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Gretchen Lang, Emily Rose und Emma Evans, - sie alle haben den Exorzismus in entsprechenden Geschichten mehr oder minder erfolgreich überstanden. Regisseur Mickey Reece wollte wohl ursprünglich auf diesen Zug aufspringen und mit der Titelgebenden einen weiteren Beitrag zusteuern. Auf halber Strecke fiel ihm jedoch ein, die Chose unpointiert zu beenden, um eine weitere Geschichte in Richtung Glaubensfindung anzuknüpfen.

Im Kloster St. Theresa sind die Nonnen außer sich, denn Schwester Agnes flucht und gibt blasphemisches Zeug von sich, während sich in ihrer Nähe Geschirr wie von Geisterhand bewegt. Priester Frank und Diakon Ben werden einberufen, den besessenen Dämon auszutreiben…

Agnes (im Original Eggness ausgesprochen, hier in Lippe würde man Achnes sagen) ist eigentlich nur Mittel zum Zweck, denn im Kern geht es um Schwester Mary, die sich in einer ernsthaften Glaubenskrise befindet. Zwar drehen sich die ersten 40 Minuten um die besessene Schwester und noch mehr um die, welche sie von der Last befreien wollen, doch all die Bemühungen enden komplett offen und erst später erfährt man ganz beiläufig, was mit einigen Beteiligten geschah. Dabei streut Reece sogar recht gekonnt einige humorige Elemente ein, spätestens als mit Father Black ein exkommunizierter Kerl nebst schrulliger Assistentin den Ort des Geschehens betritt. Hätte Reece hier konsequent angesetzt, hätte daraus ein durchaus spaßiger Genrebeitrag werden können.

Doch nach dem abrupten Break in der Mitte geht es ohne Umschweife vom Kloster in den tristen Alltag von Mary, die in einem Lebensmittelladen jobbt und anbei den Verflossenen von Mary trifft, der als unwitziger Stand-up Comedian vor kleinem Publikum auftritt.
Die narrative Verschiebung sorgt nicht nur für einen kompletten Genrewechsel, sondern für einen rapiden Absturz des Unterhaltungswerts. Denn außer oberflächliches Geschwafel ist hier nichts mitzunehmen und in Bezug auf Glaubensfragen geht der Stoff auffallend ungelenk und formelhaft zu Werke.

Somit unterwandert die Erzählung wahrlich alles, was gängiger Exorzismushorror zuließe und selbst die vage Hoffnung, der Kreis könne sich gegen Ende doch noch einigermaßen stimmig schließen, wird mit den letzten Szenen komplett zunichte gemacht. Das ist schade um die durchweg soliden Mimen und das passable Handwerk, den tauglichen Score und die brauchbare Ausstattung, doch wer die Sympathien des geneigten Publikums derart fahrlässig verspielt, darf sich über schallende Kritik nicht wundern.
3 von 10

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