Auf den ersten Blick hat das längst vergangene Thema der Hexenverfolgung wenig mit den zeitgenössischen, politischen Entwicklungen in den USA gemein. Und doch gibt es eklatante Parallelen, was die Ausgrenzung und der Umgang mit bestimmten Personengruppen wie Einwanderer betrifft. Entsprechend wandelt die Prämisse irgendwo zwischen „Schindlers Liste“ und „The Purge“, welche allerdings an einer zu zaghaften Ausarbeitung krankt.
Im modernen Amerika ist Hexenverfolgung ein akutes Thema. Eine spezielle Abteilung der Polizei, das Bureau of Witchcraft Investigations fischt Frauen aus der Gesellschaft, um sie auf Hexenmale zu untersuchen. Martha (Elizabeth Mitchell), die mit ihrer Tochter Claire (Gideon Adlon) und den beiden Zwillingen Corey und George (Cameron und Nicholas Crovetti) in einem abseits gelegenen Haus lebt, beherbergt in einigen Geheimräumen verfolgte Hexen, um ihnen eine weitere Flucht zu ermöglichen. Bis ein spitzfindiger Inspektor auf die Familie aufmerksam wird…
Der Einstieg verheißt leider nichts Gutes, als eine vermeintliche Hexe von der Polizei gestellt und kurz darauf per übler CGI verbrannt wird, zumal eine Wiederholung der Szene keine Besserung bewirkt. Mit Magie hat es Regisseurin und Autorin Elle Callahan ohnehin nicht sonderlich, denn bis auf Schattengestalten, die sich in Dunst auflösen und einem sprudelnden Wasserglas kommen kaum Spezialeffekte zum Einsatz. Vielmehr steht eine Coming-of-Age Geschichte um Claire im Vordergrund, die sich mit den beiden versteckt gehaltenen Mädchen im Haus anfreundet und anbei zwischen Abneigung und Faszination gegenüber Hexen schwankt.
Frauengestalten stehen bis auf den Inspektor als personifizierter Antagonist im Vordergrund und um dies etwas plakativ zu untermauern, wird der Film „Thema und Louise“ einige Male hervorgekramt. Zwar deuten sich einige leidlich spannende Momente an, sobald das Gesetz etwaigen Fluchthelfern auf die Pelle rückt, doch von solchen Szenen gibt es zu wenige und mit einer Jagd hat die Chose rein gar nichts am Hut. Denn anstatt zwischenzeitlich mit Tempo und Konfrontationen Dampf zu machen, dominieren über weite Teile betont ruhige Abschnitte, die weder in die Tiefe gehen, noch sonderlich ansprechend in Szene gesetzt sind.
Überhaupt merkt man dem Stoff das vergleichsweise geringe Budget deutlich an, denn höherer Aufwand wie etwa in Form eines brennenden Fahrzeugs wird direkt ins Off verlagert, während die Ausstattung aufs Nötigste beschränkt ist und das Farmhaus mit seinem Haus hinterm Haus eher eine Mogelpackung darstellt. Während der Score komplett im Hintergrund dümpelt und keine Akzente zu setzten vermag, performen zumindest die beiden Hauptdarstellerinnen Adlon und Mitchell ganz passabel.
„Witch Hunt“ ist ein typisches Beispiel für eine gute Idee, aus der zu wenig gemacht wird, was der lahme Showdown in nahezu allen Facetten unterstreicht. Der Stoff wird betont ruhig vorgetragen, was phasenweise in Ereignislosigkeit mündet, während spannende Ansätze zumeist im Keim erstickt werden, da es an dramaturgischer Finesse fehlt. Die Mixtur aus Drama, Horror und Thriller bringt zu keiner Zeit die notwendige Intensität zum Mitfiebern auf, was hinsichtlich der verheißungsvollen Ausgangssituation sehr bedauerlich ist.
4 von 10