Manchmal, wenn die Streamingdienste wieder mal eine Tsunamiwelle an Horrorposten hervorrülpsen, die man sich natürlich lammfromm auf die Watchlist packt, spielt sich auch in meinem Wohnzimmer wieder ein Drama ab: klar erwartet man darunter irgendeine feine Perle, von der man noch nichts gehört hat, checkt dann gottergeben die IMDB-Wertung und hört dann schon die Hamster in der Kiste husten. Das Meiste davon ist Schrott, aber man schleppt es eine Weile mit sich herum, weil gefunden ist ja gefunden.
So geschehen bei mir mit „Hellbender“ von 2021, den ich aber bis Fristablauf dann doch nicht angerührt habe (was 50 Prozent des „Schrotts“ genauso betrifft), bis jetzt die Folk-Horror-Gemeinde in Social Media das Ding wieder an die Oberfläche spülte.
Geheimtipp?
Okay, dann schau ich mal, Onkel YT war zum Glück noch bereitwillig.
Also wer sind denn nun John und Zelda Adams und Toby Poser, das fröhliche Regie-Trio, frage ich mal bereitwillig den Kosmos an Informationen und finde allesamt in der Independant-Society der Horrorschaffenden wieder, also diejenigen, die mit schöner Regelmäßigkeit irgendwo creepy Kurzfilme an den Start bringen und hie und da auch mal einen Langfilm zusammen schustern dürfen. Ansonsten sind sie maximal mal in TV-Serien unterwegs, aber das will ja nichts heißen.
Und ja, das fängt ganz erbaulich an, da ist nämlich eine Gemeinde sehr entschlossener Bürger*innen im herbstlichen Forst unterwegs (sehen alle aus wie vor 100 oder 300 Jahren), just dabei, eine vermummte Gestalt per Strick zu meucheln. Klappt aber nicht, also pusten sie ihr sechs Kugeln in den Kopf. Klappt auch nicht zur allgemeinen Zufriedenheit, also neue Varianten suchen. Doch die Delinquentin entscheidet sich dann anders, bricht in Flammen aus und erhebt sich Funken sprühend in die Lüfte. Heidewitzka, was ist hier los?
Danach wird das alles zu einem klassischen Kammerstück rund um 1 Mutter und 1 Teenagertochter. Die hausen (Zeit nun: die Gegenwart) ebenfalls in einem abgelegenen Grüngebiet. Die namenlose Muttergestalt ist da sehr fürsorglich und hauslehrerhaft, während die fröhliche Teenagerin Izzy dem Edikt, doch bitte keinen Kontakt zu überhaupt keinem sonst aufzunehmen, noch einigermaßen entspannt gegenübersteht. Gemeinsam frönen sie zwischendurch der Hardrockmetalhausmusik, was so auch noch nicht da war.
Aber natürlich wird auch hier bald Blut geleckt. Erst streift ein seltsamer Wandersmann durch die Gegend und behauptet frechweg, sich verirrt zu haben. Nach allerlei Aufdringlichkeiten führt Mutter ihn aus dem Dunstkreis der Tochter und pulverisiert den Dude unter ein paar Bäumen mit unheimlicher Kraft zu Staub. Im Anschluss läuft Izzy irgendwann zu weit durch den Forst und kommt an einem schnieken Anwesen vorbei, wo die hübsche Amber gerade im Pool plantscht. Nachdem die beiden sich tolerabel verstehen, steht dann natürlich eine Party mit mehr Mädchen an und an dem Punkt verrutscht der Status Quo langsam…
Wo die Reise hingeht, ist lange nicht klar, aber dass wir es hier mit zwei übernatürlichen Wesen zu tun haben, die sich besser aus der Presseöffentlichkeit heraus halten, um so schneller. Die Frage, die sich hier stellt, ist, was ist ein „Hellbender“ und was passiert, wenn Hormone und Geschlechtstrieb bei Überwesen so kicken.
Die Gruppe um „Hellbender“ hatte zwar kein besonderes Budget, um damit aus einer fiesen Idee einen Kracher zu machen, aber an die Nieren gehen die Visionen, Herbstbilder und Schattenspiele schon, werden halb archaische Rituale und Dämonologie angedeutet.
Das hilft weniger bei einer gut gewachsenen Spannungskurve, sorgt aber für einen kruden Film, in dem sich immer wieder an unerwarteten Stellen Abgründe auftun und die Erwartungen des sich entwickelnden Plots unterläuft oder übertölpelt. Garniert ist das alles mit einem finsteren Ende, welches die Vorgänge erklärt, wenn man denn gut aufpasst, ggf. muss man das alles zwischen dem Schnittgewitter und den schwarzen Zweigen gegen den wolkenverhangenen Himmel und dem Blut, das auf Zedern fällt noch mal nachlesen.
Wer aber ein wenig untypischen Folk-Grusel in seiner Homevideothek gern hat, der gönne sich diese 85minütige Fremdartigkeit, die Hoffnung für zukünftige Werke macht. 6,5/10