Review
von Leimbacher-Mario
„Die Deutschen sind ein düsteres Volk.“
In dieser belgisch-französischen Koproduktion bekommt eine querschnittsgelähmte Frau von ihrer Freundin einen creepy, altmodischen Adventskalender aus München mitgebracht. Doch er bürgt Geheimnisse und Mächte, die das recht triste und psychisch angeschlagene Leben der jungen Frau brutal richtung Abgrund drängt. Oder ihr gar trotz all dem Blutvergiessen neuen Lebensmut schenkt?
„The Advent Calendar“ verpackt seine makabren Köstlichkeiten, inter-europäischen Ängste, unterschwelligen Konflikte und ethisch-menschlichen Fragen geschickt in vierundzwanzig Türchen der unaufhaltsamen Angst, der zitternden Unsicherheit, der schweren Entscheidungen. Wenig Kalorien, viel steht auf dem Spiel. Die brodelnden Vorurteile und Märchen über/aus „Deutschland“, ein klasse „Monster“ und eine gelungene Grundidee pushen sich hier hochwertig in erstaunliche Gefilde. Die Hauptdarstellerin spielt alle körperlichen wie psychischen Stadien stark. Visuell lässt sich das nicht lumpen. Und das Ende ist konsequent und diskussionswürdig. Natürlich hätten ein Argento oder selbst ein Fulci in ihrer Hochzeit mehr aus dem Stoff geholt. Wo wir schon bei dem Thema sind, hätten auch die Kills und der Gewaltgrad viel härter ausgespielt bzw. hochgedrückt werden können. Ja müssen. Da ist „Le Calendrier“ viel zu zaghaft und gerne am Wegschneiden. Ein Score ist auch nicht im Ohr geblieben. Und vielleicht hätte mir eine splattrigere 20-Minuten-Kurzfilmversion sogar noch mehr gegeben. Aber trotz all der Abzüge ist dieser Adventskalender eine der feineren Erfrischungen dieses weihnachtlichen Monats.
Fazit: Kalender, Kalender, er versüßt blutig den Dezember. Exklusiver und inklusive Genremix aus belgischer Schokolade und münchener Märchen from Hell!