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Der paradox anmutende Titel wirkt in der langen Tradition venezolanischer Horrorfilme wie ein kleines Ausrufezeichen. Kein Wunder, denn es handelt sich nach „House at the End of Time“ um den erst zweiten Horrorfilm aus Venezuela. Erneut führte Alejandro Hidalgo Regie, jener Mann, der in seinem Land immerhin einen Meilenstein setzen konnte.

2003: Der amerikanische Pater Peter wird in eine mexikanische Provinz beordert, um einen Exorzismus durchzuführen, für den er laut seinem Mentor Michael noch nicht bereit ist. Tatsächlich begeht er einen folgenschweren Fehler, für den er 18 Jahre später bezahlen soll, denn erneut wird er zu einer Besessenen gerufen: In einem Frauengefängnis ist die junge Esperanza vom Dämon Balban besessen. Dieses Mal mit Pater Michael im Schlepptau, wird Peter mit seiner Vergangenheit konfrontiert…

Ist dem zeitgenössischen Austreibungsfilm vielleicht doch noch etwas neues hinzuzufügen? Nicht, wenn man sich allein die ersten zehn Minuten zu Gemüte führt, als ein Geistlicher zwischen zwei gleißenden Lichtern von Straßenlaternen steht, was überdeutlich auf Friedkins Klassiker von 1973 verweist. Hinzu gesellen sich rüttelnde Betten, vielstimmige Dämonenflüche und leuchtende Klüsen, - nur allzu vertraute Zutaten beim Kampf zwischen Gut und Böse oder der Konfrontation zwischen der Kirche und den Besessenen, wo es letztlich doch ein wenig ambivalenter zugeht.

Denn Hidalgo weist unverholen darauf hin, wie primär die katholische Kirche mit Verfehlungen ihresgleichen umgeht und wie aus einem vermeintlichen Sünder ein als Heiliger angesehener Wohltäter wird. Denn Pater Peter kümmert sich seit Jahren um das Wohlergehen seiner Schützlinge in einem Waisenhaus und erhält von der Kirche immerhin finanzielle Unterstützung für medizinische Notwendigkeiten. Dennoch nagt die Vergangenheit an dem Geistlichen, dessen Alpträume von Schuld und Reue geprägt sind.

Jene Alpträume sind zwar visuell ansprechend verpackt, doch auf rein erzählerischer Ebene tritt der Stoff einige Zeit auf der Stelle und gestaltet sich erst ein wenig interessanter, als ein leicht vorhersehbarer Twist enthüllt wird, bevor es im letzten Drittel deutlich bewegungsreicher zur Sache geht. Hier werden konventionelle Abläufe von Exorzismusritualen mit Anleihen des Zombiefilms kombiniert, obgleich das Auftauchen diverser Furien nicht unbedingt mit der Anwesenheit eines Dämons erklärt werden kann.

Hier und da fließt ein wenig Blut, Besessene krabbeln auch gerne mal insektenartig über den Boden und vor allem leuchten Klüsen in regelmäßigen Abständen auf, damit nicht zu übersehen ist, wo sich gerade das Böse eingenistet hat, was nicht gerade subtil daherkommt.
Immerhin erhält der widersinnig anmutende Titel noch einen Sinn und die Kritik am Umgang mit internen Kirchenschäfchen erhält einen zynischen Beigeschmack.

Die Inszenierung bleibt bei alledem eher unauffällig. Die Kulisse des Gefängnisses liefert, besonders nach einem Stromausfall keine Abwechslung, die Spezialeffekte, einschließlich Make-up fallen eher durchschnittlich aus, gleiches gilt für die Darstellerleistungen und den Score, der in vielen Schlüsselmomenten einfach mal ausbleibt.
Ein paar frische Impulse hält die Geschichte zwar bereit, doch unterm Strich läuft der Streifen eher konventionell ab und überrascht zu wenig, um sich von der breiten Masse an Austreibungsbeiträgen abzuheben.
5,5 von 10

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