Review

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Spanien hat sich eine kleine Familie in der weitläufigen, kaum besiedelten und vollkommen flachen Region des südlichen Aragon niedergelassen, wo sie zu dritt in einem flachen Bauernhaus leben, stets in Furcht vor "der bösen Welt da draußen". Der solchermaßen versinnbildlichte Krieg mit seinen Zerstörungen behelligt die aus Vater Salvador (Roberto Álamo), Mutter Lucia (Inma Cuesta) und dem etwa 8-jährigen Sohn Diego (Asier Flores) bestehende Kleinfamilie einstweilen auch nicht weiter, vielmehr ist es die Furcht vor einer sagenumwobenen Bestie, von der der eher schweigsame Salvador eines Abends seinem Buben zu erzählen beginnt. Der kindlich-fröhliche Diego, der beim Hasenschlachten immer wegsieht, ist zunächst etwas verwirrt, hat er doch selbst seit kurzem Alpträume, deretwegen er öfter nachts aus seinem Zimmer zu seiner Mama flüchtet, mit der ihn eine starke Beziehung verbindet. Fortan wird der Bub jeden Tag an jenen bösen Geist denken, den man mehr hört als wirklich sieht, der aber tatsächlich da zu sein scheint und das Glück der Drei bedroht.
Als eines Tages ein Boot mit einem Schwerverletzten den kleinen Fluß hinter dem Haus hinuntertreibt, scheint die "böse Welt" dann doch angekommen zu sein: Salvador verarztet den Mann, doch kaum kann dieser sich wieder bewegen, ergreift er ein Gewehr und bläst sich selbst den Schädel weg - eine schreckliche Erfahrung für Diego, der sich nach wie vor weigert, schlachtreife Hasen zu erschlagen oder mit dem zum Geburtstag erhaltenen Gewehr zu üben. Doch bald wird er der Mann im Haus sein, denn Salvador, der im Gepäck des Toten Familienbilder gefunden hatte, will den Leichnam zu dessen Angehörigen bringen.
So sind Mutter und Sohn also allein, und der obskure Dämon taucht immer wieder auf und bemächtigt sich langsam aber sich Lucias, denn Diego stellt immer öfter merkwürdige Verhaltensweisen bei seiner Mutter fest, die er zwar hinterfragt, ohne jedoch befriedigende Antworten zu erhalten...

Mit seinem ersten Langfilm El Páramo hat der junge spanische Regisseur David Casademunt ein bemerkenswertes Debut hingelegt: einerseits überzeugt die ganz hervorragende Kameraarbeit, die die wenigen Details in dem spärlich möblierten Haus geradezu meisterlich einfängt und durch die vorherrschenden kräftigen Brauntöne und erdigen Farben für ein stimmiges Ambiente einer von Gott (oder wenigstens der Zivilisation) verlassenen Gegend sorgt. Auf der anderen Seite steht ein ungewohnt träges und handlungsarmes  Drehbuch, zu welchem die oben als Einleitung gedachten Zeilen unfreiwilligerweise bereits den ganzen Film beschreiben: denn hier geht wirklich nichts weiter. Wer sich also irgendwelche Actionszenen oder Jump Scares mit schauerlichen Kreaturen erwartet, wird ganz bitter enttäuscht werden, und das gilt selbstredend auch für das unspektakuläre Ende.

El Páramo, der lange Zeit (bis ein weggeschossener Schädel daran erinnert, daß wir uns im Horrorgenre befinden) wie ein Kinderfilm anmutet, setzt er doch den kleinen Diego und dessen Sichtweise ins Zentrum der, äh, Handlung, ist vielmehr als eine Art Metapher zu verstehen, eine Parabel auf die das Denken und Handeln bestimmende Angst. Eine diffuse, nie greifbare Angst vor etwas Bösem, Dunklen. Eine eingeredete Angst, die nicht zu verstehen ist. Für Diego (übrigens eine durchweg überzeugende Performance des Kinderdarstellers), der den als Nahrungsquelle dienenden Hasen Namen gibt und mit ihnen spricht, trotz seines kindlichen Gemüts durchwegs renitent ist und den Anordnungen seiner Eltern selten Folge leistet, bleibt der böse Geist etwas Unerklärliches. Und mit dieser Einstellung scheint er gegen das Monster (das sich ganz zum Schluß auch einmal kurz zeigt)  besser gewappnet als die Erwachsenen mit all ihrer Erfahrung.

Fazit: Ein vor allem durch seine Bildsprache überzeugender Gruselstreifen mit einigen Arthouse-Einflüssen, den man auf sich wirken lassen muß, sofern man dies möchte. Von der Thematik her vielmehr an The VVitch oder entfernt an den Babadook als an Freddy Krueger und Konsorten erinnernd ist El Páramo alles andere als massentauglich - von mir 6 Punkte für das Psychodrama um menschliche (Ur-)Ängste.

Details
Ähnliche Filme