Review

Der zweite Langfilm des spanischen Regisseurs David Hebrero kommt wie eine Mischung aus „Das Omen“ und „Der Feuerteufel“ daher und lebt in erster Linie von seiner eigentümlichen Atmosphäre.

Am Rande der Kleinstadt Rozas del Monte ist Maria (Macarena Gómez) im Begriff sich das Leben zu nehmen, als sie ein fremdes, dreckverschmiertes Mädchen (Sofía García) mit Mama anspricht. Auf dem Weg zur Polizei wird sie von zwei Beamten angehalten, welche das Mädchen kurzerhand per Telepathie aus dem Weg räumt. Im Dorf gibt sie das Mädchen, welches sie Lucia nennt, als ihre Nichte aus, doch nach einigen unerklärlichen Begebenheiten sehen die Kleinstädter das Mädchen als Vorbotin der Apokalypse…

Einmal mehr steht ein unheimliches Kind im Vordergrund, welches eigentlich keines ist, da es sich bei Lucia um eine junge, kleinwüchsige Frau handelt. Da diese nichts über ihren Hintergrund preisgibt, verbreitet ihr Erscheinen bis zuletzt ein Mysterium. Maria, die nach dem Freitod ihres Sohnes vor 13 Jahren zur Außenseiterin der Gemeinde wurde, sieht in Lucia rasch einen Kindsersatz und andererseits eine Möglichkeit zur Rache, denn nicht wenige haben mindestens eine Leiche im Keller und im Verlauf tun sich wahre Abgründe auf.

Bereits anno 1980 stand in dem Ort eine Prophezeiung im Raum und ließ einige Leute offenbar eine schlimme Tat verüben, auf die erst später ein wenig näher eingegangen wird.
Nicht nur dadurch kristallisiert sich nur schwer ein Sympathieträger heraus, zumal Maria, trotz ihrer bemitleidenswerten Vorgeschichte zu impulsiven Handlungen und überzogenen Reaktionen neigt und selbst positiv wirkende Individuen werden im Verlauf von Fehlern ihrer Vergangenheit eingeholt.

Ein regelrechtes Moloch von Sündern entwickelt sich und entsprechend garstig ist zuweilen der Umgangston, wenn hier und da verbale Stiche gesetzt werden. Weniger ereignet sich diesbezüglich auf der physischen Ebene, obgleich Lucia gegen Showdown ihre Kräfte einmal mehr einsetzt und einige Abgänge beinahe bizarr anmuten. Die wenigen Spezialeffekte sehen durch die Bank ordentlich aus, während die versierte Kamera an einigen Stellen zum tiefschwarzen Humor beiträgt. Auch der Score erweist sich als treffsicher, lediglich der überstrapazierte Rotfilter gegen Finale stört ein wenig.

Als großer Pluspunkt zeichnet sich die überaus treffende Besetzung aus, angeführt von Macarena Gómez, die zuweilen am Rande des Wahnsinns chargiert, um in der nächsten Szene tiefe Zuneigung zu demonstrieren. Eine starke und facettenreiche Performance, die im angenehmen Kontrast zum zurückhaltenden Spiel von Sofía García steht, die hiermit ihr Debüt gibt und eher mit Nuancen punktet, was ihre Figur so undurchschaubar erscheinen lässt.

Vielleicht sind es am Ende ein paar Enthüllungen zuviel, die teils ein wenig erzwungen wirken, doch die Kleinstadt-Farce mit übersinnlichem Horror weiß trotz der ausladenden Laufzeit von 115 Minuten zu punkten und eine willkommene Abwechslung im Horror-Einheitsbrei zu liefern. Angemessen niederträchtig bis zum Schluss.
7,5 von 10



Details
Ähnliche Filme