Wie so viele junge Erwachsene träumt auch Benny (Jorge Lendeborg Jr.) von einem großen Hit, mit dem er reich und berühmt werden will. Doch bis auf ein paar am PC zusammengemischte Tonspuren ist es nicht weit her mit den Ambitionen des jungen Möchtegern-Hip-Hoppers, der noch bei seiner lateinamerikanischen Oma wohnt. Und weil auch seine Finanzen nicht so berauschend aussehen, ist er Feuer und Flamme als er hört, daß sein älterer Bruder Jay, der als Chauffeur arbeitet, in der kommenden Nacht unpässlich sein wird. Mit einem für ihn ungewöhnlichen Frack ausgestattet, darf der eher kindliche Benny somit den Luxus-Van seines Bruders steuern - der Auftrag lautet, in dieser Nacht zwei junge Damen zu verschiedenen Orten in L.A. zu kutschieren. Doch die beiden Mädels, Blaire und Zoe, verhalten sich merkwürdig: nicht nur ihr blasiertes Auftreten und Reden irritiert den ohnehin verunsicherten Chauffeur, der von ihnen obendrein auch noch verarscht wird, sondern auch das viele Geld in deren Tasche, in die der neugierige Bursche reinschaut. Als er den beiden bei einer Zwischenstation aus reiner Langeweile folgt und dabei entdeckt, daß seine Fahrgäste Vampire sind und kichernd andere Menschen aussaugen, ist es bereits zu spät, denn dummerweise tragen verschiedene Vampir-Clans in L.A. einen Machtkampf gerade in dieser Nacht aus, und der verhinderte Hip-Hopper steckt nun mitten drin...
Pubertäre Vampir-Romantik gepaart mit Halbstarken-Phantasien bei einer äußerst dünnen Handlung kennzeichnen die Netflix-Produktion Night Teeth, die mit der Einstufung "Horror" und "Ab 16" mal wieder meilenweit daneben liegt: denn neben einigen stylischen Shots in Luxus-Apartments und -Hotels gibt es hier ausschließlich bedeutungsschwangere Phrasen von sich selbst ungeheuer wichtig nehmenden Schaumschlägern (Filmcharaktäre kann man sie gar nicht nennen), die vielleicht die Gedankenwelt des anvisierten 15- bis 16-jährigen Publikums widerspiegeln, für ältere Zuschauer jedoch schlicht eine Beleidigung von deren Intelligenz darstellen.
Bereits zu Beginn erzählt die Stimme aus dem Off von der Existenz einiger Vampire aus der Oberschicht, die lange Zeit irgendeinen Pakt mit den Menschen hatten, der jetzt aufgekündigt wird. Für diejenigen, die dies gleich wieder vergessen haben, wiederholt Blaire dies nach etwa einer halben Stunde noch einmal. Später stellt sich heraus, daß Bennys Bruder Jay auch in die Auseinandersetzung verwickelt ist, sodaß es für Benny, der sich in Blaire verliebt hat, noch einen weiteren Grund zum Bleiben gibt, obwohl Softies wie er bei solchen, äh, knallharten Vampir-Kämpfen (welche meist aus der Distanz gefilmt sekundenschnell vonstatten gehen, sofern sie nicht überhaupt im Off stattfinden) eigentlich nichts zu suchen hätten. Immerhin springt für den jungen Mann mit der Afrofrisur dadurch eine Runde Knutschen raus, was sicher angenehmer ist als das permanente Einschlafbedürfnis beim Publikum angesichts des jederzeit vorhersehbaren Plots.
Statt Gruselfeeling macht sich also schon von Anfang an gähnende Langweile breit, die den ganzen Film über anhält, was in dieser Form eher nicht erwartbar war, schließlich konnte Regisseur Adam Randalls 2019er Gruselstreifen I see you mit einer ganz brauchbaren Story aufwarten. Night Teeth jedoch verfügt über praktisch null Handlung, null Charakterzeichnung, null Spannung und keinerlei Schauwerte - eine austauschbar-gehaltlose Geschichte für Heranwachsende, von vorn bis hinten unspektakulär und langweilig, für die 2 Punkte eigentlich noch zuviel sind. Prädikat: tunlichst vermeiden...