsfirma Soylent sich näher mit deren Vorgängen und speziellen Zutaten ihres neues Hitsellers Soylent Green beschäft, das alles andere aus dem angekündigten Plankton besteht, schließlich sind die Meere ja auch schon futsch.
Unser Held dafür ist gleichzeitig korrupt, unsympathisch, Vollmacho, Im-Dienst-Säufer und nicht mal in der Lage eine Armbanduhr zu reparieren. Tatorte werden organisiert beklaut (auch die Kollegen nehmen was sie kriegen können) und seine Art Zivilisten zu befragen steht sicher auch nicht im Handbuch der Polizeietikette. Aber ein wirklicher Sympathiebolzen war der gute Charlton Heston noch nie wirklich, außer für seine NRA Kumpels vielleicht.
Was mir wirklich an Soylent Green gefällt, ist das er stark zum nachdenken anregt, so fand ich die erste Hälfte deutlich besser, als was-wäre-wenn-Szenario der tristesten Sorte. Dazu paßt auch das halboffene pessimistische Ende. Der Film hat insgesamt sicher nicht viel gekostet, hat aber eine tolle Grundidee, da fällt die Thrillerhandlung beinahe störend aus. Allein die Szenen mit den Demonstranten die rigoros von Schaufelbagger eingeladen werden und einem vermutlich nicht gerade gutem Ende zugeführt werde oder die aktive Sterbehilfe für die Alten sind Szenen die im Gedächtnis bleiben. Ein Blick lohnt sich auf alle Fälle.
7/10