*** SPOILERWARNUNG ***
Mehr, immer mehr. Mehr Produktion, mehr Konsum, mehr Müll, mehr Menschen. Mit einer vielsagenden Montage steigt Regisseur Richard Fleischer in den Klassiker ein und zeigt dann unmissverständlich, wohin all dies führt.
Die Luft ist verdreckt, überall liegen und hausen Menschen, allein im New York des Jahres 2022 sind es 40 Millionen. Die Ressourcen sind dabei nahezu verbraucht, die Masse wird mit synthetischen Lebensmitteln der Firma Soylent versorgt. In verschiedenen Farben gibt es diese, während es nur einer kleinen überreichen Oberschicht vorbehalten ist, im Luxus zu schwelgen. Dieser besteht dabei „nur“ aus Dingen, die wir heute in unseren Breitengraden noch täglich benutzen. Oder verschwenden, wie man nach dem Genuss des Films meinen mag. Warmes Wasser, Seife, Fleisch, all das ist für die meisten Menschen in dieser Dystopie unerreichbar.
Das reine Überleben steht an der Tagesordnung in dieser Welt, durch die sich auch Polizist Robert Thorn (Charlton Heston) kämpft. Bei der Untersuchung eines Mordes an einem der Oberschichtler deckt er noch eine erschütternde Wahrheit auf, deren Ausruf am Ende seinen Widerhall in dieser verfilmten Kapitalismuskritik findet.
Als Krimi oder klassische Ermittlungsgeschichte ist „Soylent Green“ nicht vollends gelungen. Der Fall wird quasi am Rande weiterverfolgt. Seine Qualitäten hat der Film in der Beschreibung der Zustände einer vom Raubbau zerstörten Welt, in der es nicht nur an den grundlegendsten Dingen mangelt, sondern in der auch die Verdinglichung der Ressource Mensch zur Normalität geworden ist. Diese gehören hier buchstäblich zum Inventar.
Am stärksten ist „Soylent Green“ in seinem Schlussakt. Dies betrifft die Sterbesequenz von Thorns Freund Sol Roth, die den emotionalen Höhepunkt bildet. Weniger wegen des geplanten Ablebens, sondern weil hier breitwandig bebildert wird, was verloren ging. Selbst Thorn kann seine Augen davon nicht abwenden und staunt ob der vernichteten Schönheit. Diese Szenen werten den Film schlagartig nochmal auf. Und weiterhin natürlich der bereits erwähnte Schluss, wenn er in die Welt hinausschreit, was Soylent Green denn letztlich ist.
Leider ist das Design nicht so zeitlos wie die Message, sodass die hier inszenierte Zukunft (von damals) noch sehr nach den 1970er Jahren aussieht. Trotzdem funktioniert das Setting aufgrund der siffigen Ausstattung. Mit der Gewichtung zugunsten der Zurschaustellung der Welt tritt der Film ab und an etwas auf der Stelle, stark ins Gewicht fällt dies jedoch nicht. Trotzdem hätte etwas mehr Fokus auf einer Charakterentwicklung liegen können, denn diese findet nicht spürbar statt.
Das Ensemble spielt dabei durchaus brauchbar. Heston als knurriger Ermittler, der sich nimmt, was er brauchen kann, bleibt da in Erinnerung. Neben ihm als zentraler Figur tummeln sich noch Edward G. Robinson in seinem letzten Auftritt, Leigh, Taylor-Young und Joseph Cotton in Nebenrollen.
Im Abspann sind dann wieder die Landschaftsaufnahmen zu sehen. Wie eine Mahnung, eine Erinnerung daran, was es zu erhalten gilt. Damit es nicht so endet, wie im Filmjahr 2022.