Review

Pretty but shitty?


Mickey Keatings „Offseason“ ist sehr lovecraft'isch, düster, neblig und apokalyptisch durchzogen, in seinen besten Momenten an Fulci, Argento und Carpenter erinnernd. Dennoch sollte man die Erwartungen arg drosseln. Hier fährt eine junge Frau außerhalb der Touristensaison auf eine abgeschiedene Insel, da dort ihre Mutter scheinbar entgegen ihrem letzten Willen und Gespräch beerdigt wurde. Oder zumindest hat sie einen mysteriösen Brief in diese Richtung bekommen. Die wenigen Einwohner verhalten sich seltsam, der Rückweg ist schnell abgeschnitten und eine Nacht ohne Morgen beginnt…

Fulcis Erbe? Oder nur eine hübsche Scherbe?

Ein paar Einstellungen, Bilder, benebelten Beleuchtungen und alptraumhafte Augenblicke in „Offseason“ lassen im Guten schaudern und sehen für eine solche geringbudgetierte Genreproduktion sehr edel aus. Die Hauptdarstellerin tut dem gleich und kann auch was. Alles hat von Anfang an wenig Hoffnung und der persönliche Weltuntergang scheint nie weit weg zu sein, ähnlich wie gesagt wie in ein paar meiner Lieblinge aus vergangenen Zeiten a la „The Beyond“. Und dennoch kommt „Offseason“ demnach nicht nur 40 Jahre zu spät, es fehlt auch jegliches Fleisch um diese stylischen Gebeine herum. Die Figuren bekommen keine Charakterisierung, die Handlung ist kaum eine (obwohl ich eigentlich Filme mag, die in nahezu nur einer Nacht spielen), der Score macht nichts her, Hingucker und entscheidende Momente mit Tentakeln und Co. werden meist arg durch Dunkelheit verdeckt, einige Szenenübergänge sind sprunghaft und nehmen Wirkung, das Ende fühlt sich lahm, plötzlich und fast gecheatet an. Die Negativliste ist lang und nicht von schlechten Eltern. Ähnlich wie in Keatings vorangegangenen Regiearbeiten „Darling“ und „Carnage Park“ ist hier leider außer ein paar Hommage- und Optikspesen nicht viel gewesen. Das ist höchstens visuelle Berieselung für den ganz anspruchslosen Allesgucker in Sachen Horror. Vielleicht sollte dem Mann mal einer ein gescheites Drehbuch schreiben und ihn samt Kameramann einfach nur inszenieren lassen, denn da sind immerhin gute Ansätze zu sehen…

Fazit: richtig warm werde ich mit Mickey Keatings Output nicht… „Offseason“ hat seine enorm hübschen und atmosphärischen Momente. Wie alles bisher von Keating. Bleibt am Ende jedoch absolut leer, egal und im besten Fall eine Finger- und Stilübung. Wie ein total verdünntes Derivat einstiger Meister. Einfach zu wenig. 

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